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Elterntaxis als Problem

Schulwegsicherheit in Kolbermoor unterscheidet sich enorm: „Das ist wie im Irrenhaus“

Ungewöhnliche Leere – Ein Mitarbeiter vom Zweckverband für kommunale Verkehrsüberwachung kontrolliert, dass niemand an der Bushaltestelle parkt.
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Ungewöhnliche Leere – Ein Mitarbeiter vom Zweckverband für kommunale Verkehrsüberwachung kontrolliert, dass niemand an der Bushaltestelle parkt.
  • VonPaula Trautmann
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Wie sicher ist der Schulweg für Kinder in Kolbermoor? Die Situation an den drei Schulen ist vollkommen unterschiedlich. An einer Einrichtung ist die Situation besonders problematisch.

Kolbermoor – Die meisten Kinder fahren mit dem Rad oder gehen zu Fuß in die Schule. Einige werden von ihren Eltern mit dem Auto gefahren. „An der Adolf-Rasp-Schule ist das in der Früh das komplette Verkehrschaos“, sagt Stadtmitarbeiter Andreas Eickmann. Er ist zuständig für Kitas, Schulen und Jugend in Kolbermoor und weiß, dass Eltern die Haltestelle mit ihren Autos so blockieren, dass der Bus nicht mehr durchfahren kann.

Der Busfahrer dürfe die Kinder aber nicht außerhalb der Haltestelle rauslassen. Wenn etwas passieren würde, sei da „die Hölle los“. Auch auf die Lehrerparkplätze stellen sich die Eltern. „Die parken kreuz und quer, drehen mitten auf der Straße um.“ Das gefährde die Kinder.

Verschlimmerung im Vergleich zum Vorjahr

Rektorin Carola Vodermaier bestätigt: „Ich habe so was noch nie erlebt, das ist wie im Irrenhaus.“ Kürzlich habe ein Vater fast eine Schulweghelferin angefahren, weil er aufs Handy gesehen hat. Er sei einfach weitergefahren. Die Rektorin, Busfahrer und Schülerlotsen werden auch von Eltern beschimpft, die ihre Fehler nicht einsehen. Heuer sei die Situation noch schlimmer als im Vorjahr – obwohl die Schulleiterin nicht dachte, dass das überhaupt möglich sei. „Hauptsache das eigene Kind ist in Sicherheit, alle anderen Kinder sind egal“, beschreibt Vodermaier das Verhalten.

Kontrolle durch zivile Polizisten und Ordnungsamt

Die „Rücksichtslosigkeit und der Egoismus“ vieler Eltern erschüttert sie. Vergangene Woche hat die Schulleiterin deshalb einen „emotionalen Elternbrief“ geschrieben, weil sie am Verstand mancher Mütter und Väter zweifle. Darin hat sie angekündigt, dass zivile Polizisten und Ordnungsamtmitarbeiter den Verkehr nun immer wieder kontrollieren werden. Das sei mit der Stadt abgesprochen.

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Nach dem Versand des Elternbriefs haben die Rektorin, der Hausmeister und ein Stadtmitarbeiter den Verkehr überwacht. „Recht brav“ seien die Eltern in den ersten drei Tagen gewesen. Dann habe es zu regnen begonnen und das Chaos sei wieder losgegangen. „Als wären die Kinder aus Zucker“, sagt Vodermaier.

„Bussi-Pfiadi-Zone“ als Lösung?

Um das Problem zu lösen, will sie eine „Bussi-Pfiadi-Zone“ am Freibad-Parkplatz einrichten. Dort könnten Eltern ihre Autos abstellen und die paar hundert Meter mit ihren Kindern zur Schule laufen. Diese und andere Möglichkeiten werden im neu gewählten Elternbeirat diskutiert. Denn auch dort sei das „oberste Thema“ die Verkehrssicherheit. Die bessere Alternative sei jedoch immer noch zu Fuß zu gehen oder ab der vierten Klasse – nach dem Fahrradführerschein – mit dem Rad in die Schule zu fahren. Alternativ müssen die Eltern die Schüler begleiten. „Das schadet ihnen auch nicht“, sagt Vodermaier.

