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Hoagascht am 4. Juni

D’Mangfalltaler leben wieder auf: Kolbermoorer Trachtenverein feiert 110-jähriges Bestehen

Dieses Vereinsbild der „Mangfalltaler“ entstand vor mehr als 100 Jahren im Jahr 1920.
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Dieses Vereinsbild der „Mangfalltaler“ entstand vor mehr als 100 Jahren im Jahr 1920.

Der Trachtenverein „D‘Mangfalltalter“ Kolbermoor feiert sein 110-jähriges Bestehen. Damit verbindet sich auch die Hoffnung von 250 Mitgliedern, dass der Verein nach der pandemiebedingten Krise wieder zu alter Stärke zurückfindet.

Kolbermoor – Ihr Jubiläum wollen die Trachtler am Pfingstsamstag, 4. Juni, in kleinem Rahmen feiern. Nach dem Totengedenken am Kriegerdenkmal und einer Heiligen Messe in der Dreifaltigkeitskirche treffen sich der Festverein mit seinen Paten- und Brudervereinen im Mareissaal zu einem Hoagascht.

Da hier das Platzangebot begrenzt ist, kann leider keine öffentliche Einladung erfolgen. Dafür gibt es an dieser Stelle einen Blick in die 110-jährige Geschichte des Vereins.

Gegründet im Gasthaus Wendelstein

Die Geburtsstunde des Gebirgstrachtenerhaltungsverein „d’Mangfalltaler“ Kolbermoor war am 31. August 1912 im Gasthaus „Wendelstein“, der heutigen Sparkasse an der Bahnhofstraße. Gründungsmitglieder waren Georg Wörndl, seine Frau und weitere 13 begeisterte Männer und Frauen. Nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges musste der Verein im Jahr 1918 von vorn anfangen. Doch schon vier Jahre später weihten die Kolbermoorer im Rahmen des Inngautrachtenfestes 1922 ihre erste Fahne, die damals 13 500 Mark kostete. Als Pate stand der Verein „D‘lustinga Isartaler“ München zur Seite. Weitere Jubiläumsfeste folgten, bis 1938 unter dem Druck der NS-Herrschaft die beiden Vereine „Immergrün“ und „d’Mangfalltaler“ zur „Trachtengemeinschaft Kolbermoor“ zusammengeschlossen wurden.

30 Jahre lang Theater gespielt

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges fanden die Trachtler zu ihrer Tradition zurück. Im Juni 1946 trennten sich die zwangsverheirateten Vereine in guter Kameradschaft und führten ihre alten Namen weiter. Beide Weltkriege forderten zahlreiche Opfer, auch von den Trachtlern kamen viele nicht mehr nach Hause.

Das 50-jährige Bestehen wurde im Jahr 1962 mit der Weihe einer neuen Fahne festlich begangen. Wieder standen die „lustinga“ Isartaler Pate. Fahnenmutter Klara Andrä und Fahnenbraut Anni Ollinger (verheiratete Kalhammer) hefteten ihre Bänder an das prächtig gestickte Vereinssymbol. 1960 machten die „Mangfalltaler“ den „Berglerbuam“ Nicklheim bei deren Fahnenweihe den Göd.

Theater gehörte von 1977 an fast 30 Jahre lang zum Trachtenverein. Die Laienspielgruppe brachte abendfüllende Stücke auf die Bühne, wobei sich die Spieler auch an ernste Stücke mit großem Erfolg heranwagten. Zunächst traten sie in der Turnhalle an der Flurstraße auf und ab 1990 im Mareissaal.

Da ihre bisherigen Fahnen ausgedient hatten, weihten die „Mangfalltaler“ 1987 im Rahmen des Inngaufestes ihre dritte Fahne. Fahnenmutter Annelies Weinzierl und Fahnenbraut Monika Drexler (verheiratete Singhammer) freuten sich mit dem Verein, dass diesmal die „Innviertler“ Rosenheim die Patenschaft übernommen hatten.

Die erste Jugendgruppe im Jahr 1947.

Das Inventar des Vereins wuchs an, deshalb stellte die Familie des Theaterspielers Alfred Schlarb ein Grundstück für den Bau eines Lagerhauses zur Verfügung. 1990 konnte dies eingeweiht werden.

