Das Bläserensemble Esbrassivo spielte im Wasserburger Rathaussaal für die Stiftung Attl

In allen Spielarten zuhause

Die Musik von Esbrassivo passte zum edlen Ambiente im Rathaussaal. Foto Wagner
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Die Musik von Esbrassivo passte zum edlen Ambiente im Rathaussaal. Foto Wagner

Im Rahmen einer Benefizveranstaltung für die Stiftung Attl gaben die Musiker des Ensembles Esbrassivo (Josef Lang, Korbinian Weber, Trompeten; Marinus Brückmann, Horn; Markus Bauer, Posaune; Thomas Stadler, Tuba) im Wasserburger Rathaussaal ein Konzert.

Eingeführt durch einen Vertreter der Stiftung, moderierten die Musiker ihren Auftritt in eigener Person. Und beides, die mitunter witzigen Beiträge wie auch die Musik selbst, fügten den Abend zu einem harmonischen Ganzen und ließen die besondere Art der Zuwendung erkennen, welche diese Musiker ihren Zuhörern zu schenken pflegen.

Sie konnten es sich leisten, Mozart und Jelly Roll Morton nebeneinander zu stellen, Vivaldi und Latino-Tango, Dvorak und englische Renaissance, "Carmen" und bayerische Volksweisen. Was dabei frappierte: Durch das profunde Spiel, durch das ausgeklügelte Abstimmen der Instrumente in den Arrangements von Josef Lang veredelte sich Gefälliges, ebenso wie Ehrwürdig-Altes zeitlos erschien.

Die fünf von Esbrassivo fühlen sich eben in allen Spielarten zuhause, wenn der strahlende Sound der beiden Trompeten abgelöst wird vom dunklen und warmen Klang von Horn und Posaune und auch die stets rhythmisch präsente Tuba sich gleichwertig ins harmonische Konzept miteinbaut. Jeremiah Clarkes "Trumpet Voluntaries" hörten sich damit ganz neu an, wie auch Dvoraks "Slawischer Tanz". In Jelly Roll Mortons "Tiger Rag" trumpfte das Blech nicht lautstark auf, sondern ließ südstaatlich liebliche Aura aufleben, und dies wiederholte sich auch stilecht in der Zugabe mit dem "Basin'Street Blues".

Beispielhaft für die nobel klassische Zurückhaltung der Musiker sei der gemütliche "Wiener Kaffeehauswalzer" erwähnt: Eine "gschmache" Kaffeehausmelancholie hatte Josef Lang wohl im Sinn, als er dies komponierte, wobei die Tuba und die Posaune neben dem Solistentrio aus Horn und Trompeten elegant im Walzerschritt-Rhythmus bliesen.

Passend zum Ambiente des Rathaussaales begaben sich die Musiker zwischendurch zurück in edle Musikvergangenheit: Was im Original wohl der menschlichen Stimme zugedacht war, präsentierte sich hier auch im fünffachen Blech als tief empfundene Liebesklage des Renaissancebarden Thomas Tallis! Und zu all der an diesem Abend gezeigten Ernsthaftigkeit der Musiker passte eine als wahr erzählte Geschichte vom berühmten Geigenvirtuosen, der den Versuch wagte, in New Yorks Straßen Bach zu spielen: Abgesehen von ein paar merkbar bewegten erwachsenen Zuhörern und Kindern erregte seine Musik nur mäßige Aufmerksamkeit.

Ist das "Volk" etwa indifferent gegenüber guter Musik? Nicht so im Wasserburger Rathaus: Randvoll präsentierte sich der Saal, und an der so unbeschwerten Atmosphäre und an der Art des Beifalls war zu spüren, dass verstanden wurde, was die Musiker wollten, nämlich ohne aufzutrumpfen und ohne billige Zugeständnisse wirklich gute Kunst zu bieten.

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