Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Kinder und Lehrer frieren jeden Tag

Sind CO2-Ampeln sinnvoll? Rektoren der Kolbermoorer Schulen beurteilen sie unterschiedlich

Seit September gibt es CO2-Ampeln an den Kolbermoorer Schulen
+
Seit September gibt es CO2-Ampeln an den Kolbermoorer Schulen
  • VonPaula Trautmann
    schließen

CO2-Ampeln messen den Kohlenstoffdioxid-Gehalt in einem Raum. Piepst das Gerät, ist der Wert zu hoch und es muss gelüftet werden. Seit September gibt es sie an den Kolbermoorer Schulen. Wie bewerten die Rektoren die Geräte?

Kolbermoor – Insgesamt hat die Stadt 80 Ampeln für alle drei Schulen angeschafft und Klassenzimmer und Sonderräume wie Medien-, Computer-, Werk- und Musikzimmer ausgestattet. Die Adolf-Rasp-Schule hat eine CO2-Ampel für jedes der 13 Klassenzimmer bekommen. Rektorin Carola Vodermaier ist zufrieden mit dem System.

Die Ampeln müssten allerdings teilweise kurzzeitig ausgesteckt werden, weil es nicht genügend Steckdosen in den Klassenzimmern gibt. Der Hausmeister habe nun den Auftrag, dass alle Ampeln einen festen Stromanschluss bekommen, um das Problem zu beheben.

Spätestens nach jeder Schulstunde lüften

Ansonsten würden die Geräte gut funktionieren. Am Anfang hätten sie sich sehr oft gemeldet. „Das war wirklich störend, weil sie permanent gepiepst haben“, sagt Vodermaier. Sie vermutet, dass sich die Ampeln erst einstellen mussten. Denn mittlerweile geben sie nur noch rund ein mal täglich einen Ton von sich oder melden sich gar nicht.

Lesen Sie auch: Kommen Luftfilter ins Klassenzimmer? Kolbermoorer Elternbeirat hakt nach

Gelüftet wird in der Adolf-Rasp-Schule ohnehin alle 30 Minuten, spätestens nach jeder Schulstunde. An der Mangfallschule öffnen die Lehrer die Fenster ungefähr alle 20 Minuten. „CO2-Messgeräte können zu einem besseren Lüftungsverhalten beitragen“, sagt Rektorin Christa Wagner. Dadurch bekämen die Lehrkräfte einen „realistischen Eindruck“, wie gut ein Raum tatsächlich belüftet ist. Die Ampeln erinnern sie daran, die Fenster zu öffnen. Weil viele ihrer Kollegen zuvor ihre Stoppuhr am Handy genutzt haben, habe sich das Lüftungsverhalten aber kaum verändert.

Kinder und Lehrer frieren jeden Tag

Zusätzlich zu den Ampeln wünscht sich Wagner Luftreiniger. „Im Moment frieren Kinder und Lehrkräfte in den Klassenräumen, da die Temperaturen durch das häufige Lüften nicht sehr viel höher liegen als die Außentemperaturen“, sagt die Rektorin. Durch die Filter könne das Lüftungsintervall vergrößert werden, da sie das Ansteckungsrisiko durch virenbelastete Aerosole in geschlossenen Räumen deutlich senken würden. Außerdem müssten die Kinder und Lehrer dann weniger frieren.

Schiebefenster besser als Kippfenster

Den Jugendlichen an der Pauline-Thoma-Mittelschule ist während dem Lüften auch kurzzeitig kalt. „Sobald die Fenster zu sind, ist es aber schnell wieder warm“, sagt Rektor Markus Rinner. Das liege an der Fußbodenheizung. Die Schule hat 36 CO2-Ampeln bekommen. Rinner ist zufrieden mit der Funktionalität. Alle 20 Minuten „pfeifen“ sie und die Lehrer öffnen die Schiebefenster. Die Ampel werde dann wieder „erstaunlich schnell“ grün. Rinner glaubt deshalb nicht, dass Luftfilter an seiner Schule notwendig sind. Besonders da „Querlüften“ aufgrund der Schiebefenster möglich sei. Wäre die räumliche Situation anders und gäbe es nur Kippfenster, würde er sich auch Filter wünschen.

