1.150 Setzlinge

Tonwerkweiher Kolbermoor: Neues Baumleben nach Borkenkäfer-Aus

Wiederaufforstung im Kolbermoorer Tonwerkweiher-Gelände: Die Baumsetzlinge sind durch Hülsen gegen Wildfraß geschützt.
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Wiederaufforstung im Kolbermoorer Tonwerkweiher-Gelände: Die Baumsetzlinge sind durch Hülsen gegen Wildfraß geschützt.
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Mit Fällungen dem Borkenkäfer den Garaus gemacht: Geländebereiche des Kolbermoorer Naherholungsgebietes Tonwerkweiher sind mit 1550 Baum-Setzlingen wieder aufgeforstet worden. Jetzt geht‘s dem asiatischen Moschusbockkäfer an den Kragen, der sich in der Region breitgemacht hat.

Kolbermoor – Ein bizarres Bild bietet sich seit einiger Zeit Spaziergängern im südlichen Zugang zum Tonwerkweiher-Gelände in Kolbermoor. Dort ragen halbmeterhoch, dicht an dicht ‘zig grünlich-weiße dünne Röhren aus dem Boden. Es sind Schutzhülsen für Baum-Setzlinge: Hier hat der Landkreis als Eigentümer des beliebten Naherholungsgebiets eine groß angelegte Wiederaufforstung beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Rosenheim (AEFL) in Auftrag gegeben.

Die Aufforstung war fällig geworden, weil der Borkenkäfer hier im großen Stil sein Unwesen getrieben hatte und auf zwei Teilbereichen rund 70 Fichten gefällt werden mussten (wir berichteten). Mono-Kultur werde es in diesem Bereich nicht mehr geben, als Ersatz soll jetzt ein Mischwald mit insektenfreundlichen Baumarten entstehen, heißt es aus dem Landratsamt Rosenheim.

Hier hat sich der Moschusbockkäfer bereits ausgetobt: Bohrspäne am Stammfuß eines befallenen Baums.

Für den Naturschutz auch Wildkirschen gepflanzt

„Der Schwerpunkt der Pflanzungen liegt auf klimatoleranten Baumarten“, erklärt Harald Lorenz, Kreisfachberater für Gartenkultur im Landratsamt Rosenheim, auf Anfrage des Mangfall-Boten. „Das Forstamt hat Kulturpläne für die Aufforstung der beiden Teilflächen ausgearbeitet und mit den zuständigen Stellen im Landratsamt wie Naturschutz und Gartenfachberatung abgestimmt.“

Die Anpflanzungen müssen konrolliert werden

So wurden im nördlichen Bereich auf einer rund 1500 Quadratmeter großen Fläche 1150 Bäume gesetzt, darunter unter anderem Traubeneiche, Hainbuche, Sommerlinde, Vogelbeere, Speierling, Elsbeere und Eibe. Im südöstlichen Bereich wurden auf einer Fläche von 1100 Quadratmetern 400 Bäume gesetzt wie Bergahorn, Spitzahorn, Feldahorn, Bergulme, Flatterulme, Sommerlinde und Winterlinde.

Der Asiatische Moschusbockkäfer (Aromia bungii) ist ein in Asien heimischer Gehölzschädling. LfL

Aus Naturschutzgründen wurden laut Lorenz auch Wildkirschen gepflanzt, als Nahrungsquelle für die Bienen im Frühjahr. „Diese Bäume oder Anpflanzungen müssen aber regelmäßig kontrolliert werden, weil sich im Bereich Kolbermoor seit Jahren ein exotischer Baumschädling austobt: der asiatische Moschusbockkäfer.“ Betroffen seien in der Regel Steinobstbäume wie Kirschen oder Pflaumen, auch steinobstartige Gewächse. Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) habe deshalb extra in Rosenheim eine Beratungsstelle zum Thema Moschusbockkäfer eingerichtet, so Lorenz.

„Der Moschusbockkäfer wird von der EU als Quarantäne-Schädling geführt“, bestätigt Simon Allgeier, Pflanzen-Gesundheitsinspektor der LfL unserer Zeitung. Denn das Insekt stelle für die heimischen Obstbäume eine sehr große Gefahr dar, weil er in der Lage ist, diese Bäume zum Absterben zu bringen. „Der Käfer bohrt Löcher ins Holz und gräbt Gänge für die Eiablage. Die Stämme werden mit der Zeit bruchgefährlich.“

Zuzug über den internationalen Warenhandel

Laut Allgeier hat der Käfer seinen Weg aus Asien über den internationalen Warenhandel vermutlich mit Verpackungsholz in Containern zu uns gefunden. „Seit 2017 ist sein Vorkommen in der Region Rosenheim, Bad Aibling und Kolbermoor amtlich bekannt. Deshalb wurde dieser Bereich von den Behörden als Quarantäne-Zone festgelegt“, erklärt Allgeier. Aber aufgrund der konsequenten Bekämpfungsmaßnahmen sei der Verbreitungstrend mittlerweile rückläufig. Da es keine chemische Möglichkeit gebe, den Schädling auszurotten, müssten befallene Bäume beseitigt werden. Allgeier: „Sie werden vor Ort gehäckselt und in der Müllverbrennung Rosenheim verbrannt. Bislang sind etwa 200 befallene Bäume so entsorgt worden.“

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