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„Das ist Klima- und Naturschutz“

Perfekte Heimat für Bienen – Stadt Kolbermoor erhält Auszeichnung

Freuen sich über die Auszeichnung als bienenfreundliche Gemeinde: (von links) Kolbermoorer Bürgermeister Peter Kloo, Markus Heimbuchner, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins und Jürgen Halder von der Bautechnik.
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Freuen sich über die Auszeichnung als bienenfreundliche Gemeinde: (von links) Kolbermoorer Bürgermeister Peter Kloo, Markus Heimbuchner, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins und Jürgen Halder von der Bautechnik.
  • VonPaula Trautmann
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Als eine von 43 Kommunen hat Kolbermoor eine Auszeichnung als bienenfreundliche Gemeinde vom Bezirk Oberbayern erhalten. Ein Gespräch mit den stolzen Besitzern der Urkunde.

Kolbermoor – „Bienen sind schon lange ein Thema in Kolbermoor“, sagt Bürgermeister Peter Kloo. 187 Völker gibt es in Kolbermoor, sechs davon am Lehrbienenstand. Der wurde bereits 2008 am Tonwerksweiher errichtet. Bauhof-Mitarbeiter hätten ihn in Eigenleistung und teilweise sogar nach Ende ihrer Arbeitszeit gebaut. Solche Begeisterung habe das Projekt in ihnen hervorgerufen. Nun steht er „mitten in einer üppigen Vegetation – ideal für Bienen“. Nur einmal im Jahr, meist im Herbst, werden die Freiflächen dort gemäht.

Kinder lernen alles über Bienenhaltung

Imker vom Bienenzuchtverein geben normalerweise einmal die Woche Kurse am Lehrbienenstand, für Anfänger oder zur Weiterbildung. Während der Corona-Pandemie sei das kaum möglich gewesen, so Markus Heimbuchner, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins. Es sei aber wichtig, den Bürgern beizubringen, wie relevant die Biene für das Ökosystem ist. Deshalb leitet er auch eine Bienen Arbeitsgemeinschaft (AG) an der Pauline-Thoma-Mittelschule.

Lesen Sie auch: Die Bienen AG der Pauline-Thoma-Mittelschule in Kolbermoor kümmert sich um Insekten und Natur

Das Ziel der AG sei nicht, dass alle Schüler zu imkern anfangen. Die Kinder sollen so lernen, wo der Honig herkommt. Sie erfahren zudem alles über die Bienenhaltung: Wie die Königin aussieht, Stock- und Brutpflege, Krankheiten erkennen und bekämpfen, das Zusammenspiel mit anderen Pflanzen oder Insekten. So lernen die Kinder etwa wie die Waldameise Baumläuse in Tannen oder Fichten „pflegt“. Die sogenannten Lachniden sondern dann Honigtau aus, weshalb die Bienen die Läuse melken. So entsteht Waldhonig. Am Lehrbienenstand gibt es einen Waldameisenhaufen.

„Weg von einem elitären, alten Herrenklub“

Der Lehrbienenstand sei nicht nur super zur Demonstration für Kinder, er habe den Bienenzuchtverein zudem „verjüngt“, so Bürgermeister Kloo. Früher seien alle Mitglieder rund 75 Jahre alt gewesen, nun liege der Altersdurchschnitt bei 40. „Der Verein hat sich komplett gewandelt, weg von einem elitären, alten Herrenklub.“ Seit über 100 Jahren gibt es den Bienenzuchtverein. Er hat sich als eigener Zweig aus dem Obst- und Gartenbauverein entwickelt. Alle 56 Mitglieder hätten ihren eigenen Stil. „Es gibt nicht nur ein Jäger- und Fischerlatein, sondern auch ein Imkerlatein“, so Kloo.

„Die Königinnenzucht ist was für Spezialisten“

In Schulungen des Bienenzuchtvereins geben die Mitglieder ihr „Imkerlatein“ weiter. Sie bringen den Teilnehmern bei, wie sie einen Schwarmtrieb erkennen. „Wenn zu viele Bienen in einem Stock sind, hauen sie ab“, sagt Kloo. Die Bienen legen aber zuerst eine Königinnenzelle an, wenn sie schlüpft, zieht ein Teil des Bienenvolks weiter. Das sei eine natürliche Vermehrung. Damit einem Imker die Bienen nicht davonfliegen, muss er das rechtzeitig erkennen, um ihnen einen zusätzlichen Stock zu geben. Sonst siedeln sie sich woanders an. „Die Königinnenzucht ist aber schon was für Spezialisten“, weiß Kloo.

