LESERFORUM

„Sozialen Wohnraum nach Dringlichkeit vergeben“

Zu „Inklusionsbeauftragte schlägt Alarm – 36 Behinderte suchen eine Bleibe: Rollstuhlgerechte Wohnungen sind Mangelware“ im Lokalteil:

Ein Freund von mir hat bis zu seiner Heirat bei seinen Eltern in einem Wohnblock am Moorgarten gelebt. Sozialwohnungen, im Besitz der Stadt Kolbermoor. Geplant für bedürftige Familien mit Kindern, ohne Aufzug und auch nicht barrierefrei. Wenn ich heute die Situation dort betrachte, sind die Wohnungen fast alle unterbelegt mit alleinstehenden Witwen.

Da werden also Wohnungen mit über 70 Quadratmetern von einer Person bewohnt, während Familien mit Kindern händeringend solche suchen. Die Bewohner können aber nicht einfach ausquartiert werden und weil sie sich auf dem freien Markt auch keine andere Ein-Zimmer-Wohnung leisten können ist die Vier-Zimmer-Sozialwohnung günstiger.

Sozial geförderter Wohnraum wird von privaten Bauträgern durchaus geschaffen. Vor der Kommunalwahl sind vorgenannte auf die Inklusionsbeauftragte zugegangen und haben sich nach dem Bedarf erkundigt. Nach der Wahl stellte sich die Situation so dar, dass die geförderten Wohnungen aus einer Liste vom Landratsamt an Bedürftige vergeben werden, die den Bauträgern genehm sind.

Die, vom Steuerzahler geförderten Wohnungen werden also möglichst gewinnbringend vergeben. Letztlich wird es eine Aufgabe der öffentlichen Hand bleiben, sozial Bedürftigen und körperlich beeinträchtigten Bürgern Wohnraum zur Verfügung zu stellen, weil diese nicht gewinnorientiert, sondern bedarfsorientiert zu handeln hat. Private Bauträger hingegen wollen Gewinne machen. Wenn wir uns als Sozialstaat verstehen, muss das wohl so sein. Wenn aber Steuergeld für sozialen Wohnraum ausgegeben wird, sollte dieser nach der Dringlichkeit und nicht gewinnorientiert vergeben werden.

Renate Suerkemper

Kolbermoor

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