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Postbote in Nöten: Freispruch

Mit einem Freispruch für einen Postboten, dem vorgeworfen worden war, er hätte gegen das "Post- und Fernmeldegesetz" verstoßen, endete eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Bad Aibling.

Kolbermoor - Seit vielen Jahren tat der Kolbermoorer Postbetriebsassistent, wie der Postbote korrekt heißt, völlig unbescholten und fleißig seinen Dienst. Viele Verfahrensabläufe kannte er aus dem FF und "optimierte" diese, wo es ihm angebracht und zeitsparend erschien.

Das war allerdings einer neuen Mitarbeiterin im Zustelldienst suspekt. In ihr wuchs der Verdacht, der altgediente Kollege würde sich aus Bequemlichkeit vieler Postwurfsendungen entledigen, indem er sie einfach in den Papiermüll des Zustell- Stützpunktes entsorgte.

Weil seine Diensteinteilung zuweilen unorthodox war und von der neuen Mitarbeiterin nicht als "ungewöhnlich, aber zeitsparend" erkannt wurde, meldete sie ihren Verdacht an die Vorgesetzte, jene weiter dem Security-Beauftragten und das Schicksal nahm seinen Lauf in Form einer Anzeige.

Richterin Isabella Hubert, die Staatsanwältin und der Verteidiger, Rechtsanwalt Christian Schungel, ließen sich bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Bad Aibling zunächst in die Geheimnisse der Zustellungstechniken der Post einweihen. Dann erklärte der 53-jährige Briefbote, wie und warum er seine Zustellungsverfahren so und nicht anders gehandhabt hatte.

Die Hauptbelastungszeugin konnte lediglich aussagen, dass die Verfahrensweise des Kollegen nicht vorschriftsmäßig gewesen sei und ihr verdächtig vorgekommen war. Ihrer Meinung nach bestätigte sich dieser Verdacht, weshalb sie die Betriebsleitung verständigt hatte.

Konkret nachgefragt, handelte es sich aber bei all ihren Aussagen um Annahmen und Schlussfolgerungen, die konkret nicht zu beweisen oder widerlegt worden waren.

Die Stützpunktleiterin bestätigte, dass der Angeklagte in mehreren Jahrzehnten sich niemals etwas zu Schulden hatte kommen lassen. Er sei, ganz im Gegenteil, präzise und trotzdem schnell im Dienst. Allerdings widersprächen seine angewendeten Methoden durchaus den Vorschriften des Dienstes. Sie gestand allerdings zu, dass einige davon informell geduldet, bekannt gewesen und nicht beanstandet worden seien. Sie stimmte auch zu, dass einige seiner Methoden möglicherweise logisch seien, aber, weil nicht den Vorschriften entsprechend, nicht geduldet werden könnten.

Von den drei Anklagepunkten, er habe Postgut verschwinden lassen, verblieb nur einer, bei welchem sich aber nicht mehr aufklären ließ, wer da zustellbare Postwurfwerbung in einem Müllcontainer entsorgt hatte.

Nachdem der Sicherheits-Beauftragte auch nichts Erhellendes beziehungsweise Belastendes vorzubringen hatte, beantragte die Staatsanwältin Freispruch, der Verteidiger schloss sich an und das Gericht urteilte entsprechend.

Weil der Kolbermoorer nach einer schweren Operation voraussichtlich in einen vorzeitigen Ruhestand geht, muss er sich wohl in seiner Zustellmethodik auch nicht mehr umgewöhnen. au

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