NACH SIEBEN JAHREN

Schäffler tanzen

Eingekleidet sind sie schon – jetzt beginnt das Tanztraining. Hornauer

„Aba heid is koid...“: So wird es ab dem 5. Januar wieder in Kolbermoor und Umgebung erklingen, wenn die Kolbermoorer Schäffler in ihre 16. Tanzsaison starten. Die Vorbereitungen wie das Einkleiden der Schäffler, der Kasperl, der Fassträger und Kronenhalter sind so gut wie abgeschlossen. Das Tanztraining startet am 20. September – und Organisator Rudolf Eder nimmt ab sofort schon die Buchungen der Auftritte entgegen.

Kolbermoor– In Kolbermoor wurde der Schäfflertanz erstmals 1886 aufgeführt. Gegen Ende des Jahres 1885 machte der damalige Gemeindeschreiber, ein gewisser Bohl, ein gebürtiger Münchner, bei einer Sitzung der Kolbermoorer Faschingsgesellschaft den Vorschlag, statt der bisher üblichen Haberfeldtreiben und Bauernhochzeiten doch einmal den Münchner Schäfflertanz aufzuführen.

Man nahm diesen Vorschlag mit Begeisterung auf und setzte sich umgehend mit der Münchner Schäfflerzunft in Verbindung. Mit ihrer Unterstützung wurde der Tanz einstudiert, und man erwirkte vom damaligen Prinzregenten Luitpold von Bayern ein königliches Dekret, in dem die Erlaubnis erteilt wurde, den Schäfflertanz alle sieben Jahre aufzuführen.

Noch im Fasching 1886 konnte der Tanz dann zum ersten Mal in Kolbermoor aufgeführt werden.

1893 wurde aus der Schäfflertanzvereinigung der „Dramatische Club Immergrün“ gegründet, um die siebenjährigen Tanzpausen durch Theateraufführungen zu überbrücken. Da mit der zunehmenden Industrialisierung die Pflege des heimatlichen Brauchtums immer mehr verschwand, machte es sich der „Dramatische Club“ auch zur Aufgabe, das Heimatgut zu pflegen und altes Brauchtum zu schützen, so dass daraus der „Gebirgstrachten-Erhaltungsverein Immergrün“ wurde.

In der Zeit von 1886 bis 1914 konnte der Schäfflertanz alle sieben Jahre aufgeführt werden, bis diese Tradition durch die Wirren der beiden Weltkriege unterbrochen wurde. Zur Markterhebung Kolbermoors im Jahre 1936 wurde der Tanz außerhalb der Reihe aufgeführt. Seit 1949 konnte der Tanz dann turnusgemäß alle sieben Jahre stattfinden.

Mit dabei ist auch wieder Bürgermeister Peter Kloo – zum fünften Mal als Schäfflermeister (vorher sorgte er zweimal als Kasperl für die Erheiterung der Zuschauer). Das Amt hatte er 1991 direkt von seinem Vater Peter Kloo senior übernommen, der es seit 1956 inne hatte. Er wird allerdings nicht alle Auftritte mittanzen können – das sei erstens eine Zeitfrage, und zweitens „bin ich auch keine 40 mehr...“, wie er meint.

Zeitintensiv ist der Schäffler-Einsatz bestimmt: Ab Donnerstag, 20. September, proben die insgesamt 31 Akteure – alle aus den Reihen der Immergrünen – jede Woche im Trachtenheim. Schließlich muss nicht nur die Erinnerung an die Schrittfolgen nach der langen Pause aufgefrischt werden: Auch sechs neue Tänzer sind dabei. Die letzte Probe findet dann mit Begleitung der Blaskapelle „Am Wasen“ statt, die die Tanztruppe inzwischen seit 1970 begleitet.

Dann wird es ernst: Die neue Schäfflersaison startet am Samstag, 5. Januar, 18 Uhr, vor dem neuen Rathaus in Kolbermoor mit dem Eröffnungstanz. Nach dem Empfang im Rathaus wird zum Mareissaal gezogen, um dort um 20 Uhr den traditionellen Schäfflerball zu eröffnen. Am Freitag, 11. Januar, starten die Schäffler dann mit den gebuchten Tanzauftritten. Alle folgenden Wochenenden bis 3. März (Freitag bis einschließlich Sonntag) sind als Tanztage möglich.

Rudolf Eder rechnet mit rund 240 Auftritten, die erforderlich wären, damit sich die Sache rechnet: „Wir haben keine Sponsoren. Die Kosten für den Bus, die Musik oder die Einkleidung müssen wir alle über die Gagen zusammenbringen. Allein ein Schuhsatz kostet gute 9 000 Euro.“ Ein Auftrittstag bringt es durchaus auf zehn Auftritte – mancher Schäffler muss sich da auch Urlaub nehmen...

Die ersten Tänze sind sogar schon gebucht, so Eder. Da gibt es Firmen, die immer dabei sein wollen, oder den Kolbermoorer, der sich den Auftritt stets zu seinem Geburtstag gönnt. Rund die Hälfte der Auftritte tanzen die Kolbermoorer Schäffler bei Privatpersonen, den Rest bei Firmen oder auch Behörden. Sie treten in Kolbermoor auf und überqueren (gegen Aufpreis) auch die Stadtgrenze. Bis nach Gstadt sind sie gekommen – und 2012 startete man zum Saisonende zusammen mit der Blaskapelle eine Fahrt zur Schmiede-Partnergemeinde Stia in die Toskana, wo man den begeisterten Italienern bairisches Brauchtum nahebrachte.

Als Bürgermeister Peter Kloo die Organisation 1991 übernommen hatte, schrieb er die Adressen- und Telefonlisten in einen der ersten Computer. 1998 kam dann eine Rubrik für die Handynummern dazu, 2005 eine für die E-Mail-Adressen. Inzwischen fallen Festnetzanschlüsse schon wieder heraus... „Da sieht man deutlich, wie sich in sieben Jahren die Zeit ändert,“ sagt er.

Nur der Schäfflertanz bleibt gleich.

Auch interessant

Kommentare zu diesem Artikel