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AUSWIRKUNGEN DER ZWEITEN STAMMSTRECKE AUF DIE REGION

Konzept: S-Bahn nach Rosenheim

Eine Verlängerung der S-Bahn-Linien nach Rosenheim und Wasserburg sieht das sogenannte „Bahnknoten-Konzept“ vor, an dem die Bayerische Eisenbahngesellschaft derzeit plant. Aerzbäck
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Eine Verlängerung der S-Bahn-Linien nach Rosenheim und Wasserburg sieht das sogenannte „Bahnknoten-Konzept“ vor, an dem die Bayerische Eisenbahngesellschaft derzeit plant. Aerzbäck

Mit der S-Bahn bis Wasserburg, von Rosenheim umsteigefrei zum Marienplatz und dank Expresszug direkt zum Flughafen – die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München bietet künftig neue Möglichkeiten für ganz Oberbayern. Denkbar sind viele Szenarien, heißt es von Seiten der Deutschen Bahn und der Behörden. Welche davon wirklich umgesetzt und wie Stadt und Landkreis Rosenheim profitieren werden, will die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) in den kommenden Jahren untersuchen. Fest steht aber schon jetzt: Das System Eisenbahn wird an Stabilität und Pünktlichkeit gewinnen.

Rosenheim/München – Konkret geht es um Verlängerungen der bestehenden S-Bahn-Linien über die aktuellen Endstationen hinaus. „Bahnknoten-Konzept“ heißt das Stichwort. In dessen Rahmen lässt die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) mit der zweiten Stammstrecke als zentrales Element die Einführung so genannter „Regional-S-Bahnen“ prüfen. Die Aufsichtsbehörde plant, finanziert und kontrolliert den Schienennahverkehr im Freistaat.

Die heutige S4, die in Ebersberg endet, könnte demnach über Steinhöring und Forsting (Gemeinde Pfaffing) nach Wasserburg verlängert werden. Notwendig dafür wäre eine Elektrifizierung der eingleisigen Strecke, auf der heute der zum Erfolgsmodell gewordene „Filzen-Express“ pendelt.

Die jetzige S6 wiederum könnte über Grafing-Bahnhof hinaus nach Rosenheim verlängert werden und dabei zusätzlich in Aßling, Ostermünchen (Gemeinde Tuntenhausen) und Großkarolinenfeld Halt machen. Ob und vor allem wann es zu diesen Erweiterungen kommt, steht heute zwar noch nicht fest. Fakt ist aber, dass die BEG entsprechende Szenarien prüft. „Damit soll der Bevölkerungsentwicklung und dem sich daraus resultierenden Mobilitätsbedürfnis in der Metropolregion München Rechnung getragen werden“, begründet BEG-Geschäftsführer Thomas Prechtl das Vorgehen gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

Vorteile ergäben sich dadurch für Passagiere, die beispielsweise von Wasserburg oder Rosenheim aus in die Münchener Innenstadt wollen. Sie könnten – je nachdem, ob die Linien durch den bestehenden, alten S-Bahn-Tunnel oder durch den Neubau geleitet werden – am Marienplatz, am Marienhof oder am Stachus aussteigen und müssten nicht mehr, so wie heute, am Ostbahnhof umsteigen.

Fahrzeit würde sich verlängern

Kritiker sehen aber auch Nachteile, beispielsweise eine längere Fahrzeit. Wer heute mit dem Meridian von Rosenheim aus nach München fährt, braucht dank Express-Verbindungen rund 27 Minuten. Dass das einzigartig ist, hat auch die Stadt Rosenheim auf dem Schirm. Deshalb kommen aus dem Rathaus eher kritische Töne zum eventuellen S-Bahn-Anschluss. „Eine Verlängerung der S-Bahn hätte – auch als Express-S-Bahn – eine Verlängerung der Fahrzeiten zwischen Rosenheim und München zur Folge, ohne die Taktung speziell zu den Spitzenzeiten am Morgen und am Abend substanziell weiter intensivieren zu können“, fasst Christian Schwalm, stellvertretender Pressesprecher der Kommune, zusammen.

Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da. Die Rosenheimer Stadt- und Kreisgruppe des Fahrgastverbands Pro Bahn betitelt das Szenario der ausdehnten S6 gar als „sinnlos“. Denn die S-Bahn sei langsamer als der Meridian, nicht mit Toiletten ausgestattet und biete weniger Komfort. „Wem soll diese Verlängerung dann nützen?“, fragt Sprecher Wolfgang Günther. Zudem sei die Bedienung der zwischen Rosenheim und Grafing liegenden Bahnhöfe, also Aßling, Ostermünchen und Großkarolinenfeld, einwandfrei gewährleistet. „Das erledigen die aus Kufstein kommenden Triebwagen des Meridian heute bestens.“

Ein „Ja“ gibt es von Pro Bahn dagegen für die Verlängerung der S4 nach Wasserburg. Dieses Szenario sei folgerichtig. „Aber dieses Geld wäre im Oberland-Netz zwischen Holzkirchen, Lenggries, Tegernsee und Bayrischzell eigentlich sinnvoller angelegt“, schränkt Günther ein. Denn dort seien mehr Fahrgäste unterwegs als zwischen Wasserburg und der bayerischen Landeshauptstadt.

Per Expresszug zum Flughafen?

Neben den Verlängerungen der S-Bahn-Linien gibt es noch andere Visionen. Erstrebenswert wären aus Sicht der Stadt Rosenheim beispielsweise sogenannte Express-Züge, die direkt den Münchener Flughafen ansteuern. Wer heute von der Innstadt zum Flughafen will, muss am Ostbahnhof in die S8 umsteigen. „Der Einsatz von Flughafen-Express-Zügen wäre aus Rosenheimer Sicht wünschenswert und sinnvoll“, so der Stadtsprecher. Doch auch hier stelle sich die Frage, ob ein entsprechend hoher Bedarf für eine derartige regelmäßige Verbindung besteht.

Grundsätzlich liege aus Sicht von Rosenheim-München-Pendlern der entscheidende Vorteil einer zweiten Stammstrecke in einer aller Voraussicht nach deutlich geringeren Störanfälligkeit des Münchner S-Bahn-Netzes insgesamt. „Damit werden gerade für Pendler Fahrten nach München und von München nach Rosenheim deutlich besser planbar“, bringt es Schwalm auf den Punkt.

Wohl nicht dazu kommen wird es aller Voraussicht nach dazu, dass der Meridian künftig durch einen der beiden S-Bahn-Tunnel fährt und so die Münchener Innenstadt umsteigefrei bedient. Grund: Hier gibt es viele technische Hürden, wie unterschiedliche Bahnsteighöhen und -längen. „Ein großer Haken“, so Dr. Bernd Rosenbusch, Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn GmbH (BOB), die den Meridian betreibt. Trotzdem ließen sich diese Probleme durch entsprechende technische Entwicklungen langfristig lösen. „Hier ist die Industrie am Zug“, sagt er. Im „Bahnknoten-Konzept“ jedenfalls sind entsprechende Planungen laut BEG-Chef Prechtl derzeit nicht vorgesehen.

„Die zweite Stammstrecke ist ein Meilenstein und stabilisiert das gesamte E-Netz Rosenheim zwischen München, Salzburg und Kufstein“, ist der BOB-Chef jedenfalls überzeugt. Er sei sehr erfreut, dass das Projekt jetzt angeschoben werde. Schließlich platze der Großraum München mittlerweile aus allen Nähten.

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