40 Bilder gegen den Ausnahmezustand

Mit der Bilderserie „Waldbrand“ kritisiert Bri Oppel die Vorgänge in Brasilien.
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Mit der Bilderserie „Waldbrand“ kritisiert Bri Oppel die Vorgänge in Brasilien.

Neubeuern – Quaranta ist die erste gemeinsame Ausstellung in der Galerie am Markt der Neubeurer Malerin Bri Oppel und Martin Gensbauer aus Dießen am Ammersee.

Bri Oppel gehört seit der Gründung dem Neubeurer Künstlerkreis an, Martin Gensbauer war von 1985 bis 1990 Kunsterzieher am Neubeurer Schloss. Seit dieser Zeit sind sie freundschaftlich miteinander verbunden.

Von dem italienischen Wort Quaranta (Vierzig) leitet sich der Begriff Quarantäne ab, denn zur Zeit der Pest musste die Schiffsbesatzung für 40 Tage an Bord bleiben.

So malten die beiden Künstler mit jeweils 20 Bildern gegen den Ausnahmezustand in der Corona-Krise an. Jeder der beiden spiegelt die letzten Monate auf seine eigene Art und Weise.

Aufenthaltim Dschungel

Das Jahr 2020 war für Bri Oppel geprägt von einem zweimonatigen Aufenthalt im Dschungel von Peru und von der Enge der Quarantäne. Bei der Reise durch den Dschungel von Peru faszinierte sie dieses Idealbild der Natur, also das Leben nicht gegen die Natur, sondern mit der Natur. „Das ist wie der Traum von einer heilen Welt“, schwärmt die Künstlerin.

Nach ihrer Rückkehr kam der Schock des Lockdowns und vermischte sich mit den Berichten von den brennenden Urwäldern in Brasilien, der Zerstörung der Natur und dem Brand von Moira.

Das war der Beginn für die Entstehung der Serie der Waldbrandbilder. Nach der Leere, die sie danach fühlte, füllte sie ihr Inneres wieder auf durch die in Meditation entstandenen quadratischen Bilder, die sie Erde, Kosmos, Leben, Licht, Wasser und Veränderung nennt.

Mit dem letzten Bild „Veränderung“ fand sie, wie sie erzählt, wieder zu sich selbst zurück. Denn Veränderung ist es, was dieses Corona-Jahr zuvorderst prägt.

In Abwandlung des Zitats der Schriftstellerin Susan Sontag „Ich schreibe, um zu herauszufinden, was ich denke“, sagt sie: „Ich male, um zu fühlen, was ich meine. Bevor ich mit einem Bild beginne, muss ich meinen Kopf leer machen. Ich folge beim Malen dem ersten Impuls und bleibe dran bis er endet“, beschreibt Oppel ihre Herangehensweise.

Bri Oppel malt in Gouache-Technik. Gouache ist ein wasserlösliches Farbmittel aus grob vermahlenen Pigmenten unter Zusatz von Kreide und kann sowohl für deckende, als auch für lasierende Techniken verwendet werden.

Die Farben glänzen nicht, aber sie sind sehr lichtstark; das ist ihr für ihre Werke wichtig. Zudem ermöglicht diese Technik auch ein Übermalen der Bilder.

Martin Gensbaur entdeckte zu Beginn des Lockdowns in einem Magazin ein Interview mit dem Maler David Hockney, der darin erzählte, dass er sich an Tagen, an denen er nicht male, nicht wohlfühle.

Daraufhin beschloss Gensbauer, täglich Bilder, die ihm in den Corona-Zeiten, in denen man zu Hause bleiben soll, vor der Tür begegnen, zu malen, wie beispielsweise ein gerade im Bau befindliches Industriegebiet, abgestellte Anhänger, noch winterfest verpackte Segelboote, menschenleere Straßenzüge mitten in sonst so belebten Orten wie Dießen oder Wallgau..

Alles wirkt, trotz sommerlicher Hitze, wie tiefgefroren. Der Vordergrund scheint oft verlassen, während im Hintergrund Hoffnung aufkeimt. Stromleitungen, die quer durch das Bild laufen, erwecken den Eindruck von Kalligrafie. Die Serie kleinformatiger Ölskizzen betitelt er „Quaranta“ und die einzelnen Bilder nur mit dem jeweiligen Datum.

Realitätund Abstraktion

Der besondere Reiz dieser Ausstellung liegt in dem Kontrast von Realität und Abstraktion.

Die Besichtigung der Werke unterliegt einer Einlassbeschränkung von jeweils fünf Personen gleichzeitig. Die Ausstellung ist bis zum Sonntag, 22. November, zu sehen. Geöffnet ist sie jeweils am Freitag von 18 bis 20 Uhr, am Samstag von 14 bis 19 Uhr und am Sonntag von 11 bis 19 Uhr.

Edith Riedl

Die Realität des Alltags beschreibt Martin Gensbauer in seinen Bildern.Riedl

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