Zwei Selbständige in der Corona-Krise: Von Reisen, Messen und Märkten zum „Schnutenpulli“

Mit dieser Maschine wird der Stoff geschnitten: Peter Kajetan Schmid (links) und Oliver Nowotny nähen aus der Not heraus jetzt Mundschutzmasken.
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Mit dieser Maschine wird der Stoff geschnitten: Peter Kajetan Schmid (links) und Oliver Nowotny nähen aus der Not heraus jetzt Mundschutzmasken.
  • Ines Weinzierl
    vonInes Weinzierl
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Der eine verkauft Reisen, der andere hat einen Messevertrieb, organisiert Märkte und stellt Naturkissen her. Gemeinsam sind sie auch als Marktleiter-Team unterwegs. Nun haben sie sich kurzerhand umorientiert: Der eine näht Mundschutzmasken, die er liebevoll „Schnutenpulli“ nennt, der andere übernimmt das Marketing.

Kolbermoor – Die Kolbermoorer Oliver Nowotny (44), Inhaber des Reisebüros Lohmann & Nowotny, und Peter Kajetan Schmid (60), Messebau und Marktleitung, hat die Corona-Krise voll erwischt. „Seit rund zehn Woche arbeite ich quasi ehrenamtlich, verdiene kein Geld, mache Krisenmanagement, helfe den Kunden, buche Flüge um und so weiter“, sagt Nowotny.

Selbstständig in der Coronakrise: Wie soll es weitergehen?

Vielmehr muss er Provisionen, die er von Reiseveranstaltern für gebuchte Urlaube erhalten hat, zurückzahlen, weil sie nicht angetreten werden können. Neben ihm steht Schmid: Kein Markt findet statt – nichts. Wie soll es bloß weitergehen, fragen sie sich. Derzeit leben sie von Ersparnissen. Wie lange die reichen? Sie wissen es nicht. Beide haben Soforthilfe beantragt und auch bekommen. Aber die reicht nicht lange.

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Kurz vor Ostern bestellte Schmid einen Schwung Mundschutzmasken. Irgendwie saßen sie nicht, passten nicht. Und so kam er auf die Idee, in seiner Schneiderei, wo sonst Naturkissen genäht werden, selbst Mundschutzmasken zu nähen. Er rief Nowotny an.

Hochwertig gefertigte Community-Masken

Der war begeistert, und seither arbeiten sie Seite an Seite – wie auch bis 2018 auf dem Kolbermoorer Christkindlmarkt als Marktleiter. Nowotny kann zwar nicht nähen, aber er macht das Marketing. Und wenn die Zeit knapp wird, hilft er, die Masken, nachdem sie genäht wurden, auf die richtige Seite zu ziehen. Seit Beginn ihrer Maskenproduktion hat sich viel geändert: „Mittlerweile haben wir die vierte Generation“, sagt Schmid: „Wir haben uns das ja alles selbst beigebracht.“

Die Masken entsprechen zwar nicht medizinischen Anforderungen, sind aber hochwertig gefertigt: „Sie haben eine dreifache Oberfläche, durch die man gut Luft bekommt und gutes Gummi, um die Masken hinter den Ohren zu befestigen.“ Dazu kommt, dass jetzt lokale Firmen anfragen, ob die beiden auch Masken mit deren Logo bedrucken können. Klar, das geht. Und die Logoaufdrucke kommen einfach vorne drauf.

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Mehrere hundert Masken haben sie gefertigt – „einige gingen sogar zu einem Reisebüro nach Kiel. Daher kommt auch Schnutenpulli“, sagt Schmid und lacht. Wie lange sie noch Masken nähen, steht in den Sternen, denn niemand weiß, wie es weitergeht. Nowotny: „Die Politiker haben Reisebüros und Marktleiter vergessen.“

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