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Erinnerungen an Handelsschule Alpenland Kolbermoor

Seit 50 Jahren eine eingeschworene Gemeinschaft: Wie aus Schulspezln Freunde fürs Leben wurden

Seit 50 Jahren eine verschworene Gemeinschaft ist die Klasse 10 av der einstigen Handelsschule Alpenland aus Kolbermoor: (vorn, von links) Rudi Blümlhuber (Blümi), Veronika Gmeiner (Vroni), Fritz Liedtke, Hans Huber, Traudl Schmid (Hofi), (mittlere Reihe, von links) Marinus Maier, Edeltraud Anzill, Albert Paukert (Abba), Josef Fuchsberger (Fu), Gerhard Schlarb, (hinten, stehend) Josef Marx, Franz Schuhböck (Schubi), Conny Stadler, Rosa Spanaus, Maria Schäfer (Marille) und Dagmar Wallner.
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Seit 50 Jahren eine verschworene Gemeinschaft ist die Klasse 10 av der einstigen Handelsschule Alpenland aus Kolbermoor: (vorn, von links) Rudi Blümlhuber (Blümi), Veronika Gmeiner (Vroni), Fritz Liedtke, Hans Huber, Traudl Schmid (Hofi), (mittlere Reihe, von links) Marinus Maier, Edeltraud Anzill, Albert Paukert (Abba), Josef Fuchsberger (Fu), Gerhard Schlarb, (hinten, stehend) Josef Marx, Franz Schuhböck (Schubi), Conny Stadler, Rosa Spanaus, Maria Schäfer (Marille) und Dagmar Wallner.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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In einem Jungbrunnen badeten kürzlich 16 ehemalige Handelsschüler aus Kolbermoor. Was sie jung hält und nach 50 Jahren noch immer verbindet, haben sie jetzt den OVB-Heimatzeitungen verraten.

Kolbermoor – Nach 50 Jahren trafen sich jetzt die Absolventen der Klasse 10av der ehemaligen Handelsschule Alpenland in Kolbermoor wieder. „Das ist ein Jungbrunnen“, schwärmt Gerhard Schlarb. „Auch wenn hier lauter weiße Köpfe sitzen, die Gesichter sind wiederzuerkennen und bringen unsere Jugend zurück. Du gehst rein. Es holt Dich ein. Du saugst es auf. Und deshalb hat jeder ein Lächeln im Gesicht.“ Dass sie jetzt 50 Jahre älter sind, betrübt keinen. „Macht doch nix“, sagt Rosa Spanaus, die seit 1972 die Klassentreffen organisiert.

Mit jedem Foto erwacht a Gschicht

Ganz im Gegenteil: In einem dicken Ordner sind alle Fotos aus 50 Jahren aufbewahrt. „Da sieht man, wie wir uns verändert haben“, sagen die „Schüler“ lachend, denn mit jedem Foto erwacht auch eine Geschichte.

Ausflüge waren besonders beliebt: Die Klasse 10av vor mehr als 50 Jahren bei einer Exkursion in die Stahlwerke Linz. Was des Nachts im Schullandheim geschah, ist allen noch gut in Erinnerung.

Die Handelsschule Alpenland gibt es in Kolbermoor schon lange nicht mehr. „Es war eine Baracke in der Oberen Mangfallstraße, davon ist heute nur noch ein Parkplatz übrig“, erinnert sich Rosa Spanaus. Und auch wenn es „a oida Hirban“ war, wie sich die Schüler erinnern. Wenn sie heute daran vorbeifahren, erfasst sie doch ein wenig Wehmut.

Alle fünf Jahre kommen die einstigen 16- bis 17-Jährigen zusammen. Und jedesmal ist die Freude groß, denn: „Wir waren eine tolle Gemeinschaft, am letzten Schultag haben die Buben geweint“, erzählt Spanaus.

Wir haben uns gegenseitig fürs Leben stark gemacht. Einer für alle und alle für einen, das haben wir gelebt.

