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Auskomponierte Glücksmomente

Die PianistinTomoko Sawallisch und der Violinist Professor Ingolf Turban bereiteten musikalische Glücksmomente im Sawallisch Haus.

Grassau – In Gedenken an den großen deutschen Komponisten und Dirigenten Wolfgang Sawallisch, der am 22. Februar seinen sechsten Todestag hatte, stand im Sawallisch-Haus bei Grassau ein besonderes Konzertereignis auf dem Programm.

Tomoko Sawallisch und Professor Ingolf Turban gaben ein Gedenkkonzert, welches zugleich Eröffnung eines mehrtägigen Meisterkurses für junge Geiger aus aller Welt war.

Wolfgang Sawallisch hätte wohl sicher jubiliert. Nicht nur, weil der Saal ausverkauft war. Sondern auch weil viele jugendliche Besucher die Reihen des Saals füllten und mit aufmerksamem Blick der Musik immer ganz nah waren. Die genaue Beobachtung der Technik und Interpretationsgabe von Professor Ingolf Turban, der bereits mit 21 Jahren Erster Konzertmeister der Münchner Philharmoniker war, mag für die Nachwuchstalente lehrreich und richtungsweisend gewesen sein. Mit der großartigen Pianistin Tomoko Sawallisch, Ehefrau des Neffen Wolfgang Sawallischs, die Turban auch während des Meisterkurses zur Seite stehen wird, waren die jungen Musiker zweifellos in besten Händen.

Das Konzertprogramm mit Werken von Mozart, Mendelssohn, Richard Strauss und Pablo de Sarasate versprach klassische Hörgenüsse vom Feinsten. Ein Ereignis für sich war, neben der Virtuosität Ingolf Turbans, der Klang seiner drei Geigen. Jedes Werk erhielt durch das Wechseln des Instruments eine eigene Stimme.

Das erste Stück, die Sonate B-Dur KV 454 von Mozart, entfaltete sich klanglich wie eine edle Rose, die Blütenblatt um Blütenblatt, also Note um Note, an Klangfarbenreichtum wuchs und im musikalischen Sinn süßen Duft im Saal verbreitete: von einer Stradivari, zu Mozarts Lebenszeit erbaut, mit charakteristisch brillantem und zugleich volltönig tiefem Klang. So klang Mozarts Sonate zusammen mit Sawallischs Klavierspiel wie ein Liebesgruß aus der Vergangenheit ins Heute.

Als „auskomponiertes Glück“ bezeichnete Turban Felix Mendelssohns F-Dur Sonate, die im Anschluss zu genießen war. Das Werk sei, betonte er, 30 Jahre älter als die Geige, auf der er es interpretierte: Einer der einflussreichsten französischen Geigenbauer des 19. Jahrhunderts, Nikolas Lupot, baute das Instrument im Jahr 1808. Mendelssohns F-Dur Sonate in drei Sätzen, legte sich in die Herzen der hingerissenen Zuhörer im Sawallisch-Haus, als wolle es den letzten kalten Winterwind um Grassau vertreiben.

Energiereich ging es nach kurzer Pause mit der Sonate in Es-Dur op. 18 von Richard Strauss weiter. Als Geniestreich ist das Werk des damals erst 18-jährigen Strauss in die Geschichte eingegangen und klang auch auf einer noch jungen Geige ganz wundervoll: 2009 von Martin Schleske erbaut, schnitt das Instrument im Hörvergleich zu den antiken Kostbarkeiten überraschend gut ab. Die Fantasie über „Carmen“ op. 25 von Pablo de Sarasate als letzten Programmpunkt zu setzen war wohl gewagt. Denn das enorme Tempo und der große Variationsreichtum der Opern-Kurzfassung, in der es gelang alle Rollen in zwölf Minuten komprimiert hörbar zu machen, ließ im Saal die Stimmung hoch kochen. Am Ende waren sicher alle Stuhllehnen frei, denn bei dieser virtuosen Zirkusnummer, welche die Musiker mit tänzerischer Leichtigkeit darboten, hielt es keinen mehr hinten. Die Begeisterung der Konzertbesucher entlud sich in einem kräftigen Applaus. Als Zugabe und zum Runterkommen schickten die beiden Ausnahmemusiker ihre Gäste mit „Après un rêve“ von Gabriel Fauré nach Hause.

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