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Ausstellung in Traunstein

Zeit des Stillstands: Der Lockdown in Wort und Bild von Alain Roux

Die Ausstellung „So Fern, So Nah: Vachendorf in Quarantäne“ in der Städtischen Galerie Traunstein bringt „ein Buch an die Wand“. Von links: Judith Bader (Leiterin der Städtischen Galerie), Fotograf Alain Roux und Kulturreferentin Ursula Lay
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Die Ausstellung „So Fern, So Nah: Vachendorf in Quarantäne“ in der Städtischen Galerie Traunstein bringt „ein Buch an die Wand“. Von links: Judith Bader (Leiterin der Städtischen Galerie), Fotograf Alain Roux und Kulturreferentin Ursula Lay
  • VonKirsten Benekam
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Wie der Fotograf Alain Roux aus Vachendorf die Zeit der Corona-Pandemie genutzt hat, zeigt seine Ausstellung „So Fern, So Nah: Vachendorf in Quarantäne“.

Traunstein – Der Mensch neigt dazu, einschneidende Ereignisse aus der Vergangenheit in veränderter Weise abzuspeichern. Im Wandel der Zeit wird das Erlebte gefiltert, beschönigt, verdrängt oder verzerrt. Bestes Beispiel dafür ist die Corona-Pandemie, die alle und doch jeden anders traf. Schlagwörter wie Lockdown, Inzidenzen oder Kontaktverbot und damit einhergehende Emotionslagen, driften langsam in die Ferne und sind doch noch ganz nah: „So Fern, So Nah: Vachendorf in Quarantäne“, ist der Titel einer Ausstellung, die derzeit in der Städtischen Galerie Traunstein zu sehen ist.

Zeit des Stillstands genutzt

Der in Vachendorf lebende französische Fotograf Alain Roux nutzte die Zeit des Stillstandes im öffentlichen Leben zu kreativem Schaffen. Er setzte ein Buchprojekt um, in dem er Fotografisches mit Text verknüpfte: Dazu befragte er Freunde, Nachbarn und Bekannte zu ihrer Einschätzung und Stellungnahme zum Lockdown.

Die so entstandenen Texte sind in ihrem Stil so unterschiedlich wie Menschen eben sind. Sie reichen vom nüchternen Protokollstil über ein Haiku, bis hin zur lustigen Erzählung und stellen ein dokumentarisches Zeugnis aus einer surreal wirkenden Zeit dar. Alain Roux‘ großformatige Porträtaufnahmen stellen den Erfahrungsberichten die entsprechenden Gesichter zur Seite – Menschen im Familienverbund oder Einzelpersonen vor ihrer Haustüre stehend, über Hecken oder Zäune blickend oder am Arbeitsplatz: „Es sind meine Bilder, es sind ihre Worte“, bringt Alain Roux sein Buch- und Ausstellungsprojekts auf den Punkt und betont damit die Gleichwertigkeit von Bildern und Texten.

Roux‘ Bilder sind Momentaufnahmen und auch die Textschöpfungen sind vom coronalen Zeitkolorit geprägt: Sie erzählen von gravierenden Einschnitten im beruflichen und alltäglichen Leben. Gewohnheiten wurden auf den Kopf gestellt und durch andere, neue ersetzt. Ohne Kita und Schulbesuch, blieb Zeit für gemeinsames Spielen, Lernen, Musizieren oder intensive Gespräche.

Knock-Down

Vom Corona-Knock-Down erzählt die fünfköpfige Familie Frank, deren Jüngster, der dreijährige Max wissen wollte, „ob heute wieder Corona ist“. Als Mama bejaht, schreit er „Juhu!“. Die vierköpfige Familie Maier freute sich: „Einfach nix miassn miassn. Auf oamoi wünscht ma si gengseitig ois Guade und Gsungheit“, während Sohn Martin der Familie Fischer schrieb: „Es war FAD! Keine Freunde treffen, kein Klettern, kein Bouldern, keine Vorlesungen an der Uni.“ „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“, fragt Nina Langner in ihrem Text und „Worum geht es wirklich?“. Diese Fragen mag sich wohl auch Alain Roux gestellt haben, als ihm im März 2020 in zweiwöchiger Quarantäne nach Rückkehr aus der französischen Heimat die Idee zu seinem Projekt in den Sinn kam.

Aus dem Widerspruch, sich „So Fern, So Nah“ zu sein zu können, erwuchs eines von vielen Mysterien der Coronazeit. Roux‘ Projekt könnte als wert- und kunstvolle Vergangenheitsbewältigung gelten, wobei zu hoffen ist, dass sich dieses noch nahe Schreckgespenst tatsächlich in die Ferne verabschiedet.

Interpretation und Inszenierung

In ihrer Einführung bezeichnete Judith Bader (Leiterin der Städtischen Galerie) die Bild-Text-Verknüpfung als „Interpretationen und Inszenierungen der Wirklichkeit“: „Erzählen stellt eine Ordnung her und schafft Zusammenhänge. Geschichten stiften Sinn – und gerade in Krisenzeiten und Ausnahmezuständen ist das Bedürfnis danach besonders groß.“, so Bader.

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