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„Das Thema macht uns alle betroffen“

Wie Kolbermoorer Schulen und Kitas mit Kindern über den Ukraine-Krieg sprechen

Auch unter Schülern ist der Krieg in der Ukraine ein präsentes Thema. (Symbolbild)
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Auch unter Schülern ist der Krieg in der Ukraine ein präsentes Thema. (Symbolbild)
  • VonNicolas Bettinger
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Wie erklärt man Kindern den Krieg, wie können Pädagogen mit der Situation umgehen? In Schulen und Kitas in Kolbermoor ist der Krieg in der Ukraine durchaus präsent. Wie die Einrichtungen damit umgehen und welche Empfehlungen das Kultusministerium gibt.

Kolbermoor – Ob in den sozialen Netzwerken, in den Nachrichten oder am Frühstückstisch: der Krieg in der Ukraine ist präsent - auch für Kinder. So war es nur eine Frage der Zeit, bis das Thema auch in den Schulen und Kindertagesstätten Kolbermoor s landet. Die entscheidende Frage: Wie erklärt man Kindern den Krieg, wie können die Pädagogen mit der Situation umgehen? Laut dem Kriseninterventions- und Bewältigungsteam Bayerischer Schulpsychologen könne die mediale Berichterstattung rund um die Uhr den Krieg „in unmittelbare Nähe rücken“. Vor allem Bilder von Gewalt könnten dabei starke psychische Auswirkungen haben.

Dass der Krieg die Schüler beschäftigt, bestätigt Markus Rinner, Schulleiter der Pauline-Thoma-Mittelschule Kolbermoor. „Das wird in den Klassen natürlich besprochen“, sagt Rinner auf Nachfrage des Mangfall-Boten. Mit den 6. Klassen etwa sehe man sich täglich die Kindernachrichten „Logo“ an. Auch der Geschichtsunterricht werde für das Thema genutzt. „Man merkt allerdings noch nicht, dass sich die Situation grundsätzlich auf die Stimmung der Schüler auswirkt“, sagt der Rektor. Wenngleich sie ihre Betroffenheit durchaus ausdrückten und etwa die Frage stellten, wie es sein kann, dass Krankenhäuser bombardiert werden. Dagegen bemerke Rinner, dass sich der Krieg in der Ukraine durchaus auf die Stimmung im Kollegium auswirkt. „Vielleicht ist es auch gut so, dass das Thema Erwachsene noch mehr beschäftigt als Kinder.“ In den kommenden Tagen wolle man sich zusammen mit den Schülern an einer Paketaktion beteiligen, wofür die Schulgemeinschaft Sachspenden, etwa Kinderspielzeug oder Lebensmittel, für Bedürftige in der Ukraine sammelt.

Markus Rinner, Pauline-Thoma-Mittelschule.

Wenn ukrainische Schüler kommen

Ein weiterer Fall, der beim Umgang mit dem Kriegs-Thema helfen kann, wird laut Rinner dann eintreten, wenn tatsächlich ukrainische Flüchtlinge am Schulunterricht teilnehmen werden. „Wenn Schüler aus der Ukraine zu uns kommen, hat das natürlich nochmal ein ganz anderes Potential“, so Rinner. Zwar seien die Ukrainer nach ihrer Ankunft zunächst von der Schulpflicht befreit, allerdings rechnet der Rektor fest damit, dass demnächst auch Schüler aus dem Kriegsgebiet in die Klassenzimmer kommen werden.

„Das Thema macht uns alle betroffen“, sagt auch Christa Wagner, Schulleiterin der Mangfallschule Kolbermoor. Auch an den Grundschülern gehe der Ukraine-Krieg nicht spurlos vorüber. Dies hänge zu einem Großteil davon ab, inwiefern die Familien das Thema zuhause behandeln – oder nicht. „Unser Ziel ist es, trotz allem eine gewisse Normalität vorzuleben“, sagt Wagner. Man gehe bewusst nicht im Detail auf das Thema Krieg ein, sondern setze einen Fokus auf Frieden. Hierfür eigne sich beispielsweise der Ethik- oder Religionsunterricht. „Wir wollen niemandem Angst machen“, begründet die Rektorin die Herangehensweise. Darüber hinaus müsse man auch unter verschiedenen Altersstufen unterscheiden.

Kinder spüren die Betroffenheit der Eltern

„Die Viertklässler kriegen natürlich schon mehr mit als die Erstklässler.“ Insgesamt spürten die Kinder derzeit aber deutlich, dass das Thema gerade unter den Eltern omnipräsent sei. Am kommenden Freitag veranstalte man deshalb eine Friedensaktion der Mangfallschule, bei der Friedenslieder gesunden und Friedenswünsche ausgesprochen werden sollen.

Doch wie präsent ist der Krieg in der Ukraine eigentlich unter Kindergartenkindern? Laut Frank Deininger, Leiter des „Haus für Kinder“ in Kolbermoor spiele das Thema für Kindergartenkinder „fast überhaupt keine Rolle“. Hier vermeide man es auch, die Situation bewusst zu thematisieren. Unter den Schulkindern sehe es schon anders aus. Sie beschäftigten sich intensiv damit. „Gerade beim Mittagessen wird sehr viel darüber gesprochen“, so Deininger.

Was empfiehlt das Kultusministerium beim Umgang mit dem Kriegsthema?

Um generell beim richtigen Umgang mit dem Kriegs-Thema zu helfen, hat das bayerische Kultusministerium Empfehlungen ausgegeben. Demzufolge sollten Schulen den Ereignissen und den Reaktionen auf die Situation in der Ukraine Raum geben. Pädagogen sollten darüber sprechen, jedoch gewisse Zeitfenster eingrenzen und anschließend auch wieder zum Alltag zurückkehren. „Strahlen Sie möglichst Zuversicht aus. Machen Sie sich und anderen bewusst, dass es derzeit keine konkreten Anzeichen gibt, dass sich der Krieg auf Deutschland ausweitet“, heißt es in dem Empfehlungsschreiben.

Dabei dürfe die eigene Betroffenheit der Erwachsenen durchaus gezeigt werden. Dies könne als Beispiel dienen, dass Fassungslosigkeit, Wut und Ängste normal sind und es Möglichkeiten gibt, damit umzugehen. Außerdem sollten Fragen der Kinder ehrlich beantwortet werden. Laut dem bayerischen Kriseninterventions- und Bewältigungsteam sollte der Medienkonsum der Nachrichten und Informationen zum Krieg auf ein Mindestmaß reduziert werden. „Je nach Alter sind Kinder vor Bildern von Gewalt und kriegerischen Handlungen zu schützen“, heißt es. Bei zu großer Belastungen könne Bewegung, Ablenkung, und das Erleben von sozialer Verbundenheit entlastend wirken.

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