Aufschrei der Brasilieros

Georges Gachot war bei den Musikfilmtagen in Oberaudorf.  Foto  Gruber
+
Georges Gachot war bei den Musikfilmtagen in Oberaudorf. Foto Gruber

Der in Zürich lebende Filmregisseur Georges Gachot produziert seit 1990 Dokumentarfilme über klassische Musik. Besonders bekannt sind seine Filmportraits von Komponisten und Interpreten.

Gachot, der mit "O Samba" erstmals einen Film bei den Musikfilmtagen in Oberaudorf vorstellte, will mit seinem nächstes Dokumentarprojekt über "Bollywood" wieder zu den Musikfilmtagen in der Inntalgemeinde kommen.

∗ Monsieur Gachot, in Ihren bisherigen Dokumentarfilmen haben Sie sich überwiegend mit Künstlern der klassischen Musik befasst, vollziehen Sie mit "O Samba" einen Richtungswechsel?

Sie haben Recht. Ich bin eigentlich der romantischen Musik zugetan. Samba war für mich zunächst sehr mit Klischees behaftet. Mich hat die Welt des Sambas nicht wirklich interessiert, bis ich den Sänger Mathino da Vila kennengelernt und erkannt habe, dass Samba voller Poesie und Geschichte ist. Die Lieder erzählen vom Kampf gegen Rassismus. Sie sind ein Aufschrei in einem sozial schwierigen Umfeld.

∗ Der Film lebt von Bildern, Musik von Tönen. Ist es nicht ungemein schwierig, Töne in Bilder zu fassen?

Ich leide oft bei Musikfilmen. Für "O Samba" habe ich 120 Stunden Filmmaterial gesammelt. Zwölf Wochen wurde gedreht, nicht nur in Brasilien, sondern auch in Paris beim sehr berührenden Treffen da Vilas mit Nana Mouskouri. Der "final cut", also der letztendliche Schnitt des Films, tut weh. Ein Jahr habe ich dafür bei "O Samba" gebraucht.

∗ Die zeitliche Nähe zum historischen WM-Debakel für Brasilien erfordert förmlich diese Frage: Kann der Samba die Brasilieros trösten?

Nur der Samba kann die Brasilieros trösten! "Aufstehen aus der Asche", heißt es etwa in einer Textpassage. Im Film werden ja auch Aufnahmen in einem Fußballstadion gezeigt. "O Samba" ist der richtige Film für diesen schwarzen Tag Brasiliens.

Die Musikfilmtage in Oberaudorf (wir berichten) laufen noch bis Sonntag, 13. Juli. Heute, Freitag, gibt es um 17.30 Uhr im Kursaal den Film "Journey to Jah." zu sehen, danach läuft dort ab 19.30 Uhr die deutsche Vorpremiere der Musikkomödie "Begin again - Can a song save your life" von John Carney mit Keira Knightley. Zur gleichen Zeit spielen ab 20 Uhr im Kurpark Lenze und de Buam. Ab 21.30 Uhr folgt als Open-Air-Kino das Bandporträt "Kofelgschroa. Frei.Sein.Wollen" von Barbara Weber.

Interview Eva-Maria Gruber

Kommentare