Warum eine Krankenschwester aus Kolbermoor während der Corona-Pandemie ihre Elternzeit verkürzt

In den Krankenhäusern und dort vor allem auf den Intensivstationen wird im Moment jede verfügbare Kraft gebraucht. Auch Irina Kerbel – derzeit eigentlich in Elternzeit – war sofort zur Stelle. Doch es galt, etliche bürokratische Hindernisse zu überwinden. dpa
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In den Krankenhäusern und dort vor allem auf den Intensivstationen wird im Moment jede verfügbare Kraft gebraucht. Auch Irina Kerbel – derzeit eigentlich in Elternzeit – war sofort zur Stelle. Doch es galt, etliche bürokratische Hindernisse zu überwinden. dpa

Nur mit gemeinsamen Kräften können wir es schaffen, ist die dreifache Mutter Irina Kerbel aus Kolbermoor überzeugt. Und obwohl sie derzeit in Elternzeit bei ihrem sieben Monate alten Sohn ist, unterstützt sie nun ihre Klinik-Kollegen in Bad Aibling. Hier erzählt sie.

Kolbermoor/Bad Aibling – Mein Name ist Irina Kerbel. Ich bin 40 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder. Mein jüngster Sohn ist sieben Monate alt und ich befinde mich noch in Elternzeit. Ich bin seit 1. April 2013 im RoMed Unternehmen in Bad Aibling auf der Intensivstation tätig, habe 2017 meine Fachweiterbildung für Anästhesie- und Intensivmedizin absolviert.

Irina Kerbel

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Das Coronavirus breitet sich weltweit aus. Die ganze Situation in Deutschland und in der ganzen Welt hat uns alle aus der Bahn geworfen. Keiner von uns konnte Anfang des Jahres ahnen, dass die schwarze Wolke uns demnächst treffen kann. Leider ist die Zeit gekommen. Nur unsere Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung können die Zeit verkürzen und unseren Alltag langsam wieder auf die gewöhnliche Schiene zu bewegen.

"Wen ich diese Bilder sehe, bin ich den Tränen nahe"

In Italien sind die Folgen der Corona-Pandemie weiterhin am stärksten spürbar. Das Land übertrifft bei den Todesfällen mittlerweile China. Ärzte müssen im Schnellverfahren Patienten sortieren. Nur Kranke mit guten Chancen dürfen noch auf die Intensivstation. Wenn ich diese Bilder sehe, bin ich den Tränen nahe. So geht es bestimmt vielen von uns.

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Auch Irina Kerbels Mann arbeitet in der Pflege

Diese Bilder haben mich bewogen, meine Kollegen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Ich musste mich leider mit vielen Sachen auseinandersetzen, auch familiäre Konfliktsituationen diesbezüglich lösen. Viele intensive Gespräche haben uns geholfen, eine Lösung zu finden. Da mein Mann auch in der Pflege tätig ist und wir Zuhause noch drei Kinder zu betreuen haben, hat mir unsere Zeitplanung 50 Prozent von der gewohnten Vollzeit erlaubt, in die Pflege auf der Intensivstation einzubringen und dabei 100 Prozent zu gegeben.

Bürokratie macht Unterbrechung der Elterzeit kompliziert

Da ich noch in der Elterngeldbezugsphase bin, lässt leider die Bürokratie auch in dieser Zeit nicht locker. Telefonate mit der Elterngeldstelle, frühzeitige Antragumstellung, Einreichung benötigter Unterlagen et cetera, andernfalls würde es kein Elterngeld für die nächsten Monate mehr geben.

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Nicht die Einzige, die vorzeitig ins Krankenhaus zurückkehrt

Die Situation geht uns alle an: Sie stellt unser Gesundheitssystem vor völlig neue, bislang so nie da gewesenen, Herausforderungen. Ärzte und Pflegepersonal sind in diesen Tagen mehr gefordert denn je. Umso glücklicher bin ich, dass viele von meinen Kollegen sich auch dazu entschlossen haben, in solch einer schwierigen Lage in den Dienst zurückzukehren, um helfen zu können.

Untätigkeit kommt für Irina Kerbel nicht in Frage

Nur mit gemeinsamen Kräften können wir es schaffen, dass die medizinische und pflegerische Versorgung unserer Patienten nicht untergeht, die Letalitäts-Kurve nicht hochschießt und Kollegen nicht am Limit arbeiten müssen. Denn in jeder Familie gibt es Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören und keiner von uns möchte, dass es zur Trauer kommt. Es gibt auf der Welt nichts Destruktiveres und Unerträglicheres, als Untätigkeit mit Erwartung.

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