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Vor der Pauline-Thoma-Schule gibt es einen großen Parkplatz. „Da gibt es kein Problem“, weiß Eickmann. Die Schüler seien schon älter und fahren oder gehen meist allein in die Schule. In der Mangfallschule gebe es auch kein Chaos, weil die Lage zentraler sei und mehr Eltern ihre Kinder mit dem Rad oder zu Fuß bringen. Zwar gebe es einen „Park-and-Ride-Parkplatz“ direkt vor der Schule, am alten Rathausplatz gebe es aber keine Stellplätze.

Für Roller und Fahrräder – Nicht alle Kinder werden von ihren Eltern in die Schule gefahren. Viele rollern, radeln oder gehen zu Fuß.

Ungünstige Ampelschaltung

„Gravierende Gefährdungen und Probleme aufgrund von Elterntaxis sind mir nicht bekannt“, bestätigt Rektorin Christa Wagner. Eine größere Gefahr seien die Baustellen und damit verbundenen Sperrungen. Durch den Rückbau des zweiten Fußgängerüberwegs an der Hasslerstraße und die ungünstige Ampelschaltung mit langen Rot- und kurzen Grünphasen würden zu den Stoßzeiten viele Kindern warten, was zu Gedränge führe.

Auch die Tonwerksunterführung sei gefährlich, weshalb dort Schülerlotsen stehen. Am Bahnübergang Aiblinger Straße/Am Glasberg bräuchte es laut Wagner auch Schulweghelfer. Weil sich nicht genügend Freiwillige melden, kann dort momentan niemand für Sicherheit sorgen.

Wie viele Kinder nehmen den Bus und wer fährt kostenlos?

In Kolbermoor sind 611 Grundschüler gemeldet. Davon besuchen 311 die Adolf-Rasp-Schule, der Rest die Mangfallschule. Auf die Pauline-Thoma-Schule gehen 321 Schüler. Doch nicht alle dürfen kostenlos mit dem Bus fahren. Anspruch auf kostenfreie Beförderung haben nur Grundschulkinder, die einen Schulweg von mehr als zwei Kilometern oder einen „besonders gefährlichen oder beschwerlichen Schulweg“ haben. Ob Letzteres vorliegt, überprüfe die Polizei vor Ort.

„Wenn es keinen Bürgersteig oder keine Beleuchtung gibt, wird es genehmigt“, sagt Stadtmitarbeiter Andreas Eickmann. Das sei beispielsweise in der Dr.-Thann-Straße der Fall. Auch Kinder die im Fasanenweg, in Oberhart, im Kutterlinger Weg, der Schlarbhofener Straße, Am Brand und in gewissen Häusern in der Aiblinger Au leben, dürfen kostenlos Bus fahren. Stadtmitarbeiter schreiben die Eltern der Grundschüler an und senden einen Bogen mit, damit sie das Ticket gleich beantragen können.

Momentan gebe es 91 „Buskinder“. Die Zahl sei mehr oder weniger stagniert, aber auf einem „hohen Niveau“. Nur elf der Grundschüler nutzen das kostenlose Angebot. „Das ist eigentlich relativ viel, mehr können wir gar nicht befördern“, sagt Eickmann im Hinblick auf die Kapazität. Die Stadt könne Kinder nicht unbegrenzt mit dem Bus befördern. Die Schüler fahren im Linienverkehr mit und in einem Bus hätten maximal 27 Personen Platz. Auf zwei oder drei Touren können Kinder mitfahren – je nachdem, wo sie wohnen. Im Süden könne der Busfahrer maximal 50 Kinder mitnehmen und im Norden 75. Die Stadt müsse auch Plätze für andere Fahrgäste freihalten. „Wir können den Bus nicht komplett mit Kindern zumachen“, sagt Eickmann.

Auch wenn ein Kind eine Behinderung hat, müssen die Eltern nichts für die tägliche Busfahrt zahlen. Dafür benötigen die Betroffenen einen Schwerbehindertenausweis, einen Bescheid vom Versorgungsamt oder ein Attest vom Arzt. Ab der fünften Klasse können Kinder nur kostenlos mit dem Bus fahren, wenn ihr Schulweg länger als drei Kilometer ist. Das gebe es in Kolbermoor nicht.

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