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Regeln gelten seit 1. Januar 2023

Neue Vorgaben für To-go-Verpackungen: So kommt die Gastronomie im Mangfalltal damit zurecht

McDonalds-Mitarbeiterin Elizabeth Negash präsentiert in der Kolbermoorer Filiale die neuen Mehrwegverpackungen für Softdrinks, Eis und Kaffee und Tee. Diese sind gegen eine Pfandzahlung erhältlich und können in allen Filialen in ganz Deutschland wieder abgegeben werden.
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McDonalds-Mitarbeiterin Elizabeth Negash präsentiert in der Kolbermoorer Filiale die neuen Mehrwegverpackungen für Softdrinks, Eis sowie Kaffee und Tee. Diese sind gegen eine Pfandzahlung erhältlich und können in allen Filialen in ganz Deutschland wieder eingetauscht werden.
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
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Seit 1. Januar müssen Gastronomiebetriebe, so lange sie bislang auf Plastikbehälter für To-go-Gerichte gesetzt haben, ihren Kunden eine Mehrweg-Alternative anbieten. So hat sich die Gastronomie im Mangfalltal darauf eingestellt – und so groß ist die Nachfrage.

Mangfalltal – Pizzakartons, die die Öffnung des Mülleimers versperren, unzählige To-go-Becher, die der Wind in den Straßengraben geweht hat oder Plastikverpackungen für Takeaway-Gerichte, die jetzt ihr Dasein auf einer Bank an der nächsten Bushaltestelle fristen: Verpackungsmüll aus der Gastronomie sorgt nicht erst seit der Corona-Pandemie, in der Gerichte zum Mitnehmen reißenden Absatz gefunden hatten, für Unmut in weiten Teilen der Bevölkerung.

Der Staat versucht der Müllflut gegenzusteuern und hatte daher im Mai 2021 mit Beschluss des Bundestages die Novelle des Verpackungsgesetzes – kurz VerpackG – auf den Weg gebracht. Erster Schritt: Seit Anfang 2022 sind alle Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff und alle Getränkedosen pfandpflichtig. Eine Übergangspflicht bis 2024 gilt nur für Plastikflaschen mit Milchgetränken.

Kleinere Unternehmen sind von der Verordnung ausgenommen

In einem weiteren Schritt haben sich nun Gastronomiebetriebe in der Bundesrepublik zum 1. Januar 2023 auf Änderungen einstellen müssen. So müssen sie ab sofort – ausgenommen sind kleinere Unternehmen, die maximal fünf Angestellte haben und deren Ladenfläche kleiner als 80 Quadratmeter ist – für To-go-Waren alternative Mehrwegverpackungen anbieten, sollten die Produkte bislang in Einwegplastikverpackungen verpackt gewesen sein.

Der Burger im Pappkarton, die Pommes in der Pappschachtel oder das Getränk im Pappbecher – bei den großen Fast-Food-Riesen in Deutschland gehören Einwegverpackungen zum Geschäftsmodell. Wie beispielsweise bei der McDonald‘s-Filiale an der Carl-Jordan-Straße in Kolbermoor. „Unsere Papierboxen für Burger in Deutschland haben keine Kunststoffbeschichtung und fallen daher nicht unter die Mehrwegangebotspflicht“, teilte eine Sprecherin des Unternehmens McDonald‘s auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit.

Doch bei Getränkebestellungen sowie den Eisprodukten wartet der Konzern seit Ende Dezember 2022 mit Neuerungen auf. „Unsere Gäste haben nun in allen deutschen McDonald‘s-Restaurants die Möglichkeit, alle unsere Kalt- und Heißgetränke sowie Eissorten beim In-Haus- oder Außer-Haus-Verkauf auch in einer Mehrwegverpackung zu bestellen“, teilte die Sprecherin mit. Das gelte auch für das Angebot am McDrive-Schalter oder beim Lieferservice McDelivery.

Und so funktioniert‘s: Der Gast bezahle pro Mehrwegverpackung zwei Euro Pfand, das bei der Rückgabe – egal in welcher Filiale – erstattet werde.  „Die Mehrwegverpackungen für unsere Heiß- und Kaltgetränke bestehen aus dem Kunststoff Polypropylen PP, unsere Mehrwegbecher für McFlurry und McSundae sind aus Tritan hergestellt“, so die Sprecherin weiter. Der Schritt gehöre zu einem 2019 entwickelten „Fahrplan, um nach und nach Plastik- und Verpackungsmüll zu verringern“.

Auf der Suche nach der passenden, umweltfreundlicheren Lösungen für den Take-away-Bereich befinden sich aktuell noch die Inhaber des Restaurants Milano am Kolbermoorer Rathausplatz. Rechtlich gesehen gäbe es für das italienische Restaurant zwar keine Probleme, da die üblichen Pizzakartons sowie Aluschalen, beispielsweise für Nudelgerichte, von den neuen Vorgaben nicht betroffen seien, wie Giuseppe Coglitore verrät.

