Schule in den 40er-Jahren in Kolbermoor: 12 Lehrer für 1061 Kinder

Teil 2 der Serie: Aufzeichnungen eines Schulrektors 1944 bis 1948 - Zwölf Lehrer stehen zur Verfügung.

Kolbermoor – Kein geregelter Unterricht war ab 1943/1944 mehr für die Schüler möglich: Schließlich war ein großer Teil der Mädchen- und Knabenschule anderweitig belegt: Im Mädchenschulhaus war die Wehrmacht untergebracht, in der Knabenschule unter anderem evakuierte Klassen aus München. Ab Juni 1945 fand wieder der Schulunterricht statt, wenn auch nur in begrenztem Maße: Denn es standen nur zwei Klassenräume zur Verfügung.In den anderen Zimmern waren Flüchtlinge und Bombengeschädigte untergebracht.

Im September 1945 gingen in Kolbermoor rund 1061 Mädchen und Buben zur Schule. Die Serie „Aufzeichnungen des Schulrektors 1944 bis 1948“ in den OVB-Heimatzeitungen soll einen Einblick geben, wie es damals war. Die Unterlagen hat Anton Hamberger vom einstigen Rektor Georg Dobler (1922 bis 2016) bekommen. Die Einträge von 1945 bis 1948 stammen von Rektor Hanns Weigl.

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17. September 1945

Eröffnung des Unterrichts für alle Klassen. Das Schulhaus ist geräumt, aber noch nicht vollkommen in Ordnung gebracht. Es wurde von grundauf gesäubert und repariert. Der Unterricht kann erst in acht Tagen beginnen. Im Kino findet eine Schülereröffnungsfeier statt, an der Kinder der dritten bis achten Klasse, der Gemeinderat mit Bürgermeister, die Elternschaft und die Geistlichkeit teilnehmen.

24. September 1945

Beginn des Unterrichts für alle. Da aber das zweite Schulhaus noch mit Flüchtlingen belegt ist, muss teilweise Abteilungsunterricht gegeben werde.

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1. Oktober 1945

Insgesamt kommen 1061 Kinder, davon 558 Knaben und 503 Mädchen, zur Schule. Es stehen zwölf Lehrkräfte, davon vier Herren und acht Damen, zur Verfügung. Die Damen: Bauer, Inzinger, Hellmauer, Hoermann, Thoma, Weber, Simson, Zill. Die Herren: Weigl, Bauer, Simper, Nave. Zwölf Lehrsäle stehen zur Verfügung. Das Schulhaus wurde einer gründlichen Reinigung und Renovierung unterzogen. Es fehlte überall.

Klosetts, Ofen, Lichtleitungen, Stiegenaufgang, Treppen waren in einem unwahrscheinlich verwahrlosten Zustand. Die meisten Fenster waren zerbrochen oder beschädigt. Bänke, Stühle und Tische fehlten. Schlüssel und Schlösser mussten neu beschafft werden. Bürgermeister und Gemeinderat gewährten jede Unterstützung.

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20. November 1945

Auffallend viele Kinder zum Teil unterstützt von den Eltern haben eine sehr laxe Auffassung von der Tatsache, dass der Schulbesuch Pflicht ist. Hausmeister und Polizei müssen energisch mithelfen, um den Missstand zu beheben.

29. November 1945

Das Mädchenschulhaus ist von Flüchtlingen geräumt und wird in Ordnung gebracht. Dadurch werden vier weitere Säle gewonnen.

20. Dezember 1945

Beginn der Weihnachtsferien bis einschließlich 7. Januar 1946. Beschaffung von Heizmaterial macht Schwierigkeiten. Unterrichtsausfall ist aber nicht zu befürchten, da im schlimmsten Fall wirksame Selbsthilfe in Aktion treten würde.

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