Ein Teil des Stadtbilds wurde vom Sockel geweht 

Nach Sturm-Sturz: König Ludwig-Statue in Kolbermoor wohl erst  2020 wieder zurück

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Die Bronze-Statue misst rund 2 Meter, nahezu lebensecht, denn Ludwig II. soll 1,91 Meter groß gewesen sein. 

Offensichtlich hat damit keiner gerechnet: Nach 110 Jahren Standfestigkeit wehte es den Monarchen am Dienstag von seinem Podest in Kolbermoor. Beim Bauhof ist man zunächst überfragt.  

Kolbermoor – Sockel ohne Kini: Das Ludwig II.-Denkmal an der Hasslerstraße in Kolbermoor wurde von Sturmtief Bennet am Dienstag zerstört. Mittlerweile liegt der völlig entstellte bronzene Monarch auf einer Palette am Bauhof. Klaus Wanka und Franz Daxinger konnten den 200 bis 300 Kilo schweren Kini nicht hochheben. Deshalb haben die Mitarbeiter des Bauhofs mit Hilfe eines Seils und eines Krans die heruntergekrachte Statue an der Grünanlage der Hasslerstraße auf den Lkw gehievt und sie zum Bauhof transportiert. Dort liegt er jetzt auf einer Holzpalette und wartet auf seine künftige Bestimmung. Denn wie es jetzt weitergeht, steht noch nicht fest: Zunächst will die Stadt Kontakt mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Rosenheim aufnehmen. Denn Erfahrungen habe man mit gestürzten Bronze-Monarchen keine. 

Bronze-Figur soll wiederhergestellt werden 

Kosten, Dauer der Wiederherstellung? „Wir wissen es nicht“, sagt Jürgen Halder vom technischen Bauamt. „Wir müssen uns jetzt erstmal rantasten“, sagt er. Dass der Kini heuer noch zurück auf den Sockel kommt, glaubt Halder nicht. Realistischer sei es, dass die Bronze-Figur 2020 wieder aufgestellt wird – schließlich sei das Gesicht komplett deformiert. 

"Es lebe der Kini!" – über Facebook schickte uns der Kolbermoorer Roman Glaß den gestürzten Kini

Aber wann wurde das Denkmal das letzte Mal ob der Standhaftigkeit überprüft? Auch das wisse man bei der Stadt nicht. „Bei den Grabsteinen am Friedhof gibt es nach jeder Frostperiode Rüttelproben“, so Halder. Die habe es beim Kini-Denkmal bisher nicht gegeben. „Sofern der Kini wieder auf dem Sockel steht, werden wir in regelmäßigen Zeitabständen Rüttelprobe durchführen“, so Halder. 

Durch den Aufprall ist das Gesicht von Ludwig II. vollkommen deformiert. Jetzt liegt das Denkmal beim Bauhof. 

Dass der Kolbermoorer Kini nicht mehr steht, können viele Kolbermoorer nicht fassen. Darunter ist auch Andreas Paukert, der in den 50er-Jahren jeden Tag an der Statue zum Kindergarten (heute Momo-Kindergarten) vorbeikam – damals stand sie am heutigen Karl-Daniels-Platz (siehe Kasten). „Es ist eine Katastrophe“, sagt Paukert, der hofft, dass das Denkmal schnell wieder aufgebaut wird. „Als keiner Bub habe ich die Statue immer bewundert.“ Und das tut er bis heute. 

Kolbermoorer Kini-Statue war die erste außerhalb Münchens

Seit fast 110 Jahren steht der bronzene Kini fest in seinen Schuhen auf dem Sockel: Am 19. September 1909 wurde die nahezu lebensgroße Statue von König Ludwig II. an der damaligen Von-Bippen-Straße – dem heutigen Karl-Daniels-Platz – enthüllt. Aus dieser Zeit stammen sogar Postkarten. 

Sockel ohne Kini an der Hasslerstraße.

Das besondere: Das Bronzedenkmal von Ludwig II. war das erste Denkmal für den König, das außerhalb Münchens errichtet wurde. 1902 wird der „Verein zur Errichtung eines König-Ludwig-Denkmals“ gegründet. Nach Spendensammlungen bei Industriellen und Militärs wird das Denkmal im September 1909 enthüllt – mit dabei waren Schützenvereine sowie auswärtige Veteranen- und Kriegervereine. 

Die Abschlussrede hält der Kolbermoorer Oberlehrer Hartinger: „Ihm..., dem idealen hochgesinnten König sei... dieses eherne Ehrendenkmal geweiht zum ... Danke dafür, das er es uns ermöglicht hat, das zu sein und das zu bleiben, was wir für immer sein und bleiben wollen: Gute Deutsche, vor allem aber brave Bayern.“ 

Als Kolbermoor 1963 zur Stadt erhoben wird und der Platz, auf dem das Denkmal steht, verändert wird, „passt es nicht mehr dorthin und wird an die Hasslerstraße verlegt“, sagt Stefan Reischl vom Heimatmuseum. Dort stand es seither – bis zum 4. März, als der Sturm es vom Sockel fegte.

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