Kabarettistische Deutschstunde mit Faltsch Wagoni im Tam-Ost

Alle meine Quäntchen

Am Anfang war das Wort - und ist es immer noch bei dem Kabarett Faltsch Wagoni, bestehend aus dem Ehepaar Prosperi (Was für ein shakespearehafter Name!). Beide traten mit ihrem Programm "Deutsch ist Dada" im gut gefüllten Tam-Ost in Rosenheim auf, zum angeregten Vergnügen der Zuschauer, die durchaus über ihrem Niveau lachen konnten.

Die beiden Wortklauber ("besser als ein Wortglauber!", beteuern sie) schauen dem Wort aufs Maul, nehmen es unter die Lupe, setzen es auf einen Thron, schütteln es gehörig durcheinander und paaren es ungehörig mit anderen Worten, woraus gescheckte Wortbastarde entstehen. So verheddern sie sich bewusst in Worthecken und verirren sich gezielt in Grammatiklabyrinthen.

In einer Gerichtsverhandlung hat der Richter gesessen, während der Angeklagte gestanden hat - oder ist? Sie gehen auf die Suche nach Interrogativpronomina ("Was wäre eine Frage ohne 'Was'"?) und formulieren Grundsatzfragen in einem grammatikalisch exakten, aber sinnfreien Alliterations-Fragen-Rap: "Liebt der Lappe La Paloma? Trägt zum Herbst der Herpes bei?"

Zwischen Nasenflöten-Sonatinen und Serenaden einer singenden Säge rezitieren sie ein Gedicht über Viren, machen Wasser-Wortspiele ("Das muss man dem Wasser lassen..."), brechen eine Lanze für das Verb, exerzieren eine Genitiv-Etüde (die als solche nicht von allen erkannt wurde) und singtanzen einen Fandango über den deutschen Konjunktiv II mit dessen farbprächtigen Umlauten, in die sie sich so verlieben, dass das Morgengebet des Atomphysikers dann lautet: "Alle meine Quäntchen...". Wenn sie noch dazu die fast verloren gegangenen bairischen Konjunktivformen beherrscht hätten, stünden sie noch besser da: "Wenn's nur grad schnieb, wenn's aso rang, dass der Dreck aufspratz, as Schulhaus verbrann, der Lehrer verrack - und dann wieder schee Weder wur!" Das ist die Trompetenarie des bairischen Konjunktivs!

"Noch'n Gedicht" des unvergessenen Heinz Erhardt stand oft Pate bei den wortspielenden Gedichten - nur dass der Pate oft Pate blieb. Noch'n Gedicht mussten die Prosperis auch als Zugabe geben.

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