Ausflug ans Meer im Wohnzimmer

Quadro Nuevo, Mare, erschienen bei GLM Music unter der Nummer FM 260-2
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Quadro Nuevo, Mare, erschienen bei GLM Music unter der Nummer FM 260-2

Rosenheim – Seit dem Debütalbum „Luna Rossa“ im Jahr 1998 widmeten sich Quadro Nuevo immer wieder den musikalischen Welten des Mittelmeerraums, fortgesetzt mit den „Canzone della Strada“ (2002), „Mocca Flor“ (2004) und der Vertonung von Goethes „Italienischer Reise“ aus dem Jahr 2007.

Nach dem zuletzt intensiven Austausch mit arabischen Musikern im Projekt „Flying Carpet“ und fulminanten Konzerten setzt die Formation ihre Mittelmeerreise fort. Herausgekommen ist ein sehr melodischer und angenehmer Tonträger namens „Mare“, mit manchen umarrangierten Titeln aus Solovorhaben, aber auch mit vielen noch nicht so bekannten oder bisher ausschließlich live gespielten Stücken. Federleicht und melodisch steigt der Reigen ein, und mit einem Schuss Melancholie assoziiert man beim „Sambadi Didi“, einer Komposition von Didi Lowka „salzige Haut und geblichene Haare“, wie der Bassist der Band zutreffend anmerkt.

SehnsüchtigeMandoline

Ein schönes Piano-Intermezzo von Chris Gall und das dezente Akkordeon von Andy Hinterseher werden im Schluss von Lowkas Percussion verstärkt – guter Auftakt. „Torna a surriento“, eine alte neapolitanische Canzone, und seit der Hörbuch-Vertonung von Goethes Italienischer Reise 2007 im Programm, wirkt durch die Mandoline sehr süßlich-kitschig und sehnsüchtig. Weniger nostalgisch wirken „Sun will shine again“, eingängig und mit Ohrwurmqualitäten und mit feinen und komplex dargebotenen Gitarrenpassagen von Paolo Morello, der zuletzt beim Konzert in Stephanskirchen mit dabei war, darüber Mulo Francels Saxofon.

Beinah ein Klassiker ist Chris Galls Komposition „Yorke’s Guitar“. Die CD birgt viele eher ruhige Stücke im Wohlfühl-Sound, mit nostalgischem Touch wie „Cinema Paradiso“ und der Quadro-Nuevo-Version des Hits „El Bimbo“, hier mit dem Titel „Beach anno ´75“, quasi zum Nachpfeifen. Evelyn Huber ist bei mehreren Aufnahmen an der Harfe dabei, und es gibt ein Wiederhören mit einem der Protagonisten der „Flying Carpets“-Tour: Im „Café Groppi“, einer Hommage an einen Künstler- und Intellektuellentreff in Kairo spielt Basem Darwisch die Oud, sodass mit dem Mitwirken von Rafat Muhammad als Percussionist in zwei Titeln auch der ägyptisch-arabische Anteil des Mittelmeers vertreten ist. Besonders gelungen mit dramatischem Duktus im typischen Sound von Quadro Nuevo und dem Wechselspiel von Piano, Klarinette und Akkordeon die „Bora Furiosa“. In Ermangelung von Konzertterminen ergibt „Mare“ ein schönes Wohnzimmerkonzert.

Andreas Friedrich

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