Werk von Sigi Braun

Ausstellung in Staudach-Egerndach: Der Gaukler hält die Welt zusammen

„Gaukler“ (2008) von Sigi Braun, Acryl auf Leinwand.
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„Gaukler“ (2008) von Sigi Braun, Acryl auf Leinwand.
  • vonChristiane Giesen
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Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung im „Atelierfenster“ in Staudach-Egerndach steht der „Gaukler“ des im Jahr 2016 verstorbenen Malers, Bildhauers und Zeichners Sigi Braun, Jahrgang 1928, aus Traunstein.

Staudach-Egerndach – Der Gaukler auf dem abstrakt-gegenständlichen Bild umfasst die Weltkugel und versucht sie gleichsam zusammenzuhalten. Gemalt im Jahr 2011 hat Sigi Braun damals eine Reihe von – bisher noch nie öffentlich ausgestellten – Gauklerbildern gemalt, die beinahe visionär auf die weltweite Pandemie und die Unwägbarkeiten unserer Zeit hinweisen.

Lebensräumewerden kleiner

Der Initiator und Betreiber des Atelierfensters, Bildhauer Carsten Lewerentz, zeigt mit den Mitteln der Kunst anhand ausgesuchter Exponate, wie die Pandemie durch die Beschränkungen der realen Lebensräume die Welt gleichsam kleiner gemacht und auf das reale Umfeld, die eigene kleine Welt, beschränkt hat.

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Gleichzeitig aber nehmen virtuelle Kontakte rund um die Welt in allen Bereichen zu. In dieser gefühlten Zersplitterung zusammen mit Existenzängsten, Umwelt- und Klimakatastrophen scheint die Welt vieler ins Wanken zu geraten, sodass Siegfried Brauns Gaukler uns die gefährlich labile Lage bildlich vor Augen führt.

Ein Blick ins Atelierfenster von Carsten Lewerentz in Staudach-Egerndach: „Welten-Räume“ mit Exponaten verschiedener Künstler der Region. Giesen

Aber auch die übrigen Skulpturen und Bilder von Künstlern im Atelierfenster spiegeln ein Stück ihrer Welterfahrung wider, so die wackelig labile Kugel von Axel Kruppa, Jahrgang 1933, einem Künstler und Architekten aus Ulm. Die Gedenkmedaille vom Mondflug sowie nächtliche Himmelsgedanken von Wilhelm Neufeld, Carsten Lewerentz und Toni Stadler. Die lichten Räume im Bild von Rupp recht Geiger und Walter Lederer oder die Bewegtheit der Lüfte im Tetraprint-Druck von Karlheinz Hauser.

Ein von Luft bewegtes Exponat ist auch der rostrote Plissee-Wirbel von Marina Krog aus Hamburg. Carsten Lewerentz lernte die Plissee-Künstlerin bei einer Vernissage in Lübeck kennen und war begeistert von ihrem jahrzehntelang praktizierten Umgang mit Plissee- und Faltenkunst, die bis ins alte Ägypten hineinreicht.

Eine kleine heitere Bronzeskulptur voller Hintersinn vorne im Fenster stammt von dem tschechischen Bildhauer Wilhelm Srb-Schloßbauer, 1890 in Karlsbad geboren und 1972 in Geretsried gestorben. Sie zeigt einen Vagabunden oder ärmlich gekleideten Strolch, der seine Armut anscheinend mit Humor erträgt. Schloßbauer war angesehener Bildhauer und Professor für Bildende Kunst in Prag, bis er nach dem Krieg wie viele Sudetendeutsche bettelarm fliehen musste, bis er in Geretsried eine neue Heimat fand. In ganz Deutschland befinden sich zahlreiche seiner Werke im öffentlichen Raum wie der Froschkönigbrunnen in Pullach, das Denkmal der Vertriebenen in Dachau oder der Rübezahlbrunnen in Waldkraiburg.

Auch der Gruß der Bierflaschen aus der chilenischen Brauerei „Grassau“ ist ein Hinweis, wie klein die Welt gerade im Bewusstsein der Pandemie ist. Roberto Grass au aus Bayern baute vor gut 200 Jahren eine große, bis heute bestehende Brauerei mit Flaschenabfüllung in Chile auf.

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