Mehrere Jubiläen wurden in kleinem Rahmen begangen, bei denen immer Brauchtum, Tracht und Sitte im Mittelpunkt standen.

In Ermangelung eines Bewerbers für das Inngaufest 2006 (wie auch 1987) übernahmen die Kolbermoorer „Mangfalltaler“ wieder diese großartige Veranstaltung. Eine Festwoche mit vielen hervorragenden Programmpunkten zeigte aber auf, dass in der Stadt ein anderes „Ausgehverhalten“ wie im ländlichen Bereich vorherrscht. Den treuen Besuchern hat’s trotzdem gefallen.

Zum 100-jährigen Bestehen des Vereins (mit großem Trachtenfest) kam sogar die befreundete „Tworkauer Eiche“, eine Jugendgruppe aus Tworkow bei Ratibor in Oberschlesien/Polen. Diese Verbindung geht zurück auf das 50. Jubiläum der Ortsgruppe der „Schlesier“ in Kolbermoor im Jahre 2002, bei dem die Freundschaft entstand. Seitdem treffen sich die Vereine unregelmäßig, mal in Schlesien, mal in Bayern.

Auch nach Kalambaka in die Hochebene Thessaliens in Griechenland führte im Jahr 2004 eine kulturelle Verbindung. Zuvor war die Gruppe „Leventia“, die traditionelle griechische Tänze pflegt, zu Gast in Kolbermoor. Der Gegenbesuch ließ nicht lange auf sich warten und war ein großartiges Erlebnis für die Jungtrachtler.

Nach langen Jahren der Herbergssuche ging am Pfingstsonntag 2005 ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: Das gemeinsam mit dem Bruderverein „Immergrün“ errichtete Trachtenheim an der Angerbauerstraße konnte dank der Unterstützung der Stadt Kolbermoor bezogen werden. Seitdem proben die Plattler und Dirndl beider Vereine in den ehemaligen Ersatzschulzimmern der Grundschule an der Flurstraße, welche auch zu anderen trachtlerischen Jugendveranstaltungen genutzt werden können.

Das Maibaumfest im Jahr 2017.

Seit 2010 kommen alle zwei Jahre viele Hersteller und Händler von Trachten und Zubehör sowie Handwerker in die Pauline-Thoma-Schule, um bei der Messe „Brauchtum-Handwerk-Tracht“ ihre Erzeugnisse anzubieten und ihr handwerkliches Können zu zeigen. Dieser Markt, welcher vorher von 2002 bis 2008 im Rosenheimer Lokschuppen stattfand, bringt jeweils an Kirchweih viele Besucher nach Kolbermoor.

Auf Bitten des Kreisjugendringes und der Arbeiterwohlfahrt, Nachmittagsklassen zu betreuen, bietet der Verein seit 2015 in der Adolf-Rasp-Schule und in der Mangfallschule den Kindern Brauchtumsarbeit an. Bis zu sechs Ehrenamtliche basteln, tanzen und pflegen jahreszeitliche Gebräuche mit den Kindern.

Verein hat heute 250 Mitglieder

Der Jahresablauf der „Mangfalltaler“ Trachtler ist reichhaltig. Örtliche Festtage wie Fronleichnam oder Volkstrauertag, Besuch der Gau- und Jubiläumsfeste im Inngau und der 18er-Vereinigung des Altlandkreises Bad Aibling, Gauwallfahrt und Bittgänge, die mehrmalige Beteiligung am Oktoberfestzug in München, Parkfeste vor dem Trachtenheim, Beteiligung am Ferienprogramm, Zweithand-Trachten- und Dirndlmarkt, Maibaumaufstellen, Grillfeste auf dem „Beutlgrund“ sind nur ein Ausschnitt.

Etwa 230 Erwachsene sowie 20 Kinder und Jugendliche beleben den Verein, der nach der pandemiebedingten Krise hoffentlich bald wieder zu seiner alten Stärke zurückfindet. Zu noch lebenden Ehrenmitgliedern der „Mangfalltaler“ gehören Klara Andrä, Annelies Weinzierl, Josef Sedlbauer und Ehrenvorstand Walter Weinzierl.

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