BAUAUSSCHUSS KOLBERMOOR

Stromtrasse: Stadt will kein Wohnen

Weder Wohnen noch eine Pilz- oder Bonsaizucht kann sich die Stadt für das direkt unter der Hochspannungsleitung gelegene Grundstück nördlich der Harthausener Straße in Lohholz vorstellen. Ein Bebauungsplan soll das nun regeln. Buhleier
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Weder Wohnen noch eine Pilz- oder Bonsaizucht kann sich die Stadt für das direkt unter der Hochspannungsleitung gelegene Grundstück nördlich der Harthausener Straße in Lohholz vorstellen. Ein Bebauungsplan soll das nun regeln. Buhleier

Erst Championzucht, dann Bonsai und Wohnen: Die Pläne für eine freie Fläche an der Harthausener Straße in Lohholz wären vielfältig. Einziges Manko: Darüber verläuft eine Hochspannungsleitung, weshalb sich die Stadt weder Wohnen noch Gewächshäuser darunter vorstellen kann. Per Bebauungsplan soll die Fläche nun als „Versorgungstrasse“ gesichert werden.

Kolbermoor – Die Stadt will den Plänen des findigen Investors für die noch freie Fläche nördlich der Harthausener Straße einen Riegel vorschieben: Denn weder mit den Ideen für eine Pilzzucht, noch mit einer Bonsaizucht oder einer ganzen Latte Reihenhäuser konnte sich der Bauausschuss bislang anfreunden – ganz im Gegenteil: Insbesondere Wohnen hat unter einer Hochspannungsleitung nichts zu suchen, ist man sich einig (wir berichteten).

Um nun auch rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, erfolgt der Griff zur Bauleitplanung: Das gesamte Areal rund um die Harthausener Straße West wird nun über einen Bebauungsplan geordnet, der in jüngster Sitzung des Bauausschusses vorgestellt wurde (Entwurf). Auf der noch unbebauten Wiese unter der 20-KV-Hochspannungsleitung will die Stadt eine „Fläche für Ver- und Entsorgung“ festsetzen. „Dort könnte dann mal ein Blockheizkraftwerk entstehen oder ähnliches“, führte Bürgermeister Peter Kloo in der Sitzung aus. „Damit können jetzt keine weiteren Begehrlichkeiten mehr entstehen.“

Wenig Handlungsbedarf für eine Überplanung sieht die Stadt indes bei den übrigen, bereits bebauten Grundstücken – einzig eine Regulierung für Garagen und Stellplätze regte Markus Schiffmann (CSU) an, um diese nicht beliebig auf den Grundstücken errichten zu können.

Der Bauausschuss billigte letztlich einstimmig den Bebauungsplanentwurf. Nun erfolgen die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der Behörden und Träger öffentlicher Belange.

Eine Grundsatzdebatte entfachte im Bauausschuss die beantragte vereinfachte Änderung des Bebauungsplanes „Rechts der Mangfall“ im Bereich Schwarzenbergstraße 3. Dort ist ein Doppelhaus mit Garagen und Carports geplant. Weil das Vorhaben dieses Jahr noch in Angriff genommen werden soll, schlug die Bauverwaltung eine grundstücksbezogene Änderung des „Alt-Bebauungsplans“ vor – denn die geplante „Neuauflage“ eines aktualisierten Bebauungsplanes für dieses Gebiet, der dann unter dem Titel „Schwarzenbergstraße“ laufen soll, hängt aufgrund konträrer Vorstellungen noch in der Warteschleife. Der Stadtrat hatte den jüngsten Entwurf in die Gremien zur weiteren Diskussion zurückverwiesen (wir berichteten). Strittige Punkte sind die Nachverdichtung und die damit verbundene Verkehrsbelastung.

Entsprechend entspann sich auch an dem vorliegenden Einzelvorhaben eine Grundsatzdiskussion: Sebastian Daxeder (CSU) war die Garage zu nahe an der Straße platziert – seiner Ansicht nach sollte sie zumindest um einen halben Meter zurückversetzt werden und sich die Stadt bei dieser Gelegenheit gleich den notwendigen Straßenraum sichern im Hinblick auf das Verkehrsproblem Schwarzenbergstraße. „Wir fangen uns sonst Probleme ein, aus denen wir nie wieder rauskommen“, befürchtete er bei der vorliegenden Planänderung.

Dem widersprach in aller Deutlichkeit Dagmar Levin (SPD): Das besagte Grundstück befinde sich im südlichen Teil der Schwarzenbergstraße und damit außerhalb der Problemzone. „Jetzt kommen wir in den Schmarrn rein, wenn wir bei so einem Bauvorhaben mit Grundstücksabtretungen anfangen.“ Und auch Bürgermeister Kloo ergänzte, dass für die Schwarzenbergstraße-Süd auch im neuen Gesamtbebauungsplan kein Handlungsbedarf bestehe – „wir bekämen dann einen Straßenraum von 6,50 Metern Breite. Außerdem stehen dem jede Menge bestehende Garagen im Weg.“

Sigrid Kumberger (SPD) warnte gar davor, hier eine Lawine loszutreten: „Der halbe Meter Grund wird das Problem in der Schwarzenbergstraße nicht lösen, außer dass es bei den Anwohnern wie eine Bombe einschlagen würde.“

Einstimmig schloss sich das Gremium schließlich dem Vorschlag von Bürgermeister Kloo an, das Baufenster für die Garage/Nebenanlage zwar um einen halben Meter von der Straße abzurücken, von Grundstückssicherungen aber abzusehen. Der Änderungsbeschluss für das Vorhaben wurde somit auf den Weg gebracht.

Reibungslos ging indes der Antrag auf vereinfachte Änderung des Bebauungsplanes „Am Tonwerk“ über die Bühne. Hier plant ein Anlieger der Grillparzerstraße den Bau einer Garage im Süden seines Grundstücks – das wiederum auch eine Fläche enthält, die bei der Stadt hochbegehrt ist: als Straßenfläche für den geplanten Ausbau der Tonwerksunterführung. „Für die Stadt ist diese Fläche von höchster Bedeutung“, führte Bürgermeister Kloo aus. Dieser Ansicht schlossen sich auch die Bauausschussmitglieder an. Über die Bebaungsplanänderung sollen nun die Garagenpläne, die Erweiterung des Straßenraums und überdies Möglichkeiten zum Lärmschutz geschaffen werden. Dem stimmte das Gremium einhellig zu.

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