KLIMASCHUTZ IN KOLBERMOOR

Viele Ziele und Visionen für die Stadt

Die Teilnehmer des ersten Thermografie-Spaziergangs, aufgenommen mit der Wärmebildkamera.
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Die Teilnehmer des ersten Thermografie-Spaziergangs, aufgenommen mit der Wärmebildkamera.

„Ich mache mir Gedanken darüber, wie die Stadt Kolbermoor dem Klimaschutz verantwortungsvoll nachkommen kann und in welchem Umfang sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten die CO2-Emission reduzieren kann“ – so beschreibt der neue Klimaschutzmanager der Stadt, Martin Korndoerfer, sein Aufgabenfeld. Ideen und Ziele hat er eine Menge, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verriet.

Kolbermoor – Seit Sommer diesen Jahres hat die Stadt Kolbermoor einen Klimaschutzmanager: Martin Korndoerfer, 37 Jahre alt und Umweltwissenschaftler. Im Bauamt der Stadt angesiedelt, soll er sich den Themen Klimaschutz und Energie widmen und dabei auch das vom Stadtrat im Mai 2015 beschlossene Klimaschutzkonzept umsetzen (wir berichteten).

Geht es um das Thema Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Energieeinsparen, bekommt der gebürtige Münchner, der lange Jahre im Ausland war und zuletzt in Berlin und Hamburg tätig war, ein Funkeln in den Augen: „Ich habe großes Interesse am weiteren Dasein unserer Spezies auf diesem Planeten“ erklärt er. Seine Leidenschaft gelte deshalb den Themen Energiewende, Ausbau der erneuerbaren Energien und dem nachhaltigen Konsum. „Ich strebe danach, meinen Teil dazu beizutragen, dass die Energiewende ökologisch und sozial gestaltet wird“, so Korndoerfer.

Ein knappes halbes Jahr im Amt, hat der Klimaschutzmanager schon eine ganze Reihe Themen angepackt und auf den Weg gebracht: einen ersten Thermografie-Spaziergang mit Wärmebildkamera, den Beitritt zum „Klima-Bündnis“ und zur „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern“ – zu letzterem Thema ist im Frühjahr eine offizielle „Beradelung“ der Mangfallstadt geplant, in der getestet werden soll, wie fahrradfreundlich Kolbermoor wirklich ist und wo Verbesserungsbedarf besteht; zudem will Korn doerfer 2017 ein „Stadtradeln“ veranstalten, um für den Fahrradverkehr zu werben.

Und auch im Rathaus war der neue Klimaschutzmanager schon aktiv: Sowohl in der Stadtverwaltung als auch in allen weiteren städtischen Betrieben vom Bauhof über die Schulen bis hin zur Musikschule soll jetzt auf Recy clingpapier umgestellt werden – für die einfachen Ausdrucke in Grau, für die übrigen in Weiß. „Ein sehr einfacher Schritt, um Ressourcen einzusparen, für den man auch nicht viel Geld in die Hand nehmen muss“, unterstreicht Korndoerfer, der nun auch andere Kommunen im Landkreis und Unternehmen ins Boot holen will.

Sein Ansinnen in Sachen Klimaschutz ist es, als Stadt mit gutem Beispiel voranzugehen: „Wir müssen den Denkanstoß geben und darüber Mitstreiter finden, bei den Unternehmen und auch in den privaten Haushalten“, so Korndoerfer. Denn einzig und allein könne die Stadt in Sachen Reduzierung des CO2-Ausstoßes nicht viel bewegen: „Das Rathaus verbraucht beispielsweise Strom für 15 Haushalte, wenn wir also tatsächlich etwas bewegen wollen, brauchen wir jeden einzelnen Bürger in den privaten Haushalten und die Unternehmen.“ Sein Ansatz deshalb: mit gutem Beispiel vorangehen. „Wir wollen erst vor der eigenen Haustür kehren, bevor wir andere bekehren.“

