Stadtkirche Kolbermoor: Frischer Anstrich für die Werktagskapelle

So sieht die Werktagskapelle nach der Umgestaltung aus.. Riediger/re
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So sieht die Werktagskapelle nach der Umgestaltung aus.. Riediger/re

Wer mit Pfarrer Maurus Scheurenbrand spricht, spürt schnell, dass ihm die kleine Werktagskapelle in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit ans Herz gewachsen ist. Jetzt wurde sie neu gestaltet und auch neue Figuren fanden Platz. Wo Scheurenbrand die entdeckt hat, verrät er im Interview.

Von Ines Weinzierl

Kolbermoor – Pfarrer Maurus Scheurenbrand (57) hatte die kleine Kapelle, die sich in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit befindet, über einige Wochen verschlossen. Grund war die Umgestaltung dieses Kleinods, die erst 1968 bei den großen Umbauarbeiten am Bauwerk entstanden ist. Vor der Corona-Krise hat der Pfarrer beispielsweise dienstags und freitags die 9 Uhr Gottesdienste dort gefeiert, dann stand die Umgestaltung an: Die Wände haben eine neue Farbe bekommen und sieben Figuren ihren Platz gefunden.

Herr Scheurenbrand, warum wurde die Kapelle umgestaltet?

Maurus Scheurenbrand: Wir wollten das schon länger machen, denn in vielen Ecken war sie bereits schwarz. Obendrein war im Altarraum ein sehr dunkles Blau, das wirkte fast bedrohlich und nicht so hell und freundlich wie jetzt.

Was wurde gemacht?

Scheurenbrand: Helmut Nebauer hat die Kapelle neu gestrichen. Der Altarraum bekam eine andere Farbe, die sich mit dem Marmoraltar und der Renovierung einer meiner Vorgänger, Pfarrer Karl Kwiatkowsky, besser vereint. Das provisorische Gestell für den Tabernakel wurde endlich durch ein neues Podest ersetzt. Es ist dem Podest, auf dem die schmerzhafte Mutter Gottes steht, nachempfunden und wurde von Georg Schilp gefertigt. Die Kapelle wurde gestrichen und obendrein wurden die Figuren, die ich gefunden habe, montiert.

Sie haben Figuren gefunden?

Scheurenbrand: Ja, schon vor einigen Jahren. Ich habe an einem regnerischen Sonntagnachmittag die Sakristei und besonders die obere Sakristei von Heilige Dreifaltigkeit mit ihren vielen, längst vergangenen Schätzen genau inspiziert. In der unteren Sakristei fand ich in einem Schrank ganz hinten alte Messegewänder, um die Jahrhundertwende angeschafft. Ich brauchte eine Leiter, denn die Schränke gehen bis an die Decke. Da fand ich auch alte ausrangierte Messkelche, Fahnen einer schon lange nicht mehr existierenden Herz-Jesu-Bruderschaft, alte Krippenfiguren, die mittlerweile wieder aufgestellt werden, und schließlich fand ich sieben alte Figuren.

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Wirklich?

Scheurenbrand: Ja, sie waren sorgfältig in alte Tücher gewickelt. Aber der Zahn der Zeit hat da keinen Halt gemacht. Zum großen Glück hat der Holzwurm diese Figuren übersehen. Schnell war mir klar, dass diese Figuren von den beiden ehemaligen Seitenaltären der Pfarrkirche stammten.

Das klingt spannend.

Scheurenbrand: War es auch. Ich durfte als kleiner Bub oft bei meiner Großtante übernachten. Sie wohnte ganz allein in einem riesigen uralten Fachwerkhaus. Urkundlich ist dieses Haus schon im 16. Jahrhundert erwähnt. Es hatte zwei riesige Dachböden. Und da war ich oft stundenlang. Was gab es da nicht alles zu entdecken. Da waren noch die alten Kammern der Dienstboten, die großen Truhen, die man zum Aufbewahren der Aussteuer brauchte, alte Bücher, Spielsachen. Es war einfach hochinteressant.

Was passiert jetzt mit den Fundstücken?.

Scheurenbrand: Mit den beiden Kirchenpflegern, Franz Stadler, Christian Wagner, und mit dem ehemaligen Kirchenpfleger, Georg Schilp, waren wir uns schnell einig. Die Figuren kommen in die Werktagskapelle. Erich Wagner hat die Figuren ehrenamtlich und liebevoll restauriert und neu gefasst.

War gleich klar, wohin die Figuren kommen sollen?

Scheurenbrand: Ja. Wir haben überlegt, wo die Heiligenfiguren ihren Platz in der Kapelle bekommen sollen: Die ungerade Zahl von sieben wurde gut verteilt zwischen den beiden Jochen am Eingang und im Altarraum sowie zwischen den drei Fenstern. Georg Schilp hat es sich mit seinen 80 Jahren nicht nehmen lassen, die Figuren selber, unter Mithilfe der Mesner Siegfrid Obermayer und Willi Mayer, zu befestigen.

Sie haben auch Messgewänder entdeckt.

Scheurenbrand: Ja, sie sind zwischen 100 und 130 Jahre alt. Von den fünf Gewändern sind drei brauchbar. Sie wurden restauriert und zu Hochfesten ziehe ich sie an.

Das ist doch sicher etwas ganz Besonderes, oder?

, Scheurenbrand: Ja, man zieht sie anders an und fragt sich, wie viele sie vor mir getragen haben. Die Gewänder waren relativ gut erhalten, als ich sie gefunden habe. So gab es beispielsweise keinen Mottenbefall. Allerdings mussten die Vorderteile ausgebessert werden, denn mit dieser Seite steht der Pfarrer ja zum Altar hin. Sie waren abgenutzt und hatten viele lose Fäden. Damals hat eine Münchner Firma das gemacht, die sich auf diese Art von Arbeiten spezialisiert hatte. Außerdem haben die Klosterschwestern von Schlehdorf, wo ich vorher war, Teile der Stickerei übernommen.

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