Aber: „Wir wollen unseren Kunden bis spätestens Ende des Monats eine nachhaltigere Alternative bieten“, sagt der Seniorchef gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. Der richtige Anbieter sei aber noch nicht gefunden. „Wir haben ein Konzept im Auge, bei dem wir die Behältnisse dann gegen eine Kaution herausgeben“, gibt Coglitore Einblick in die Überlegungen. Auch wenn der Seniorchef nicht glaubt, dass diese Behälter dann reißenden Absatz finden werden. Coglitore: „Bislang ist das für unsere Kunden überhaupt kein Thema.“

Ganz anders sieht es da beim Café Lotte in der Bad Aiblinger Kirchzeile aus. Schon seit Jahren setzt der Gastronomiebetrieb auf das Mehrwegsystem des Münchner Unternehmens Recup GmbH, das nicht nur Mehrweg-Getränkebecher, sondern auch Schalen für Gerichte, die sogenannten Rebowls, im Sortiment hat. Diese Behälter, die auf einem Pfandsystem basieren, können dann nicht nur im Café Lotte, sondern bei allen Recup-Partner, die unter www.recup.de abrufbar sind, zurückgegeben werden. Zudem brächten nach Angaben von Mit-Chefin Janina Tomschiczek immer wieder Kunden auch das eigene Geschirr für To-go-Gerichte ins Café Lotte mit.

Dass sich die Nachfrage nach Mehrwegverpackungen durch die seit 1. Januar geltenden Vorgaben erhöht hätte, kann Tomschiczek allerdings nicht bestätigen. Dennoch hält sie die neuen Vorgaben für absolut sinnvoll. „Alleine, dass die Kunden nun die Möglichkeiten haben, auch Mehrwegverpackungen zu nehmen, wird die Nachfrage mit der Zeit Stück für Stück erhöhen“, ist sie überzeugt.

Wie es beispielsweise Hermine Obermeyer in ihrer Marktküche in Bruckmühl derzeit erlebt. Die Gastronomin hatte sich bereits vor Monaten mit den neuen Vorgaben auseinandergesetzt – und sich letztlich ebenfalls dazu entschieden, ihren Kunden als Alternative zur Einwegverpackung Becher und Schalen des Recup-Pfandsystems anzubieten.

Bruckmühler Marktküche-Chefin bereut die Entscheidung nicht

Eine Entscheidung, die Obermeyer bislang keineswegs bereut. „Die Nachfrage ist sehr gut“, sagt die Marktküche-Chefin, die die Mehrwegalternativen bereits seit rund drei Monaten im Angebot hat. Kostenmäßig käme sie die Teilnahme am Pfandsystem unter dem Strich auch nicht teurer, als wenn sie nur Einwegverpackungen für ihre Speisen benutze. Zudem biete sie ihren Kunden an, eigene Behälter mitzubringen. Obermeyers Fazit: „Für die Umwelt ist diese neue Vorgabe auf jeden Fall ein Gewinn und wirklich sinnvoll.“

Rainer Lechner, Geschäftsführer des Aschbacher Hofs in Feldkirchen-Westerham, sieht die neue Regelung hingegen eher kritisch – auch wenn er sich nach eigenen Angaben damit gar nicht auseinandersetzen muss. „Uns betrifft das nicht, weil wir unsere Gerichte im Endeffekt nicht zum Mitnehmen anbieten“, sagt der Gastronom. Während der Corona-Pandemie habe seine aufgrund des Lockdowns geschlossene Gaststätte zwar Gerichte zur Abholung angeboten, so Lechner, aber selbst da wäre das Angebot nicht unter die neuen Regelungen gefallen. Lechner: „Die Gerichte mussten da ja noch daheim zubereitet beziehungsweise aufgewärmt werden“, erklärt der Gaststätten-Inhaber. „Das ist vergleichbar, wie wenn ich im Supermarkt ein Fertiggericht kaufe.“

Gastronom stört sich an den vielen Ausnahmen

Auch wenn es ihn und seinen Betrieb selbst nicht betrifft – eine klare Meinung hat er zu den neuen Vorgaben dennoch. „Das ist wieder nichts Halbes und nichts Ganzes“, sagt Lechner und verweist auf die zahlreichen Ausnahmen. So gelte die Vorgabe, dass Betriebe Mehrweg-Verpackungen anbieten müssten, beispielsweise nur für Unternehmen, die die Speisen bislang in Plastikverpackungen angeboten hatten. „Viele setzen auf Verpackungen aus Aluminium, die gar nicht unter die neue Regelung fallen.“ Sein Wunsch: „Ich würde das den Markt einfach selbst regeln lassen. Denn wenn wirklich eine gute Idee in puncto nachhaltiger Verpackungen kommt, die von den Kunden angenommen wird, dann spricht sich das schnell rum und die anderen springen auf diesen Zug auf.“

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