Honigwabe aus dem Stock ziehen und abschlecken

Der Bürgermeister ist fasziniert davon, dass in einem Stock 60 000 bis 70 000 Individuen leben. Die Kommunikation der Bienen sei „gigantisch“. „Da könnten sich manche Menschen noch etwas abschauen“, ergänzt Kloo und lacht.

Ihm sei aber am wichtigsten, dass Kinder und Jugendliche einen Zugang zur Natur haben – besonders da sie ihre Freizeit oft in der virtuellen Welt verbringen. „Wir müssen sie wieder näher an die Natur bringen“, sagt Kloo. „Und sensibilisieren“, ergänzt Jürgen Halder. Deshalb bietet der Bienenzuchtverein auch ein Ferienprogramm für Kinder. Laut Heimbuchner ist es das Schönste für die Kinder, wenn sie eine Honigwabe aus dem Stock ziehen, mit dem Finger reinbohren und den Honig abschlecken.

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Bei solchen Aktionen erklärt der Experte den Kindern auch, dass Hauptflügler wie Wespen, Hornissen und Hummeln eine viel bessere Bestäubung als Bienen haben und deshalb ebenso wichtig seien. „Was für die Biene gut ist, ist auch für alle anderen Insekten gut.“ Früher hätten Heimbuchner Bäume und Blumen nicht interessiert. Jetzt will er nur pflanzen, was für die Insekten gut ist. Eine bienenfreundliche Staude oder Blume zu pflanzen koste schließlich nicht mehr. Das begrünte Rathausdach sei ein gutes Beispiel.

Solche Aushängeschilder hat Halder in der Bewerbung erwähnt. Er hat angegeben, dass die Stadt Kolbermoor einen Lehrbienenstand hat, einen aktiven Bienenzuchtverein und die Bienen AG der Pauline-Thoma-Schule. Auch die Flächen, die von den Bauhof-Mitarbeitern bienenfreundlich bepflanzt werden, hat er aufgeführt. „Sie wollten Bildmaterial von unseren Blumenwiesen“, sagt Halder.

„Es geht um Wertschätzung“

Dass die Stadt am Ende wirklich eine Urkunde bekommt, habe er nicht erwartet. Doch die ist den Dreien auch nicht das Wichtigste. „Bei einem solchen Wettbewerb geht es um Wertschätzung“, sagt Kloo. Auszeichnungen wie diese würden zeigen, wie wichtig das Thema ist und es in das Bewusstsein der Menschen rücken. „Das ist Klima- und Naturschutz.“

Mit der Auszeichnung ist das Engagement der Stadt nicht vorbei. Auch in Zukunft ist noch einiges geplant: Mehr Magerrasenfelder und Blühwiesen sollen angebaut werden, auch auf Verkehrsinseln. Zudem soll Kolbermoor einen Lehrbienenpfad bekommen – am Tonwerkgelände oder entlang der Mangfall. Wo die Schilder aufgestellt werden, stehe noch nicht endgültig fest. Eins ist aber sicher: Die Biene wird ihren Platz noch lange in Kolbermoor haben.

Tipps für einen bienenfreundlichen Garten

„Gänseblümchen stehen lassen und den Rasenroboter nicht den ganzen Tag laufen lassen“, empfiehlt Bürgermeister Peter Kloo. Allgemein sei es gut, nicht die ganze Wiese im Garten zu mähen. Im Baurechtauschuss werde mittlerweile sogar diskutiert, ob Steingärten verboten werden können. Denn dort wachse nicht viel oder gar nichts. Dabei könnten Bürger so viele Blumen oder Sträucher pflanzen, die gut für Insekten sind. „Wildkräuter, Obstbäume, alles was blüht ist gut“, sagt Jürgen Halder von der Stadt Kolbermoor.

Allerdings seien offene Blüten besser als geschlossene, denn die sind für die Bienen zugänglich. Auch Brennnessel und indisches Springkraut seien geeignet. Das seien die letzten Blüten im Jahr, die eine Biene anfliegt. Unter den Bäumen blühe eine Linde am längsten. „Autofahrer mögen die nicht besonders“, weiß Markus Heimbuchner, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins. Denn die verkleben ihre Fahrzeuge. Dennoch müsse ein Mittelweg gefunden werden, denn für die Bienen seien Linden optimal. Auch andere Insekten mögen sie.

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