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Ausstellung zum Landkreisjubiläum

Ausstellung auf Schloss Hartmannsberg: Landschaften, Gebäude und Baustellen

Constantin Gerhardinger, Vorfrühling am Samerberg, 1948
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Constantin Gerhardinger, Vorfrühling am Samerberg, 1948
  • VonUte Bößwetter
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Seit 50 Jahren existiert der Landkreis Rosenheim in seiner heutigen Form. Auf Schloss Hartmannsberg werden in der Ausstellung „Zum.Malen.Schön“ Bilder gezeigt, die die Landschaften des Kreises abbilden.

Hartmannsberg – Zum.Malen.Schön. Eine Überschrift, die viel aussagt, denn die Interpunktion signalisiert ein Atemholen, ein staunendes Innehalten zwischen den drei Worten.

Karl Wähmann, Wasserburger Innstaustufe, 1936.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Landrat Josef Huber erläuterte Kulturreferent Christoph Maier-Gehring, einer der beiden Kuratoren, diese Präsentation habe einer besonders umfangreichen Vorbereitung bedurft. Nicht nur Bilder aus dem Depot des Landkreises und der Umwelt-, Kultur- und Sozialstiftung werden gezeigt, sondern auch solche von zahlreichen Leihgebern und in Ergänzung dazu Werke derzeit in der Region arbeitender Maler und Bildhauer. Den Anlass zur Ausstellung gibt das 50-jährige Bestehen des Landkreises Rosenheim in seiner heutigen Form.

Inseln gehören dazu, der See nicht

Kuratorin Dr. Evelyn Frick formulierte in ihrer Einführung die Arbeitsaufgabe: „Unsere Ausstellung soll den gesamten Landkreis Rosenheim in seiner Geografie, seiner Vielfalt und seiner Charakteristik zeigen“.

Beachtet wurden bei der Auswahl die besonderen geografischen Gegebenheiten: Rosenheim ist kreisfreie Stadt, gehört also nicht zum Landkreis, der Chiemsee kommt nicht in Betracht, weil er zum Landkreis Traunstein zählt, die drei Inseln im See hingegen werden zum Kreis Rosenheimer gerechnet.

Siglinde Berndt, Seelenschifferl, begonnen 2020.

Werke ab 1920

Bei der Auswahl der Werke begann man, so die Kuratorin, mit der Zeit um 1920 und ging weiter durch einhundert Jahre bis in die Gegenwart. Zum Hängen kamen malerische Landschaften in allen Jahreszeiten, Gebäude ob schlicht oder prächtig, Zweckbauten und auch Baustellen.

Zu den „Zweckbauten“ gehört das große Bild des Bruckmühler Malers Hans Breu, der 1940 die Druckrohrleitungen des Leitzachkraftwerkes bei Vagen in Öl auf Leinwand festhielt. Zwar beherrscht das technische Konstrukt die Bildmitte, aber es ist in eine stimmungsvolle bewaldete Landschaft eingebettet. Mit dem „Bau der Innstaustufen bei Wasserburg“ (1936) von Karl Wähmann ist die weitere Darstellung eines Zweckbaus zu sehen, das Thema zwar sachlich, die Malweise eher anmutig.

Gerhard Prokop, Rohrdorf, 2022.

Und natürlich gehören zwei hyperrealistische Arbeiten des Rosenheimer Gegenwartsmalers Gerhard Prokop aus jüngster Zeit dazu. Das eine zeigt mehrere technische Bauten auf dem Wendelstein mit weitem Blick ins Inntal, das andere das Zementwerk in Rohrdorf aus erhöhter Perspektive.

Handschrift der Münchener Schule

Malerische Gegenden gibt es zahlreiche. Zu den älteren Werken gehört Constantin Gerhardingers „Vorfrühling am Samerberg“ von 1948, die noch karge Landschaft in der unverwechselbaren Handschrift der Münchner Schule gemalt. Von Heinz Künast (1921 - 2012) hängen zwei Brünnstein-Motive nebeneinander - charakteristisch für den Rosenheimer Maler die ausgeprägt spitzen Bildelemente.

Heinz Künast, Brünntal IV mit Wall, 1983.

Wiederum von Karl Wähmann, dieses Mal eine Landschaft: „Der Kristallsee“, ein winterlicher See in Sonne und Schatten. Ein immer beliebtes Motiv der Maler ist die Stadt Wasserburg am Inn, die gleich mehrfach in der Ausstellung vertreten ist.

In dem Werk von Theodor Humme l bricht sich die Spiegelung der Häuser im Fluss - eine stimmungsvolle Verdoppelung der Stadtlandschaft. In einer von bayrischer Lebensweise geprägten Ausstellung sollte auch ein Biergartenbild nicht fehlen. Ekaterina Zacharova zeigt große schattenspendende Bäume, darunter farbig hingetupfte Menschen in einer Arbeit aus dem Jahre 2005.

Bei der Abbildung von Gebäuden fällt Reinhold Pichlers (1945 - 2018) rotes Werk „Spinnerei in Kolbermoor“ auf. „Das Amtsgericht Bad Aibling“, ein kleines altes Haus, zu dem ein Weg durch Schneematsch führt, steht unscheinbar im Bild des Aiblinger Malers Willi Kreutzer (1914 - 1996).

Bildhauerische Positionen

Und natürlich sind auch Bildhauer in der Ausstellung vertreten: Toni Stegmeyers Arbeit „Loop“ fordert, wie alle seine Werke, die räumliche Vorstellungskraft heraus: wenn man die beiden Einzelteile aneinander fügt, erhält man dann tatsächlich eine geschlossene Figur? Die Holzbildhauerin Regina Marmaglio hat für die Ausstellung ein breites, flaches Relief geschaffen, das den „Blick ins Inntal, vom Landratsamt aus gesehen“ darbietet - die betreffenden Gipfel mit dem Schnitzmesser aus Linde herausgearbeitet und farbig angelegt.

In der Kapelle des Schlosses hat die Neubeurer Künstlerin Siglinde Berndt eine große Installation aufgebaut: 825 „Seelenschifferl“, die in ihrem Arrangement wiederum die Form eines Schiffes ergeben.

Aus Zeitungspapier gefaltet, mit weißer Farbe angestrichen und an der oberen Kante mit einer schwarzen Linie versehen, symbolisieren die kleinen Boote die mit oder an Covid-19 verstorbenen Bewohner der Rosenheimer Region.

Metallfiguren bevölkern Park

Draußen im Freien noch einmal die Bildhauer: Christian Heß hat mit einer mehrteiligen Betonplastik das „Bergpanorama von Ullerting aus gesehen“ nachgestellt. Und: hier sind sie also doch, die Menschen, denen man, dem strengen Konzept der Ausstellung folgend, im Schloss keinen Raum gewidmet hatte. Bunte Metallfiguren mir dem Titel „Menschen im Landkreis“ von Rudi Endriß bevölkern den Park entlang eines Zaunes.

Karl Wähmann, Kristallsee, ohne Jahr. Bösswetter

Die klug geplante Ausstellung ist dazu angetan, die Augen für die Schönheit des Landkreises Rosenheim zu öffnen, Neues zu entdecken oder Bekanntes mit neuen Augen zu sehen.

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