Werke von Aldo Canins und Severin Zebhauser

Anmutsvolle Ökonomie

"Flussstücke" aus Gips und Wachs von Severin Zebhauser. Foto  Hinterberger
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"Flussstücke" aus Gips und Wachs von Severin Zebhauser. Foto Hinterberger

Die mannigfaltigen Skulpturen von Severin Zebhauser, die derzeit gemeinsam mit Gemälden des Künstlers Aldo Canins in der Galerie Bruckmühl zu sehen sind, bedürfen eines unvoreingenommenen Betrachters, der gewillt ist, in einen ungezwungenen Dialog mit ihnen zu treten. Nur dann wird offenbar, dass es bei den Gebilden aus Schiefer, Granit, Stein, Gips, Holz oder Wachs im wesentlichen Kern nicht um das materielle Objekt an sich, sondern um die beim Gegenüber hervorgerufenen Assoziationen geht. Viele der Exponate des Münchner Bildhauers - betitelt "Altocumulus" oder "Stein im Raum" - erzielen gerade deshalb eine derart große Wirkung, da Zebhauser während des kreativen Prozesses nicht übermäßig in die natürliche Beschaffenheit des Materials eingegriffen hat, sondern nach dem Prinzip der "anmutsvollen Ökonomie" vorging: Er möchte ein optimales Ergebnis erzielen, indem er sein künstlerisches Konzept nicht weiter als unbedingt nötig ausführt. Gerade auf diese Art und Weise kann der Betrachter über das absurde Moment hinauswachsen und in der nur scheinbar leblosen Materie die poetisch-ästhetische Seele eines zwar abstrakten, doch dadurch umso greifbarer gemachten Kunstwerkes erfassen.

Hinzu kommt die gelungene, wirkungsvolle Anordnung der Exponate in der Galerie Bruckmühl: Die Skulpturen können sich im regen Wechselspiel mit Aldo Canins Gemälden in den schlicht gehaltenen Räumlichkeiten zu voller stilgerechter Größe entfalten, so dass die nicht nur stilistisch so unterschiedlichen Werke der beiden Künstler zugleich eine gegenseitige Bereicherung erfahren. Die zumeist aus Acryl oder Öl verfertigten Werke des in den Dolomiten gebürtigen freischaffenden Künstlers Aldo Canins zeigen ihrerseits ruhige, oftmals melancholisch anmutende Landschaften aus Niederbayern und den Bergen. Inmitten der fließend dargestellten Naturschauplätze, die sich nicht selten in einem dunstigen Schleier wiederfinden, werden immer wieder kleinste Unterschiede in der bildnerischen Struktur merklich, die dem aufmerksamen Auge Anhaltspunkt und Interpretationshilfe sein wollen. Da erscheinen beispielsweise in seinem Werk "Horizont" vermeintlich aus dem Nichts Büsche oder Pfähle, die sich allerdings erst auf den zweiten Blick von der weitreichenden Schneefläche abheben.

Canins versteht es in seinen Kompositionen in unverwechselbarer Manier, die Wirkung von Licht und Schatten einzusetzen, wobei sich seine Farbskala in feinsten Schattierungen stets in einem begrenzten und dadurch umso aussagekräftigeren Bereich bewegt.

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