Viele "Baustellen" erfordern Konzept

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25 Jahre ist das Feuerwehrhaus der Stadt Kolbermoor alt - und die Bausubstanz lässt inzwischen an allen Ecken und Enden zu wünschen übrig: Feuchtigkeit in den Mauern, Rohrbrüche, der Putz fällt von den Wänden - die Liste an Mängeln ist lang, mit der die Feuerwehr aufwarten kann. Vom Zustand des Gebäudes überzeugten sich zuletzt Bürgermeister Peter Kloo und Bauamtsleiter Andreas Meixner - und stimmten dem akuten Sanierungsbedarf zu.

Ein Planerteam aus Sanierungsfachleuten soll nun das Gebäude durchleuchten und ein Konzept erarbeiten.

Kolbermoor - Ihre liebe Mühe hat die Freiwillige Feuerwehr Kolbermoor mit ihrem Haus an der Hasslerstraße, in das überdies eine Turnhalle integriert ist - seit Jahren treten mehr und mehr Mängel zutage, ständig muss nachgebessert, geflickt, gefliest, gestrichen werden. Risse in den Wänden, der Putz fällt ab, es blättert und bröckelt, Feuchtigkeit und Kälte breiten sich aus - der Sanierungsbedarf ist nicht zu übersehen.

Doch wie vorgehen? Darüber wollten sich nun Bürgermeister Kloo und Bauamts-Chef Meixner bei einer Besichtigung vor Ort informieren. Ihr Fazit: Es muss gehandelt werden - doch nur nicht überstürzt. "Der Sanierungsbedarf ist gewaltig, allerdings müssen die Maßnahmen gut geplant sein", fasst Kloo zusammen. Denn: Sämtliche "Baustellen" müssten aufeinander abgestimmt und koordiniert werden.

Und "Baustellen" gibt es mehr als genug im Feuerwehrhaus, wie sich bei dem Ortstermin herausstellen sollte: Dringend müssen laut Kommandant Andreas Paukert und Gerätewart Hubert Schmid die insgesamt elf Rolltore der Fahrzeughalle erneuert werden - denn sie sind bei der letzten Sicherheitsprüfung regelrecht durchgefallen und entsprechen nicht mehr den Vorgaben. "Die Tore müssten bereits bei einem Schließdruck von 40 Kilogramm automatisch stoppen, sie schalten aber erst bei 120 Kilogramm ab", erläutert Schmid. Des Weiteren seien für die Tore keine Ersatzteile mehr erhältlich.

Sorgenfalten legten sich bei den Stadtvertretern sodann beim Rundgang ums Gebäude auf die Stirn: Risse an der Fassade, abgeblätterter Putz, lose Fliesen an den Über- und Aufgängen zur Turnhalle. Wie Meixner mit Kennerblick feststellte, sickert gerade an der Wetter-(West-)seite Wasser ins Mauerwerk und durchfeuchtet es. "Im Zuge der energetischen Sanierung des Gebäudes müssen wir in jedem Fall auch die Fassade anpacken", bemerkt der Bauamtsleiter.

"Die reinste

Energieschleuder"

Ebenfalls ein Fall für die energetische Sanierung: das Dach, bislang ohne große Isolierung, weshalb der Dachboden so gut wie nicht genutzt werden kann - und zudem Kälte die Decke der Betriebswohnung im ersten Obergeschoss durchdringt. Untergebracht im Dachgeschoss ist allerdings die Kriechstrecke für die Atemschutzträger, wo diese regelmäßig für den Ernstfall üben müssen - "allerdings nicht im Winter, da ist es einfach zu kalt hier oben", unterstreicht Paukert. Und Kloo meint mit einem Kopfschütteln: "Die reinste Energieschleuder, unten wird geheizt und oben ist nichts isoliert."

Eine Fehlkonstruktion sehen Paukert und Schmid im Schlauchturm: gut 20 Meter hoch, ist er weder mit einer Lüftung, noch mit einer Heizung versehen - "weshalb keine Luftzirkulation entsteht und wir die Schläuche nicht trocken bekommen", ärgert sich Paukert. "Wir bräuchten dringend eine Zu- und Abluft für den Turm", ergänzt Schmid, "es kann ja wohl nicht sein, dass wir die Schläuche drei, vier Wochen hängen lassen müssen, bis sie einigermaßen trocken sind", ist auch ihm die Verärgerung anzusehen.

Während die Feuerwehrvertreter und auch Bürgermeister Kloo mit der Funktionalität des Hauses und der Einsatztauglichkeit durchaus zufrieden sind, ist ein weiteres Manko die Gebäudetechnik: Ob Heizung, Wasserleitungen, Strom, ein Sorgenkind jagt das andere, und das seit Jahren. "Unter anderem reicht die Kapazität der Stromanschlüsse längst nicht mehr aus", nennt Schmid eines der vielen Beispiele.

"Wir werden Geld in die Hand nehmen müssen", zeigte sich Kloo nach dem Rundgang überzeugt. Und auch Meixner unterstreicht, dass wohl die längst überfällige energetische Sanierung des Gebäudes mit einer technischen Sanierung einhergehen muss, insbesondere, was das Leitungsnetz anbelangt.

"Das wird nicht

für ein Butterbrot

zu haben sein"

"Und das hier wird nicht für ein Butterbrot zu haben sein", weiß der Bauamtsleiter. "Das erfordert jetzt erst einmal eine fundierte Untersuchung und Planung." Punktuell einzelne Bereiche herauszugreifen, davor warnt Meixner. "Das wäre schade ums Geld."

Hinzu kommt die Logistik bei einer groß angelegten Feuerwehrhaussanierung: Denn dann müsste der Betrieb wohl ausgelagert werden, gibt Kommandant Paukert zu bedenken, "zumindest für die Zeit ohne Strom, Wasser und Heizung." Schließlich sei die Feuerwehr wie ein kleiner Betrieb zu sehen mit immerhin 80 Mann und an die 200 Einsätze im Jahr, ergänzt Paukert.

Aktuell in Angriff nehmen will die Stadt nun die Erneuerung der Rolltore. Die Gelder werden bereits in den Haushaltsplan 2015 eingestellt, den der Stadtrat in seiner April-Sitzung verabschieden wird.

Die Großbaustelle Feuerwehrhaus will Kloo indes erst nach reiflicher Planung anpacken - wofür er für eine eingehende Untersuchung und die Ausarbeitung eines Konzeptes mit bis zu zwei Jahren rechnet. "Für die Jahre 2017/18 werden wir die Maßnahme wohl in den Haushalt einplanen müssen", meint der Bürgermeister. Entsprechend müsste sich nun die Vorplanung gestalten, weil das Projekt zumindest im Investitionsprogramm für die kommenden Jahre Eingang finden muss.

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