Das könnte Sie auch interessieren: Kolbermoorer Schulen wollen Präsenzunterricht unbedingt aufrechterhalten

Rektorin Vordermaier ist etwas zwiegespalten, was die Luftfilter angeht. Einerseits wäre sie froh, wenn die Schule welche bekommt. Andererseits habe sie gehört, dass die Filter auf der ersten Stufe nicht wirklich etwas bringen und auf Stufe drei den Unterricht stören, weil sie mitten im Klassenzimmer stehen müssen. Sie selbst habe bisher keine Erfahrung mit den Luftfiltern und müsse auf das vertrauen, was andere sagen. Die Eltern der Adolf-Rasp-Schule wünschen sich aber unbedingt Luftfilter. Ihnen reichen die CO2-Ampeln nicht.

Stadt plant keinen Kauf von Luftfiltern

„Die Schüler sitzen in den Klassenzimmern mit Jacken, Schals und Mützen, weil ihnen zu kalt ist – obwohl noch nicht mal Winter ist“, so Vodermaier. Die Kinder jammern und fragen oft, ob die Lehrer die Fenster wieder schließen können, gerade in den niedrigeren Klassen. Die Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder so frieren müssen und versprechen sich viel von den Filtern.

Laut Stadt ist die Wirksamkeit „nicht unumstritten“

„Die Stadt Kolbermoor sieht durch die Anschaffung von Luftfiltern keine substanzielle Verbesserung an den Kolbermoorer Schulen“, sagt Christian Poitsch vom Stadtmarketing. Beim Einsatz von Luftfiltern sei keineswegs auf das regelmäßige Lüften zu verzichten. Die Wirksamkeit sei auch „nicht unumstritten“.

Mitarbeiter der Stadt hätten alle Schulräume auf Lüftungsmöglichkeiten überprüft. Bei zwei Räumen wurden Verbesserungen an der Fenstermechanik vorgenommen, alle anderen Räume waren „sehr gut zu lüften“. Deshalb habe die Stadt nicht vor, Lüftungsgeräte anzuschaffen.

Wie ist die Stimmung bei den Schülern?

„Unsere Schüler sind gut drauf und freuen sich, dass die Schule stattfindet“, sagt Carola Vodermaier, Rektorin der Adolf-Rasp-Schule. Wenn ein Fall in der Klasse vorkomme, kämen sie ins Grübeln. Die Kinder seien aber vernünftiger als mancher Erwachsener und befolgen die Regeln brav. An der Schule gebe es keine Testverweigerer. Drei von 313 Schülern hätten ein Maskenattest, zwei tragen den Mundschutz trotzdem.

Auch an der Pauline-Thoma-Mittelschule ist die Stimmung gut. Laut Rektor Markus Rinner sind die Schüler froh, dass sie keinen Fernunterricht haben. Dennoch merke er, dass die Pandemie eine „psychische Belastung“ für sie ist. Besonders wenn die Schüler selbst betroffen sind. „Sie leiden schlimmer als Erwachsene und haben Angst, weil sie nicht wissen, wie sie es wegstecken“, sagt Rinner. Die vergangenen eineinhalb Jahre hätten gezeigt, dass die Kinder soziale und emotionale Defizite aufbauen. „Von dem Fachlichen ganz zu Schweigen“, sagt Rinner. Fernunterricht könne den Schulunterricht nicht ersetzen. „Der Schaden eines erneuten Lockdowns wäre immens.“ Deshalb ist der Rektor vorerst weiterhin für Präsenzunterricht, obwohl ihn die hohen Infektionszahlen beschäftigen. Die Ansteckungen in der Schule seien aber gering.

Auch Vodermaier ist besorgt aufgrund der hohen Inzidenz. „Wir haben eigentlich täglich einen neuen positiven Fall“, sagt die Rektorin. Dennoch sei es wichtig, den Präsenzunterricht zu ermöglichen – gerade für die Kleinen. Sie sehe die Defizite der höheren Klassen, im Fachlichen und auch im sozialen Umgang. Die Kinder hätten das verlernt. Gerade wenn zuhause wenig Rückhalt da ist, würde man die Schüler „komplett verlieren“. Dritt- und Viertklässler aus sozial schwachen Milieus hätten es besonders schwer. Deshalb ist Vodermaier überzeugt: „Distanzunterricht wäre der Untergang.“

Christian Poitsch vom Stadtmarketing verdeutlicht, dass die pädagogischen Regeln und Maßnahmen in Sachen Corona nicht in den Händen der Kommune liegen. Dennoch sehen die Verantwortlichen bei der Stadt den Präsenzunterricht – gerade hinsichtlich seiner zu vermutenden sozialen Auswirkungen und Bedeutung – als sehr wichtig an.

Mehr zum Thema

Kommentare