Ausstellung in Traunstein: Der tanzende Globus vor dem Absturz

Eine Glück und Wohlstand verheißende Katze spielt mit dem Planeten Erde Ping-Ping.
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Eine Glück und Wohlstand verheißende Katze spielt mit dem Planeten Erde Ping-Ping.

Brennende Themen rund um die Zukunft unseres Planeten, durch die Corona-Diskussion aus dem Blickfeld geraten, holt eine packende Kunstausstellung von Helmut Mühlbacher in den Privatschulen Dr. Kalscheuer in Traunstein als Tageslicht. Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 8. November, zu sehen.

Traunstein

Gerade noch vor dem Lockdown konnte die Vernissage stattfinden. Helmut Mühlbacher möchte mit seinen Werken dem Betrachter eine Entdeckungsreise ermöglichen. „Das kann intellektuell oder sinnlich sein, im Idealfall überlappt es sich.“ Gleich beim Eintreten empfing den Besucher eine „Winke-Katze“, die mit ihrer Tatze mit einem an einem Nylonfaden baumelnden Mini-Globus „Ping-Pong“ spielt. Diesen im japanischen und chinesischen Kulturraum beliebten Glücksbringer für geschäftliches Glück in seinem Spiel mit dem Globus, unerbittlich wie ein Uhrwerk tickend, ausgerechnet in einer Wirtschaftsschule zu platzieren, war Mühlbacher wichtig.

Eine Miniatur-Weltkugel steht im Mittelpunkt noch eines zweiten Werks mit dem Titel „Nordföhn“. Sie wird durch vier im Quadrat aufgestellte Föhnapparate am Schweben gehalten. Ein Stromausfall oder die geringste Irritation würden die Erde ins Bodenlose abstürzen lassen. Judith Bader, Leiterin der Städtischen Galerie Traunstein, deutete das Werk so: „Um für die extremem Gefährdung und Labilität unserer Erde eine künstlerische Form zu finden, welche den Klimawandel und einen aus dem Ruder laufenden, sich gegen den Menschen richtenden Wachstumsprozess thematisiert, hat der Künstler Helmut Mühlbacher die Größenverhältnisse auf den Kopf gestellt.“

Unterschwellige Botschaft

Die Titel legen den Betrachter nicht fest und enthalten dennoch eine unterschwellige Botschaft, wie „running system“. Die Wandinstallation aus 138 farbig lackierten Holzleisten, macht die Verselbstständigung und Beschleunigung des Prozesses der Erderwärmung eindringlich deutlich.

Imaginäre Landkarten hat der Künstler mit Fineliner auf Papier gezeichnet und mit Hilfe von Metall, einer MDF-Platte und Glas in ein fünfteiliges Werk aus tischartigen Objekten eingearbeitet. Die einzelnen Einheiten dieser Topografien, Fragmente jenseits von Ort und Zeit, sind ohne menschlichen Bezug oder angedeutete Siedlungsstrukturen und wirken wie aneinander genäht. Wenn man langsam um den Tisch herum geht, changieren die Strukturen, an in Falten geworfene Jahresringe erinnernd, zwischen konvex und konkav.

Über Ordnungssysteme

Die Kategorien unserer Ordnungssysteme, an denen wir uns derzeit in Debatten so festklammern, wirbelt die Ausstellung „Raumordnungsverfahren“ durcheinander – ein Titel, der aus der Landschaftsplanung stammt und steht für Gutachten zu strukturellen Eingriffen. Viele Antagonismen, wie Müll-Kunst, echt-unecht, natürlich-künstlich, sieht Bader in den Bader in den Werken thematisiert. Auch der Wachstumsbegriff – einerseits in der Wirtschaft, andererseits in der Natur – wird hinterfragt. Das Video „...and you“ fordert zur eigenen Positionierung heraus. Die Ausstellung kann in den Schulen in der Weckerlestraße 17 zu folgenden Zeiten bis einschließlich 8. November: am Freitag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr sowie am Samstag von 10 bis 18 Uhr.

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