"Milieubedingte Störungen"

Auch Pastor Tony Kerkel wehrt sich gegen das geplante Bordell. Foto Schlecker
+
Auch Pastor Tony Kerkel wehrt sich gegen das geplante Bordell. Foto Schlecker

Rosenheim - Bordell und Kirche Tür an Tür: Diese Situation droht, wie berichtet, der evangelischen Freikirche "Brothaus". Über ihren Räumlichkeiten im Aicherpark dürfen nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtes München Prostituierte ihre Dienste anbieten.

Die Stadt will die Entscheidung nicht hinnehmen und hat die Zulassung einer Berufungsverhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof beantragt.

Dass ein Bordell grundsätzlich in einem Gewerbe- oder Industriegebiet zulässig ist, erkennt auch die Stadt Rosenheim an. Das Gebäude im Aicherpark stellt jedoch nach ihrer Meinung einen Einzel- und Ausnahmefall dar. Eine Bordellverwendung komme einer Rücksichtslosigkeit gegenüber zwei kirchlichen Nutzungen in der Umgebung gleich: gegenüber dem "Brothaus" und einer in Sichtweite liegenden Moschee.

Die Freie Christengemeinde und das beantragte Bordell würden neben dem Treppenhaus und dem Eingangsbereich des Gebäudes auch den privaten Stellplatz gemeinsam nutzen. "Bei den hier zu erwartenden milieubedingten Störungen" sei aufgrund der unmittelbaren Nähe mit einer "das Normalmaß übersteigenden", nicht hinzunehmenden Intensität an Belästigung und Störungen zu rechnen, befürchtet die Stadt in ihrem Antrag. Deshalb hält sie das Vorhaben für bauplanungsrechtlich unzulässig.

Das Verwaltungsgericht München sei außerdem davon ausgegangen, dass aufgrund der Betriebszeiten des beantragten Bordells und der Gottesdienstzeiten der Freien Christengemeinde "Brothaus" keine Kollisionen zwischen kirchlichen Veranstaltungen und dem Betrieb zu erwarten seien. Dies ist aus Sicht der Stadt Rosenheim unzutreffend. Es komme sehr wohl zu Nutzungsüberschneidungen.

Anders als vom Verwaltungsgericht München angenommen, handelt es sich aus Sicht der Stadt auch bei nicht als Gottesdienst gekennzeichneten Angeboten des "Brothauses" wie dem "Israelgebet" oder den "Abendbibelstunden" um Veranstaltungen, die einen kirchlichen und nicht nur einen sozialen Charakter haben würden. Die Rechtsabteilung der Kommune verweist auch auf die Tatsache, dass die Freikirche viele Angebote unterbreitet, die speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet sind und die ebenfalls mit den Öffnungszeiten des Bordells kollidieren würden. Die Stadt befürchtet außerdem, dass es ihr aufgrund eines vom Verwaltungsgericht für rechtmäßig erklärten Vorbescheids verwehrt wird, in einem späteren Baugenehmigungsverfahren - gestützt auf das Gebot der Rücksichtnahme - weitere Auflagen zu machen.

Kommentare