Absurdität und Verzweiflung

Martin Pfisterer liest am 12. Februar bei der Rosenheimer Goethe-Gesellschaft aus Thomas Bernhards Roman „Auslöschung“. re

Rosenheim –. Der in München lebende Schauspieler, Rezitator und Sprechtrainer Martin Pfisterer wird am Mittwoch, 12. Februar, 19.30 Uhr, auf Einladung der Goethe-Gesellschaft Rosenheim im Künstlerhof am Ludwigsplatz aus dem Roman „Auslöschung“ des österreichischen Schriftstellers Thomas Bernhard lesen.

Das OVB sprach mit ihm über die Faszination Bernhards, die Kunst des Vortragens und neue Projekte.

Sie werden einige Passagen aus der „Auslöschung“ von Thomas Bernhard lesen. Weshalb haben Sie gerade diesen Roman gewählt?

Natürlich war es eine Herausforderung, dieses umfangreiche Werk in eine dichte Fassung so zu kürzen, dass nichts Wesentliches ausgespart bleibt. Als Schauspieler und Sprecher ist meine Lust groß, in die plakativ beschriebenen Hauptfiguren einzutauchen und ihre Absurdität und Verzweiflung zu zeigen. Der „Bernhard-Sound“ der „Auslöschung“ reißt mich mit…

Um was geht es?

Um ein Lebensthema: Je radikaler und manischer ich meine Herkunft und Familiengeschichte auszulöschen und zu verdrängen suche, umso unerbittlicher, grausamer, grotesker auch holt sie mich ein. Oder: wo ich auch hingehe oder flüchte – mich nehme ich immer mit.

Mit Thomas Bernhard haben Sie sich schon viel beschäftigt. Was fasziniert Sie an dem österreichischen Schriftsteller?

Immer schon ist Bernhard für mich eine Hilfe für mein Leben: Er ist Philosoph, Menschenkenner und -erkenner, Menschenvernichter, Übertreibungskünstler. So macht er mir mein Leben erträglicher – durch Übertreibung, also Spiel und Gelächter, vielleicht Selbstgelächter. Bernhard steigert und sensibilisiert mein Bewusstsein für das Verhalten unserer Welt.

Liegt die Faszination nicht auch an der Musikalität seiner Sprache?

Bernhard ist Musik und Rhythmus. Seine Romane sind wie eine Komposition aus wortgewaltigen Satzgebirgen. Man kann ihn nur hören und sich treiben lassen wie in einem wilden, aber sicheren Ozean. Seine Sprache und schriftstellerische Klarheit sind für mich mit das Größte, was es in der Weltliteratur gibt.

Sie sind Schauspieler, Sprechtrainer und Rezitator. Auf was kommt es bei einem Vortrag, bei einer Lesung an?

Mein Ziel ist immer, die Texte nicht nur gut zu lesen, sondern sie „zu leben“. Ich möchte die Vorgänge und Absichten unter den Worten spüren und ausdrücken. Ich möchte „spielen“, ohne übertrieben theatralisch zu sein. Ich möchte dem Wort selbst seine Wahrheit, Schönheit und Zeit geben, um auszustrahlen.

Wie sind Sie Sprechtrainer geworden?

Eher zufällig. Ich wurde 1984 von einer heute bekannten Schauspielerin angesprochen, und so nahm mein Training seinen Lauf. Erst Einzelunterricht für Schauspieler, dann auch andere Berufe. Viele Workshops. Und das geht und entwickelt sich, was wunderbar ist, gut bis heute. Ich habe immer viel zu tun und weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist.

Was sind Ihre nächsten Projekte?

Ein Workshop im Februar zum Thema Stimme, Präsenz, Präsentation in der Nähe von Andechs, „Herztier“ von Herta Müller, eine Lesung in München, ein Workshop in Wien an der Schule des Sprechens, eine Lesung im Literaturhaus Nürnberg und „Beton“ von Thomas Bernhard in München.

Interview: Georg. Füchtner

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