In den vergangenen Wochen hat Korndoerfer deshalb die städtischen Gebäude hinsichtlich des Energieeinsparpotenzials unter die Lupe genommen. Ein Ergebnis seiner Bestandsaufnahme: Für die so genannten „sechs Häuser“ der Werkssiedlung an der Von-Bippen-Straße, die ältesten Gebäude der Bauten aus Spinnereizeiten, wird eine neue Heizanlage benötigt – „derzeit wird noch mit Gas geheizt“, erläutert er. „Wir überlegen jetzt, auf ein dezentrales Fernwärmenetz mit einer Heizzentrale für die sechs Häuser und den Kindergarten „Momo“ umzustellen.“

Ebenfalls im Visier des Klimaschutzmanagers: die Straßenbeleuchtung der Stadt. Sie soll baldmöglichst auf LED umgestellt werden. „Wir haben insgesamt 3300 Lampen im Stadtgebiet, die verbrauchen richtig Strom“, weiß Korndoerfer. Mit LED-Leuchten könnten an die 80 Prozent Strom eingespart werden, so seine Berechnung. Hinzu käme eine staatliche Förderung des Austauschs von bis zu 25 Prozent. Über drei Haushaltsjahre, beginnend mit 2017, soll der „Lampentausch“ aufgeteilt werden, so seine Pläne. „Wir wollen die dicken Hunde an Stromfressern gleich angehen, die übrigen Lampen dann in den nächsten beiden Jahren, um später auch den Wartungszyklus zu entzerren.“

Ein weiteres Thema, das Korndoerfer am Herzen liegt: „Mieterstrom“. Denn seiner Ansicht nach sollen nicht nur Eigenheimbesitzer in den Genuss von günstigerem Eigenstrom kommen, sondern auch Mieter. Angehen will er dieses Thema nun mit der Sanierung des städtischen Wohnhauses am Glasberg, die kommendes Jahr über die Bühne gehen soll. Hier soll der Strom, den das dortige Blockheizkraftwerk produziert, künftig erst dem Haus und damit den Mietern angeboten werden, bevor er ins allgemeine Netz eingespeist wird. „Damit erhalten die Mieter einen günstigeren Stromtarif und verbrauchen außerdem Ökostrom“, so Korndoerfer. Er rechnet mit zwei Cent pro Kilowattstunde Ersparnis als im Normaltarif.

Auch langfristige Visionen hat der Klimaschutzmanager für Kolbermoor: Er würde gerne weg vom Erdgas kommen – ein Schritt dazu könnte eine Biosgasanlage sein, die möglicherweise zusammen mit den Kolbermoorer Landwirten errichtet und „gefüttert“ werden könnte. Erste Ideen dazu entwirft aktuell Rathaus-Praktikant Florian Schöpke, der im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit (Hochschule Rosenheim) die Errichtung einer Biogasanlage für Schlarbhofen untersucht. „Gefüttert“ werden soll die Anlage nach den Worten von Korndoerfer ausschließlich mit „landwirtschaftlichen Reststoffen“ sowie mit Straßenbegleitgrün – keinesfalls mit Lebensmitteln wie Mais etc. und auch ohne großflächigen Energiepflanzenanbau, wie er betont.

„Wir wollen erst vor der eigenen Haustür kehren, bevor wir andere bekehren.“ Klimaschutzmanager Martin Korndoerfer

Falls das Projekt umgesetzt würde, könnte Schlarbhofen direkt an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Des Weiteren wird Korndoerfer zufolge überlegt, in einem zweiten, „kalten“ Fernwärmekreislauf (35 bis 40 Grad Celsius) weiter entfernt liegende Häuser, die über Flächenheizungen (Fußbodenheizung etc.) verfügen, zu versorgen. Im Januar will der Klimaschutzmanager seine Ideen unter anderem den Landwirten vorstellen und deren Interesse abfragen.

Ebenfalls eine Vision von Korndoerfer: eine „Energiegenossenschaft“ für Kolbermoor zu gründen, die in Energieprojekte in der Mangfallstadt oder eventuell auch im Mangfalltal investiert. „Allerdings kann ich dazu nur den Anstoß liefern, getragen werden muss die Genossenschaft dann vom Engagement der Mitglieder.“

Und schlussendlich will der neue Klimaschutzmanager für Fragen der Bürger zur Verfügung stehen, in Sachen Fördergelder beraten und bei Energiefragen unterstützen. Erreichbar ist Martin Korndoerfer im Rathaus, Telefon 0 80 31/29 68 144 oder per E-Mail mkorndoerfer@kolbermoor.de.

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