„VON ORT ZU ORT“

Armin Höfer erklärt, wie Wirtshäuser in der Region zu ihren Namen gekommen sind

Ein nicht mehr existierender Ortsteil von Bad Feilnbach hat der „Hofer Alm“ ihren Namen gegeben.
+
Ein nicht mehr existierender Ortsteil von Bad Feilnbach hat der „Hofer Alm“ ihren Namen gegeben.

Die Beziehung zwischen den Namen von Wirtshäusern und den Namen der Orte, in denen sie sich befinden, herauszufinden ist eine reizvolle Angelegenheit: Entweder haben die Gasthäuser einem Ort seinen Namen gegeben, oder die Wirtshäuser sind umgekehrt nach den Orten benannt worden, in denen sie sich befinden.

Bad Feilnbach - Aber Vorsicht! Ein „Tiroler Hof“ steht nicht unbedingt im Land Tirol. Sein Begründer kann den Namen ganz einfach aus Tirol mitgenommen haben, wie es beispielsweise beim Wirt zu Derndorf der Fall ist.

Aber haben Wirtshäuser und ihre Namen tatsächlich auch Orte und deren Namen begründet? Hierzu hilft ein Blick in die Geschichte, und zwar in die Zeit der alten Römer. Wolf-Armin von Reitzenstein berichtet in seiner Dissertation „Untersuchungen zur römischen Ortsnamengebung“ von sogenannten Itinerarien, nämlich antiken Kursbüchern, in denen „mansiones“ – Übernachtungsstätten – und „mutationes“ – Stationen für den Pferdewechsel – aufgeführt sind.

Lesen Sie auch:

Corona-Mutation im Landkreis Mühldorf nachgewiesen

Rosenheimerin kämpft vor Gericht gegen Corona-Lockdown für ihr Brautmoden-Geschäft

Römische Ursprünge

Eine antike „bona mansio“ – eine zum Übernachten gute Stätte, wörtlich: „Bleibe“ – überlebt laut von Reitzenstein bis heute als Ortsname „Bonames“. Allerdings nicht (mehr) in un serer Region.

Für antike „mutationes“ finden wir beispielsweise den Ortsnamen „Mauterndorf“ im Salzburgischen Lungau. Die mittelalterliche Burg Mauterndorf fungierte laut „alpen-guide“ als Mautstelle – lateinisch „mut“ bei „mutare“ (ändern, tauschen, wechseln) wandelte sich im Althochdeutschen zu „maut“ – an der Straße über die Radstädter Tauern und den Katschberg. Selbstverständlich gab es auch in unserer Region Mautstellen, aber sie haben nicht mit dem Namensteil „Maut-“ überlebt.

So entstand die „Tafernwirtschaft“

Wenn wir diejenigen Gaststätten heranziehen, die in der römischen Antike als „tabernae“ bezeichnet wurden, liegen ebenfalls hieraus entstandene Ortsnamen vor: Dank der hochdeutschen Lautverschiebung wurde lateinisches t zu ts, was zu Orten mit den Namen „Zabern“, „Rheinzabern“ führte. In unserer Region ist keine Spur eines „Zaberns“ mehr zu finden, wohl aber der Begriff „Tafernwirtschaft“ bei manchen alteingesessenen Wirtshäusern. Ein Name wie „Tafertshofen“ im Landkreis Unterallgäu fehlt aber in unserer Region.

Die Benennung eines Wirtshauses nach dem Ort, in dem es liegt, ist weniger häufig, als man meinen könnte. Vielmehr dienen Tiere („Adler“, „Bär“, „Löwe“), Pflanzen („Alpenrose“, „Linde“), Eigennamen („Krimplstötter“, „Stockhammer“, „Pfeiffenthaler“, „Höß“, „Höhensteiger“) und Brauereinamen als Namengeber. Immerhin: Der „Happinger Hof“ steht in Happing!

Hier sollte aber nicht unerwähnt bleiben, wie sehr manche Gaststättennamen eine Reihe von Ortsnamen am Leben erhalten, die seit vielen Jahrzehnten infolge der Gebietsreformen nahezu ausgestorben sind.

Ein vergessener Ortsteil

Die „Hofer Alm“ war nicht die Alm eines Herrn Hofer, sondern lag im Gemeindeteil „Hof“ von Bad Feilnbach. Leider existiert sie nicht mehr – und wie lange wird daher dieser Ortsname noch überleben? Kein Schild erinnert ja an ihn!

Besonders lobenswert ist die Schreibung „Schwoagawirt“. Dadurch wird nicht nur an eine „Schwaige“ innerhalb von Götting erinnert, sondern auch die bairische Lautung der Nachwelt überliefert. Großes Lob an all jene Wirtschaften, die helfen, unsere alten Ortsnamen in Ehren zu halten!

Kommentare