Coronakrise schenkt auch Zeit – in der erfüllt sich ein Kolbermoorer Kindergarten einen Wunsch

Sieht in der Corona-Krise auch Chancen: Ddas Kindergarten-Team von Wiederkunft Christi (hinten stehend) mit Leiterin Mona Kahl (links) und Stellvertreterin Isabell Gross; vorne von links: Barbara Leppert, Corinna Bufler, Klaus Dengel, Maria Arnold Maria Ruf und Cindy Kock. Abgebildet ist ein Teil des Teams.
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Sieht in der Corona-Krise auch Chancen: Ddas Kindergarten-Team von Wiederkunft Christi (hinten stehend) mit Leiterin Mona Kahl (links) und Stellvertreterin Isabell Gross; vorne von links: Barbara Leppert, Corinna Bufler, Klaus Dengel, Maria Arnold Maria Ruf und Cindy Kock. Abgebildet ist ein Teil des Teams.

Das Team des Kolbermoorer Kindergartens Wiederkunft Christi nutzt die Corona-Pause für die Neugestaltung, für die bislang einfach keine Zeit war.

Kolbermoor – „Die Frage ‚was was machen wir jetzt?‘ hat sich bei uns nicht gestellt“, sagt Mona Kahl, Leiterin des Kindergartens von Wiederkunft Christi. Dem Team war klar, was es jetzt macht, denn es hat derzeit keine 113 Kinder zu betreuen, sondern eine Notgruppe mit einer Handvoll von Schützlingen. „Wir packen ein Vorhaben an, das uns schon lange am Herzen liegt, für das wir bislang nur keine Zeit hatten“, sagt Kahl.

Kreative Ideen: Dieser Bilderbaum ist aus den Schienen einer alten Holzeisenbahn gemeinsam gebaut.

Team hebt Schätze

Und dabei handelt es sich um die Neugestaltung des Kindergartens. Kein Raum, der vom Team nicht neu bemalt wurde. Was früher weiß war, ist jetzt bunt: der Eingangsflur ist die Höhle eines freundlichen Drachens, der Speiseraum ist eine Alm, der Rückzugsbereich eine Kuschelzone. Obendrein erhielt jeder Gruppenraum neue Wandbilder. Alles sei mit minimalem finanziellem Aufwand umgesetzt worden, denn gekauft wurden nur die Farben, alles andere fand sich im Haus und das Team griff selbst zum Pinsel. Für das Team wurde somit der oft gehörte Satz, dass Corona nicht nur Einschränkungen, sondern auch Chancen brächte, zur Realität.

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„Als ich vor einem Jahr hierher kam“, so Kahl, „hätte ich als Alternative auch die Leitung in einem neu gebauten Kindergarten übernehmen können. Aber mir war sofort klar: hier, in diesem 50-jährigen Haus findest du einen Schatz, den du nur noch heben musst.“ Vor allem aber wusste sie nach dem ersten Treffen mit dem 17-köpfigen Team: „Hier findest du Mitstreiter, mit denen das Schatzheben erfolgreich sein wird.“

Ebenfalls ganz neu gestaltet und richtig kuschelig: der Rückzugsraum. Thoma

Klare Strukturen

Dass dazu die Bemalung der Räume gehört, kommt nicht von ungefähr. Klar gegliederte Räume mit jeweils einer ganz bestimmten Funktion geben Struktur und das sei ein Begriff, der laut Kahl, „für die Arbeit mit den Kindern wirklich zentral ist“. Ein Beispiel: „Wenn die Kinder etwas basteln oder Neues entdecken wollen, dann ziehen sie nicht irgendwo aus einer Laune heraus die notwendigen Utensilien hervor, sondern sie gehen dazu in unseren Bauraum.“ Das sei dann die Folge einer bewussten Entscheidung. Selbstständigkeit sei auch die Fähigkeit, für sich selbst eine Wahl zu treffen – und diese Fähigkeit müsse man trainieren. „Selbst Danke und Bitte zu sagen und sich entschuldigen“, so Kahl, „ist etwas, was erlernt werden muss.“ Für Kahl ist das die Basis einer Gesellschaft, es sind aber auch Regeln, die Halt geben, weil man sich damit in der Gesellschaft sicher und in der Folge selbstbewusst bewegen kann.

Im Herbst 2019 feierte die Kindertagesstätte ihr 50-jähriges Bestehen. Mehr lesen Sie hier.

Das Erlernte kann auch gleich in die Tat umgesetzt werden, etwa beim gemeinsamen Einkaufen. „Als wir das erste Mal gingen“, so Isabell Gross, die stellvertretende Leiterin, „haben sie im Supermarkt schnell eine zusätzliche Kasse aufgemacht, um unsere Chaostruppe so bald wie möglich wieder draußen zu haben. Jetzt sind wir gern gesehene Gäste, die die anderen Kunden zum Lächeln bringen.“

Und das Team hat jetzt in der Corona-Krise zum einen die Zeit, „all unsere Ideen zu verwirklichen, wir haben auch Zeit gehabt, um auf neue Ideen zu kommen“, so Kahl. Das versetze einen wieder in die Aufbruchsstimmung und den Enthusiasmus, mit dem man in diesen Beruf eingestiegen sei. „Für uns ist unser Kindergarten jetzt durch die Umgestaltung zu unserem geworden, und wir können es kaum erwarten, bis die Kinder wiederkommen und ihn dann auch zu dem ihren machen.“

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