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„Ohne uns wären viele Arten längst ausgestorben“

Abenteuer mit Bildungsauftrag: Wie Andreas Paukert für Nachwuchs bei Fischern und Fischen sorgt

Bei der Bachabkehr an Mangfallkanal und Triftbach, die am Sonntag begann, retten die Jungfischer die kleinen Fische mit dem Kescher und setzen sie in andere Gewässer um (links). Rechts im Bild: Andreas und Michaela Paukert, die die Jugend für den Tier- und Gewässerschutz begeistern.
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Bei der Bachabkehr an Mangfallkanal und Triftbach, die am Sonntag begann, retten die Jungfischer die kleinen Fische mit dem Kescher und setzen sie in andere Gewässer um (links). Rechts im Bild: Andreas und Michaela Paukert, die die Jugend für den Tier- und Gewässerschutz begeistern.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Was wären die Seen und Flüsse wohl ohne die Fischer? „Ohne uns wären viele Arten längst ausgestorben. Wir sorgen für einen regionalen Besatz und erhalten so die Artenvielfalt“, erklärt Andreas Paukert. Als Jugendwart des Kreisfischereivereins Bad Aibling sorgt sich der Kolbermoorer nicht nur um den Nachwuchs in den Gewässern. Er widmet sich auch dem Nachwuchs des Vereins.

Kolbermoor – „Ohne uns Fischer läge vieles in und an unseren Gewässern im Argen“, macht Andreas Paukert klar. Und Kreisfischereivereinschef Helmut Maurer ergänzt: „Für einen Verein ist Jugendarbeit existenziell.“

Das Fischen, so erklärt Paukert, sei nur die Kür: „Die Pflichten eines Fischers sind weitaus vielfältiger.“ Am Sonntag beispielsweise startete die Bachabkehr an Mangfall-Kanal und altem Triftbach in Bruckmühl. „Damit die Kraftwerksbetreiber Instandhaltungsmaßnahmen durchführen können, wird der Wasserpegel über ein paar Tage auf eine geringe Restwassermenge gesenkt“, informiert der Vorsitzende des Fischereinvereins: „Wir fischen ab und setzen die Fische um.“

Fisch- und Gewässerkunde mit Heinz Schorer gehört genauso zum Ausbildungsprogramm der Jungfischer wie das Fischen.

Nachdem die kräftigen Männer beim Elektrofischen die großen Fische eingefangen haben, kommt Paukerts Truppe an die Reihe. „Die Jungfischer laufen in einer Kette mit dem Kescher hinterher und retten die kleinen Fische, die sonst bei dem niedrigen Wasserpegel verenden würden“, beschreibt Paukert die Aufgabe der etwa 20 Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren.

Wichtige Aufgabe im Naturschutz

Das sind nicht die einzigen Rettungsaktionen der Jugend. „Vor drei Jahren haben wir elf Tonnen Müll aus Höglinger Weiher, Mangfall und Mangfallkanal gezogen“, macht Paukert die Aufgaben im Umweltschutz klar. Und so possierlich ein Biber auch sein mag: Würden die Fischer nicht die Baumstämme am Ufer mit Drahtgeflechten schützen, wären viele schon „gefällt“ worden.

Elf Tonnen Müll bargen die Jugendlichen 2019 aus Höglinger Weiher, Mangfall und Mangfallkanal.

Doch wie gelingt es dem 71-jährigen Jugendwart, den Nachwuchs bei der Stange zu halten? „Er erklärt unheimlich viel, organisiert tolle Zeltlager, kümmert sich um die kulinarische Versorgung der Jugendlichen“, weiß Vereinsvorsitzender Maurer.

In seiner Familie hat Paukert die Begeisterung für das Fischen längst vererbt. Tochter Michaela ist zweite Jugendwartin des Kreisfischereivereins und vor allem im Fliegenbinden sehr versiert. Und auch Schwiegersohn Peter, Sohn Andreas sowie die Enkel Simon und Fabian sind immer mit von der Partie.

