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Im Gespräch

Ob Balsampappeln als Energieträger taugen, wird auf einer Versuchsstation bei Kolbermoor geklärt

Schneller als die Säge: der hydraulische Schneidkopf.
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Schneller als die Säge: der hydraulische Schneidkopf.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Auf einer Fläche von etwa zehn Hektar werden derzeit auf dem Gelände der Versuchsstation Karolinenfeld der Landesanstalt für Landwirtschaft in Kolbermoor Balsampappeln „geerntet“. Interview mit Dr. Frank Burger über die „Energiegewinnung aus einem Energiewald“.

Kolbermoor/Freising – Nicht mehr ganz Winter, noch nicht richtig Frühling, vom Grünen und Blühen ist landauf landab noch nichts zu sehen – trotzdem wird an der Theodor-Mayer-Straße in Kolbermoor derzeit auf einer rund zehn Hektar großen landwirtschaftlichen Fläche geerntet: Die Balsampappeln sind „reif“. Was beim ersten Blick aussieht wie ein großer Holzeinschlag auf dem Gelände der Versuchsstation Karolinenfeld der Landesanstalt für Landwirtschaft, entpuppt sich aber beim Nachfragen als eine gezielte systematische „Energiegewinnung aus einem Energiewald“.

Des Rätsels Lösung gab‘s jetzt im Gespräch des Mangfall-Boten mit dem Experten Dr. Frank Burger von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising. Der Aufgabenbereich des 58-Jährigen: Energiewälder, Kurzumtriebsflächen und das Projekt „schnellwachsende Baumarten“.

Dr. Frank Burger.

Was muss ich mir als Laie unter einem Energiewald vorstellen?

Dr. Frank Burger: Die Bäume eines sogenannten Energiewaldes werden extra angepflanzt für die Energiegewinnung, das heißt, für die Produktion von Hackschnitzel. Ein Energiewald besteht normalerweise aus gezüchteten Klonen von Balsampappel oder Weide, meistens in Bayern aus klimatischen Gründen Balsampappel. Möglich sind auch Rubinien oder Erlen.

Wieviel Heizöl kann durch einen Hektar Energiewald eingespart werden viele Haushalte lassen sich damit heizen?

Burger: Es lassen sich relativ große Mengen an Heizöl einsparen: Wenn der Standort wuchskräftig ist wie der Karolinenfelder, weil die Wasserversorgung dort gut ist, können im Jahr pro Hektar (100 x 100 Meter) etwa 5000 bis 6000 Liter eingespart werden.

Hier wurde bereits großflächig geerntet. Riediger

Wie viele Haushalte lassen sich damit beheizen?

Burger: Bis zu sechs – zum Beispiel bei einem Niedrig-Energiehaus mit einem Verbrauch von 1000 Litern pro Jahr.

Wie profitiert unser Klima davon?

Burger: Bezogen auf die etwa 6000 Liter Öl sind es bis zu 16 Tonnen CO2, die wir pro Jahr unserem Klima ersparen.

Wie oft sind diese Energiewälder nutzbar? Wie oft kann geerntet werden?

Burger: Die Energiewälder haben Umtriebszeiten von etwa acht Jahren bis zu ersten Ernte. Das Wichtigste ist an diesem System, dass die Pflanzen danach wieder austreiben. Der älteste Energiewald auf einer Versuchsfläche in der Oberpfalz ist 29 Jahre alt und produziert immer noch Holz. Das heißt, der Wald ist im sechsten fünfjährigen Umtrieb. In den 1990er Jahren wurde erwartet, dass dies 20 Jahre funktionieren könnte. Wir gehen mittlerweile von 30 Jahren aus. Wir werden versuchen, das weiter zu beobachten, wann die Regenerationsfähigkeit abnimmt, das heißt, die Wuchskraft nachlässt und neu nachgepflanzt werden muss.

Wann wurde in der Versuchsstation in Kolbermoor das angepflanzt, was derzeit abgeerntet wird? Sie waren in das Projekt eingebunden…

Großmaschineneinsatz statt mühsame Handarbeit.

Burger:Wir haben im Jahr 2013 in Kolbermoor verschiedene Klone der Balsampappel gepflanzt sowie die Schwarz- und Grauerle. Also ganz natürliche Baumarten, die wir dort für standortangepasst gehalten haben.

Welche Kriterien müssen bei Pflanzung, Pflege und Ernte befolgt werden?

Burger: Wir haben damals in Karolinenfeld die Stecklinge in Grünland gesetzt. Dazu haben wir die Fläche gefräst und mit einer Mulchfolie behandelt. Wenn der Unkrautdruck hoch ist wie auf dieser Versuchsfläche – weil es sich dort um einen warmen, wuchskräftigen Moorboden handelt – muss ein Total-Herbizid eingesetzt oder die Fläche intensiv bearbeit werden. Wobei das Roundup-Herbizid natürlich unbeliebt ist und deshalb bekanntermaßen in einem Verbotsverfahren steckt.

Die Energiewälder sind Mono-Kulturen – wie anfällig sind sie für Pilz- oder Schädlingsbefall?

Burger: Das ist immer kritisch gegenüber Pilzen, aber deshalb pflanzen wir nicht nur einen Klon, sondern wie in Kolbermoor fünf bis sechs Klone der Balsampappel, zusätzlich die natürlichen Baumarten der Grau- und Schwarzerle. So lässt sich das Pilzrisiko einigermaßen ausschließen.

Darf ich als Privatmann – sofern ich eine entsprechend große Fläche habe – einen Energiewald anlegen? Muss ich dabei Vorschriften beachten?

Burger: In Bayern müssten Sie tatsächlich nach Artikel 16 des Bayerischen Waldgesetzes eine Erlaubnis beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) einholen. Sie haben laut Gesetz ein Recht auf Begrünung dieser Fläche.

Wie stark wird dieses Recht in Deutschland in Anspruch genommen?

Burger: Deutschlandweit sind etwa 6000 Hektar mit Energiewäldern belegt (entspricht der Größe von 8450 Fußballfeldern; Anm. d. Red.)

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