Pauline-Thoma-Schule Kolbermoor: Ein neuer Lebensabschnitt wartet

Statt in einem prächtigen Saal wurde die Verabschiedung im Innenhof der Pauline-Thoma-Schule gefeiert. Schüler und Lehrer konnten dem kleinen Rahmen dennoch viel Positives abgewinnen.
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Statt in einem prächtigen Saal wurde die Verabschiedung im Innenhof der Pauline-Thoma-Schule gefeiert. Schüler und Lehrer konnten dem kleinen Rahmen dennoch viel Positives abgewinnen.

Abschlussfeier an der Pauline-Thoma-Schule – im vergangenen Jahr hieß das große Garderobe, viele Gäste, viel Musik, tolles Essen und als krönender Abschluss ein richtiger Ball. – und heuer?

Kolbermoor – In diesem Jahr war der Veranstaltungsort nicht der Mareissaal, sondern der Innenhof hinter der Eingangshalle, und statt der ganzen Schulfamilie durfte nur die eigene Klasse zugegen sein. Nach einer halben Stunde war die Feier dann schon wieder vorbei.

Emotionen treten zutage

Trotzdem war es keine nüchterne Verabschiedung, im Gegenteil. Man ertappte einige der jungen Leute sogar dabei, wie sie sich eine verstohlene Träne aus dem Auge wischten. Etwas, worüber auch Schulleiter Markus Rinner erstaunt war, weil das sonst eher selten der Fall ist. Offenbar war die Verabschiedung im kleinen vertrauten Kreis der Mitschüler ein Rahmen, in dem Emotionen leichter zutage treten konnten, als beim sonst üblichen großen Event. Und man darf wohl ungestraft behaupten, dass vor allem viele der jungen Männer aus den sechs Abschlussklassen sicher nicht böse über den kleinen Rahmen waren: Hatte man im vergangenen Jahr sehen können, dass sich viele in ihrer Haut beziehungsweise dem ungewohnten Anzug nicht hundertprozentig wohlgefühlt hatten, saßen sie ganz entspannt und unangestrengt vor ihrem Rektor und dem jeweiligen Klassenlehrer.

„Irgendwie intimer“

Und auch die Lehrer konnten der „kleinen“ Verabschiedung durchaus Positives abgewinnen. Es sei irgendwie intimer, so hieß es, und entspräche damit dem besonderen Verhältnis, das man während des Unterrichts der vergangenen Monate zueinander gewonnen habe. „Die Schüler sind untereinander und auch wir sind mit ihnen enger zusammengewachsen, als das normalerweise der Fall ist“, sagte Maximilian Hüttenhofer, der Klassenleiter der 9a. Die gemeinsame Aufgabe, unter diesen schwierigen Umständen einen vernünftigen Abschluss hinzubekommen, schweißte offenbar alle zusammen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Abschlussergebnisse sind, wie Rektor Rinner sagt, nicht schlechter als in den vergangenen Jahren – und das, obwohl die Prüfungen nicht, wie es anfangs diskutiert worden war, an die besondere Situation angepasst worden seien. „Die Aufgaben werden normalerweise im Februar erstellt, das war also noch vor Corona, und danach sind sie unserer Einschätzung nach nicht mehr geändert worden. Es war also definitiv kein ‚Corona-leicht-Abschluss‘, den die Schüler zu bewältigen haben“, sagte Rinner.

Froh ist der Schulleiter auch, dass sich die Krise offenbar nicht auf das ausgewirkt hat, was jetzt auf die meisten der 130 Abschlussschüler wartet: die Berufsausbildung. Wie in den vergangenen Jahren haben gut neunzig Prozent ihren sicheren Arbeitsplatz.

Keine Selbstverständlichkeit, denn vom Jobcenter, so Markus Rinner, habe man gehört, dass die dort gemeldeten Ausbildungsstellen um 40 Prozent eingebrochen seien. Bei den Schülern der Pauline-Thoma-Schule konnten die Betriebe aber ihre Ausbildungszusagen offenbar einhalten. Und sie haben, da sind sich Rektor wie Lehrer einig, mit ihren neuen Mitarbeitern einen guten Fang gemacht: Die Schüler hätten in der Krise ein Maß von Verantwortungsbewusstsein und gegenseitiger Rücksichtnahme gezeigt, über das man nur habe staunen können.

Schule als sozialer Lebensraum

So positiv das turbulente Schuljahr sich am Ende gefügt hat – Rektor wie Lehrer hoffen, dass das kommende Jahr mehr Normalität bringen wird. „Schule ist eben nicht nur ein Ort der Stoffvermittlung“, betont Markus Rinner, „es ist auch ein sozialer Lebensraum, ein Ort des Kontaktes und des Austausches. Das darf auf Dauer nicht fehlen.“

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