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Noch viele Pläne

Wie die Stadt Kolbermoor „Fair-Trade-Town“ werden will

Arbeiten am Fairtradeprojekt: (von links) Sabine Balletshofer-Wimmer, Sprecherin der Steuerungsgruppe, mit den Stadträten und Steuerungsgruppenmitgliedern Leonard Sedlbauer und Michael Hörl.
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Arbeiten am Fairtradeprojekt: (von links) Sabine Balletshofer-Wimmer, Sprecherin der Steuerungsgruppe, mit den Stadträten und Steuerungsgruppenmitgliedern Leonard Sedlbauer und Michael Hörl.
  • VonJohannes Thomae
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Kolbermoor ist auf dem besten Weg dazu, „Fair-Trade-Twon zu werden. Doch bis dahin muss noch einiges passieren. Warum Einzelhandel und Gastronomie fair gehandelete Produkte verkaufen soll und was das Projekt mit Wanderstiefeln und dem Wendelstein zu tun hat..

Kolbermoor – Kolbermoor will Fair-Trade-Town werden und ist – allen Behinderungen durch die Coronapandemie zum Trotz – auf dem besten Weg dazu. Bis zum Mai hofft man alle Anforderungen erfüllt zu haben, knapp ein Jahr, nachdem sich die sogenannte Steuerungsgruppe bildete, die die entsprechenden Aktivitäten in der Stadt koordiniert. Bis zum Mai wird man also nachweisen können, dass es in Einzelhandel und Gastronomie fair gehandelte Produkte zu kaufen oder verzehren gibt, auch dass Kindertagesstätten, Schulen, die Kirchen sowie Vereine mit im Boot sind und mit eigenen Ideen für einen fairen Welthandel werben.

„Wie zu Fuß von hier auf den Wendelstein“

Dennoch ist man sich klar darüber, dass man mit der Arbeit erst ganz am Anfang steht. „Wir haben noch viel vor uns. Unser Vorhaben, das ist, wie wenn wir zu Fuß von hier auf den Wendelstein wandern wollten, aber noch daheimsitzen und uns die Wanderstiefel anziehen.“ So hatte Stadtrat Max Schlarb (Parteifreie ) im vergangenen September bei einer Sitzung des Steuerungskreises die Situation beschrieben und diese Einschätzung trifft nach wie vor zu. Denn zunächst gilt es, die Idee, die hinter Fair-Trade-Town steckt, noch weiter zu verbreiten. Die Stadträte Michael Hörl (Grüne) und Leonhard Sedlbauer (CSU), die als die eigentlichen Urheber dieses Vorhabens gelten können, erinnern sich noch gut an die Ratssitzung vom März vergangenen Jahres, als darüber entschieden wurde, ob sich die Stadt um den Titel bewerben sollte.

„In der Diskussion kam öfters das Argument, so ein Schritt sei mittlerweile eigentlich unnötig, weil es doch in fast jedem Supermarkt schon fair gehandelte Produkte zu kaufen gäbe“. Man habe damals erläutert, dass es auch, aber beileibe nicht nur um „faire“ Einkaufsmöglichkeiten geht. Sondern immer auch ums eigene Nachdenken und dabei den Blick auf Hintergründe und Zusammenhänge: Reicht es zum Beispiel aus, wenn bei der Avocado für die Bauern eine faire Entlohnung gesichert wäre? Oder müsste man dabei nicht mitbedenken, dass, um zum Beispiel in Mexiko die Anbauflächen zu vergrößern, dort große natürliche Waldgebiete gerodet werden? Ganz davon abgesehen, dass der Wasserbedarf der Pflanze in den Anbaugebieten den regionalen Wasserhaushalt durcheinanderbringt?

Das Ziel fairen Handels betrifft nicht nur Länder in Übersee

Entscheidend, so meint man in der Steuerungsgruppe, ist auch die Erkenntnis, dass das Ziel fairen Handels beileibe nicht nur Länder in Übersee erfasst, sondern auch unsere heimische Region: Bauern, vor allem auch kleinere Betriebe, die auf eine Produktion setzen, die Tierwohl und Umweltschutz im Blick hat, ob sie nun ein Biosiegel trägt oder nicht, brauchen lokale Abnehmer, um überleben zu können. Dass dadurch auch das Frachtvolumen mit reduziert werden könnte, das die Straßen verstopft, sei ein willkommener Nebeneffekt. Um solche Zusammenhänge bewusst zu machen, sind vor allem Kindertagesstätten und Schulen ein idealer Multiplikator.

Denn Kinder, die darüber Bescheid wissen, tragen ihre Erkenntnisse in die Familien. Schulen und Kitas sind deshalb ein Bereich, in dessen Mitwirkung man bei der Steuerungsgruppe viel Hoffnung setzt. „Die Bereitschaft und das Interesse ist dort auch voll und ganz da“, sagt die dritte Bürgermeisterin Sabine Balletshofer-Wimmer, die die Sprecherin der Steuerungsgruppe ist. „Bislang aber war bei Kitas und Schule wegen all den mit Corona verbundenen Problemen wirklich ‚Land unter‘, es waren kaum Kapazitäten frei, um auch diese Aktivitäten noch anzugehen. Wir hoffen sehr, dass bald wieder einmal so viel Normalität einkehrt, dass man hier so durchstarten kann, wie man eigentlich möchte“.

Umweltgerechte Produktion

Dass das Thema fairen Handels und umweltgerechter Produktion auch bei den Erwachsenen prinzipiell sehr wohl auf Interesse stößt, hätte, so meint die Steuerungsgruppe, unlängst der Erfolg einer Ausstellung und eines Vortrages in der Volkshochschule gezeigt. „Wir waren wirklich überrascht von der Resonanz“, sagt die Sprecherin der Steuerungsgruppe, „und das, obwohl die VHS coronabedingt keine große Eröffnungsveranstaltung machen konnte. Umso schöner ist es, dass immer wieder Menschen und Organisationen bereits jetzt von sich aus auf uns zukommen“. Etwa die Stadtbibliothek, die, wie Sabine Balletshofer-Wimmer weiter erzählt, die nächste Sitzung der Steuerungsgruppe im Mai, auf der dann wohl auch die Erfüllung aller Zertifizierungskriterien verkündet werden kann, mit einer speziellen Buchpräsentation begleitet.

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