Ab dem zehnten Lebensjahr dürfen Kinder im Fischereiverein mitmachen. „Sie müssen bei der Gemeinde einen Jugendfischereischein beantragen, sich bei einem Verein anmelden, erhalten eine Fischerkarte und einen Fischereierlaubnisschein, in dem jeder Fang genau dokumentiert wird“, erklärt Paukert. Fischen dürfen sie nur in Begleitung Erwachsener. Deshalb organisiert der Verein regelmäßige Zeltlager. Erst kürzlich trafen sich die Jugendlichen an einem Weiher, in den der Verein regelmäßig Karpfen, Stöhre, Zander und Weißfische setzt. „Da haben die Augen der Kinder richtig geleuchtet“, beschreibt Paukert, denn die Jungfischer zogen prächtige Karpfen und Stöhre an Land.

Über einen stattlichen Schuppenkarpfen mit einem Gewicht von 7,5 Kilogramm freut sich Florian Berger.

Dabei wissen auch die Kinder schon genau, welcher Fang erlaubt ist, denn sie beschäftigen sich auch mit den Gesetzen: „Nach dem Bayerischen Fischereigesetz dürfen nur Fische dem Gewässer entnommen werden, wenn sie die festgesetzten Schonmaße erreicht haben“, erklärt Paukert. Dazu werden sie mit nassen Händen vorsichtig vom Haken genommen und von der Kopfspitze bis zum Körperende an der Schwanzflosse oder des Schwanzfächers gemessen.

Diesen Spiegelkarpfen angelte Noah Ettrich mit viel Geschick.

„Catch and Release“ ist in Bayern streng verboten. „Das heißt, dass beim Fischen kein Fisch vorsätzlich entnommen und einfach so zurückgesetzt werden darf, weil man damit den Tieren nur für das Erlebnis eines aufregenden Fangs Leid zuzufügen würde“, erklärt Paukert, der die Gewässer auch als Fischereiaufseher im Blick hat. Er ergänzt: „Dagegen müssen Fische, die für Hegezwecke von Bedeutung sind, zurückgesetzt werden.

Der 71-Jährige ärgert sich über Anfeindungen von Tierschutzorganisationen, die Fischereivereine nur auf das Töten reduzieren und deren Jugendarbeit verteufeln. „Bei uns lernen die Kinder Fisch-, Pflanzen-, Gewässer-, Geräte- und Gesetzeskunde – am Anfang spielerisch, später dann intensiv für die Fischerprüfung. Wir betreiben echten Naturschutz, und wir sichern die Artenvielfalt.“

Einen Stöhr hat Jungfischer Michael Neureuther an Land gezogen.

Doch wie kann man Kinder vom Smartphone weglocken und für das Fischen begeistern? „Mit dem Abenteuer, das es ist“, weiß er und beschreibt die Spannung beim Fischen, wenn die Angelroute zuckt und der Fang behutsam an Land gezogen werden muss, wenn die Fische fotografiert und gewogen werden.

Wieder Zeltlager am Chiemsee

Oder die Aufregung beim Nachtangeln, wenn der erste Piepser einen Biss meldet und alle in Windeseile aus ihren Schlafsäcken springen. Aber auch die Abende am Lagerfeuer, das Übernachten im Zelt oder Unterstand sowie interessante Kurse am Räucherofen oder bei der Zubereitung vielfältiger Fischgerichte begeistern den Nachwuchs.

Andreas und Michaela Paukert begeistern die Jugend für den Tier- und Gewässerschutz.

„All das ist nur möglich, weil wir bei unserer Nachwuchsarbeit auf die Unterstützung vieler Menschen bauen können“, ist Paukert dankbar. Nach reduzierten Angeboten während der Corona-Pandemie können die Aktivitäten der Jugendgruppe nun wieder richtig durchstarten. Und nicht nur Jugendwart Paukert freut sich auf die Zeltlager am Chiemsee oder Starnberger See mit seinen 20 Jungfischern.

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