Conny Stadler, einstige Schülerin der Klasse 10 av

Doch was machte diese Klasse so besonders? „Die Charaktere haben einfach gepasst. Bei uns gab es weder das Wort Mobbing, noch derartige Verhaltensweisen“, beschreibt Conny Stadler: „Ganz im Gegenteil: Wir haben uns gegenseitig fürs Leben stark gemacht. Einer für alle und alle für einen, das haben wir gelebt.“

Vor allem Vroni habe der Klasse enormes Selbstbewusstsein gegeben. „Das beruhte auf Gegenseitigkeit“, blickt Vroni Gmeiner zurück. Damals war sie dankbar, dass sie angenommen wurde, wie sie war. „Ich habe mich endlich als gleichwertiger Mensch und nicht mehr als Krüppel gefühlt“, sagt sie. Nach einer Kinderlähmung braucht sie seit ihrem vierten Lebensjahr einen Rollstuhl. „Den haben die Jungs einfach links und rechts gepackt und in die nächste Etage getragen“, erzählt Vroni Gmeiner lachend.

Heute ist sie die Beauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung in Kolbermoor. Damals war Gleichbehandlung noch kein gesellschaftliches Thema. „Das Wort Inklusion gab es noch gar nicht und brauchte es auch nicht“, sagt Rosi Spanaus. „Für uns war es ganz selbstverständlich, dass die Vroni überall dabei ist. Und keiner hat ihr Handicap hochgespielt.“ Wenn es Vronis Eltern einmal doch nicht erlaubten, dass sie mit auf Klassenfahrt ging, dann brachten ihr die Klassenkameraden eine Erinnerung mit: „Einmal habe ich Ohrclips bekommen. Die bewahre ich bis heute auf“, erzählt Gmeiner.

„Es war eine wunderbare Zeit“, erinnert sich Gerhard Schlarb zurück: „So unbeschwert und leicht.“ Und dazu gehörten natürlich auch Streiche. „Die haben wir aber meist den Lehrern gespielt“, betonen die Dirndl von einst. „Von Pfarrer Klaas haben wir uns beim Spicken erwischen lassen, damit wir die Arbeit gleich nochmal schreiben konnten. Er hat uns nie schlechte Noten gegeben“, erzählt Rosa Spanaus.

Im Musikunterricht von Gerd Müller von der Dreder Musi haben sie sich die Klassenarbeiten geteilt. „Ich habe die Noten geschrieben, die anderen die Texte dazu. Das hat keiner gemerkt“, gibt Rosa lachend zu. „Man kann es heute gar nicht mehr in Worte fassen, was wir alles angestellt haben“, meint Conny Stadler und empfiehlt, die alten Geschichten doch lieber ruhen zu lassen.

Beim Klassentreffen der einstigen 10av der Handelsschule Alpenland nach 25 Jahren waren auch die Lehrer Dr. Hans Spanaus (links), Pfarrer Eugen Klaas (Mitte) und Otto Bissinger (rechts) dabei. Bissinger ist heute über 90 Jahre alt. Er bekommt vom Klassentreffen ein Foto zur Erinnerung an seine Schüler.

Manch einer hat sie auch schon längst vergessen. „Fu“ beispielsweise. Er war nicht nur der Klassen- und Schulsprecher, sondern soll auch der Junge mit dem größten Schalk im Nacken gewesen sein. An das blaue Auge, das ihm Marinus auf einer Klassenfahrt verpasst hat, als er ihm im Schlaf das Gesicht mit schwarzer Schuhcreme einreiben wollte, kann er sich nicht mehr erinnern. Marinus dagegen schon. „Ich habe damals scheinbar vieles nicht gemerkt“, sagt „Fu“ schmunzelnd und wird fast ein wenig rot, als Traudl erzählt, dass er der Schwarm aller Mädchen und auch sie verliebt in ihn war.

Kolbermoorer bleiben ihrer Heimat treu

„Natürlich erinnern uns die Klassentreffen auch an unsere Jugendliebe“, sagt Vroni Gmeiner mit einem Lächeln und begleitet vom vielsagenden Nicken aller anderen Damen. Doch darüber bleibt nach 50 Jahren der Mantel des Schweigens gehüllt.

Die meisten der einstigen Handelsschüler des Abschlussjahres 1972 sind im Mangfalltal oder der Region geblieben. „Eine von uns lebt heute in Menorca“, weiß Rosa Spanaus, denn sie aktualisiert seit 50 Jahren alle Adressen. „Aus allen ist etwas geworden“, ergänzt Vroni und ist glücklich darüber, dass die Schulspezln der 10av „Freunde fürs Leben“ geblieben sind.

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