Aus dem Volksmusikarchiv: „Gott hat alles recht gemacht ...“

Von 1983 bis 1984 wurden über 130 Beiträge zum Thema „Geistliches Volkslied“ im Oberbayerischen Volksblatt veröffentlich. Wastl Fanderl hat das Lied „Gott hat alles recht gemacht“ in seine Liederbögen übernommen.schusser
+
Von 1983 bis 1984 wurden über 130 Beiträge zum Thema „Geistliches Volkslied“ im Oberbayerischen Volksblatt veröffentlich. Wastl Fanderl hat das Lied „Gott hat alles recht gemacht“ in seine Liederbögen übernommen.schusser

Mit dem geistlichen Volkslied befasste sich der Leiter des Volksmusikarchivs, Ernst Schusser, schon 1983. In einer Sonderreihe wurden über 130 Beiträge gesammelt – wertvolles Liedgut, das auch in den Liederbögen Wastl Fanders Eingang fand.

Von Ernst Schusser

Bruckmühl – Wenn die Tage kürzer werden und der Herbst ins Land zieht, ist es für viele Menschen Zeit, Rückschau zu halten. In Corona-Zeiten mit den staatlichen Vorgaben, weniger Menschen zu treffen und auch zuhause zu bleiben, verstärkt sich dieses Gefühl.

Schon den ganzen Sommer über haben viele Menschen ihre Wohnung und ihre Erinnerungen aufgeräumt. Sie haben dem Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern und der Kreisvolksmusikpflege Rosenheim in vielfältiger Weise ihre Lieder- und Musikhandschriften und oft mündlichen Erinnerungen an das musikalische Leben in ihrer Kindheit zur Aufbewahrung f angeboten.

Jede einzelne dieser persönlich geprägten Erinnerungsdokumentationen trägt dazu bei, die Vielfalt der musikalischen Überlieferung unserer Heimat aufzuzeigen oder die Entwicklung im Singen, Musizieren, Tanzen und den Lebensbräuchen aller Altersstufen bis heute zu verstehen.

Ernst Schusser, Leiter des Volksmusikarchivs: „Ich möchte mich aber auch erinnern - nämlich an den September und Oktober 1983. Da habe ich für das Oberbayerische Volksblatt Rosenheim und seine Heimatzeitungen die neue Reihe „Das geistliche Volkslied im Jahreslauf“ begonnen.“

Im Sommer 1983 habe ihn, so Schusser, der zuständige Redakteur Franz Hilger vom Oberbayerischen Volksblatt Rosenheim um einige Beiträge zur Volksmusik, speziell zum geistlichen Volkslied gebeten. Im Bildungswerk Rosenheim beschäftigte man sich wiederholt auf Fortbildungstagen näher mit dem überlieferten volksfrommen Gesang. Was ein einmaliger Versuch sein sollte, wuchs sich aufgrund des Leserinteresses zu einer Serie mit vielen Fortsetzungen aus. Vom 30. September 1983 bis zum 7. Oktober 1984, also über ein volles Jahr hinweg, erschienen dann 132 Beiträge zur Themenreihe „Das geistliche Volkslied im Jahreslauf“ die immer die jeweilige Kirchenzeit, das anstehende Kirchenfest, den Tagesheiligen, usw. zum Thema hatten.

Lesen Sie auch

„Mein Hirt ist Gott, der Herr...“

Diesen Zeitungsbeiträgen von 1983/1984 folgten über 50 sogenannte „Bunte Hefte“ mit vielen textlich erneuerten überlieferten Liedern zu fast allen Themen des Kirchenjahres und Lebensbrauches: Advent, Weihnachten, Sternsingen, Fastenzeit, Passion, Karwoche, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Erntedank - aber auch über Maria und andere Heilige, wie Nikolaus und Martinsbrauch, zu Hochzeit, Taufe, Beerdigung usw.

1989 hat das Volksmusikarchiv begonnen, Tonaufnahmen dieser Lieder zu machen - angefangen mit Heiligenliedern für den „Heimatspiegel“ im Bayerischen Rundfunk, angeregt durch Fritz Mayr. Viele CDs mit geistlichen Volksliedern, hunderte von Chorsätzen und Notenausgaben für Instrumentalmusik zu religiösen Zwecken folgten bis heute.

Somit ist von der Region Rosenheim seit etwa 1980 ein weiterer Impuls zur Erneuerung der geistlichen Volkslieder ausgegangen - denn schon in den 1930er Jahren hat Annette Thoma in Riedering mit ihrer „Deutschen Bauernmesse“ neue Wege beschritten.

Der Kiem Pauli hat in einem kleinen, auch in Schulen verbreiteten Liederheft (Bildungswerk Rosenheim 1951) das in Südtirol um 1900 aufgezeichnete Lied „Gott hat alles recht gemacht“ bekannt gemacht, das dann Wastl Fanderl als Lied Nr. 1 in seine Liederbögen übernommen hat.

Kommentare