Arbeiten geprägt von Bestehen und Vergehen

Franz Wörlefertigte auch die Gedenkstätte an der Unglücksstelle in Bad Aibling. baumann

Bruckmühl. – Der Tod des Bildhauers Franz Ferdinand Wörle hat in den Landkreisen Ebersberg und Rosenheim große Betroffenheit ausgelöst.

1952 in München geboren, fühlte sich Wörle bereits früh zur Kunst hingezogen. Während seines Studiums an der Akademie der Bildenden Künste bei Professor Leo Kornbrust fand er nach einigen Versuchen mit anderen Materialien in Eisen den Werkstoff, mit dem er seine Vorstellungen am überzeugendsten realisieren konnte.

Er schuf streng geometrische, disziplinierte Skulpturen, denen er Bezeichnungen wie Tor, Kasbah, Seelenhaus gab. Innerhalb eines mit Absicht klein gehaltenen Formenvorrats entstanden immer neue Werke, alle mit einer kontemplativen Aussage. Mit seinen Seelenhäusern knüpfte er an die Gebräuche von Urvölkern an, ihren Verstorbenen ein Seelenhaus für die endgültige Rast bereitzustellen. Da die Oberfläche des Eisens einer Veränderung unterliegt, symbolisieren seine Arbeit Bestehen und Vergehen gleichermaßen.

Ein drei Meter hohes „Tor“ hatte der Künstler auf Bitte der Stadt Bad Aibling neben der Stelle des Zugunglücks vom 9. Februar 2016 errichtet. Es verdeutlicht nach Aussage des Künstlers „den Übergang vom Leben in den Tod“. Geradlinig wie seine Arbeiten war auch sein Wesen, und man kannte ihn als hilfsbereit, aufrichtig und humorvoll. Sehr engagiert hat er sich für eine Zusammenarbeit mit jungen Menschen, um ihnen einen Bezug zur Kunst zu vermitteln. Auch war er ehrenamtlich als Berater in verschiedenen Gremien tätig, für den Kunstverein Rosenheim über mehrere Jahre als Jurymitglied, in der Galerie Markt Bruckmühl 18 Jahre lang als Mitglied des künstlerischen Beirates. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland begleiteten seinen Weg, und immer wieder erhielt er Auszeichnungen für sein Werk: 1988 den Debütantenpreis des Bayerischen Staates, 1999 den Förderpreis der Dr. Stöcker Kulturstiftung Rosenheim, 2016 den Seerosenpreis der Stadt München.

Arbeitsstipendien konnte er in Polen, der Ukraine und in Irland wahrnehmen. Vor der Galerie Markt Bruckmühl erinnert die Stele „Tor II“ an sein Wirken. ute Bößwetter

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