„Es fehlt immer mehr das Verständnis“

Kolbermoorer Gewerbeverband unzufrieden mit Lockdown-Maßnahmen der Regierung

Die Rosenheimer Straße in Kolbermoor ist menschenleer an einem Nachmittag mitten in der Woche.
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Die Rosenheimer Straße in Kolbermoor ist menschenleer an einem Nachmittag mitten in der Woche.

Giacomo Anzenberger, Vorsitzender des Kolbermoorer Gewerbeverbandes, erklärt im Interview, wie es den Unternehmern geht, was sie am meisten ärgert und welcher Branche es am schlechtesten geht.

Kolbermoor – Wäre es wie immer, hätte man schon jetzt mal im Biergarten Platz gesessen, die ersten Sandalen im Laden anprobiert und einen Wintermantel im Schlussverkauf gekauft. Im Laden, nicht online. Alles nicht möglich – der zweite Lockdown hat alles fest im Griff. Wie es den Kolbermoorer Unternehmen geht, erzählt Giacomo Anzenberger (38), Vorsitzender des Kolbermoorer Gewerbeverbandes, der um die 100 Mitglieder hat.

Herr Anzenberger, wie geht es den Kolbermoorer Betrieben?

Giacomo Anzenberger: Es ist durchwachsen. Die Kolbermoorer Händler haben mir auch erzählt, dass es im ersten Lockdown teilweise besser ging, mit Essen to go zum Beispiel. Vielleicht liegt es daran, dass sich die Bürger Sorgen um die Gastronomie-Betriebe gemacht haben, weil es damals noch keine staatlichen Hilfen für alle gab. Die gibt es ja im zweiten Lockdown.

Fließen denn die Gelder?

Anzenberger: Ich weiß von einem, der bereits die November- und Dezember-Hilfe bekommen hat. Viele haben bisher erst Abschlagszahlungen bekommen, wie ich auch.

Keine Schließungen bekannt

Mussten Geschäfte bereits schließen?

Anzenberger: Mir ist keines bewusst. Und im Moment schaut es ja auch ganz gut aus. Es gibt Gespräche, dass die Kosmetiker ab 7. März öffnen dürfen, dann kann es mit dem Einzelhandel auch nicht mehr so lange dauern.

Giacomo Anzenberger Vorsitzender des Gewerbeverbandes

Wie läuft es denn mit click & collect?

Anzenberger: Ich weiß von den Händlern, dass es angenommen wird. Das klappt ganz gut, aber es kann nicht das auffangen, was normalerweise verkauft würde.

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Was raten Sie?

Anzenberger: Nicht bei großen Online-Händlern zu bestellen, dass macht es dem regionalen Einzelhandel extrem schwierig. Ich mache das auch, bestelle in der Region.

Mit welchen Problemen wenden Sie die Selbstständigen an Sie?

Anzenberger: Oft wird gefragt, ob ich wisse, wer schon die Hilfen bekommen hat. Ich nenne dann keine Namen, informiere aber darüber, dass der oder die die Hilfen schon bekommen haben. Beim ersten Lockdown habe ich vielen geholfen, die Hilfen zu beantragen. Mittlerweile müssen das ja Experten machen.

Das ärgert die Unternehmer

Worüber ärgern sie sich Unternehmer?

Anzenberger: Viele verstehen nicht, warum Friseure öffnen dürfen und die Kosmetikstudios nicht. Vor allem auch, weil die Kosmetiker bereits vor Corona hohe Hygienestandards hatten. Oder auch Einzelhändler, die nicht öffnen dürfen, auch wenn sie nur eine begrenzte Anzahl an Kunden in den Laden lassen. Aber gleichzeitig große Supermärkte geöffnet haben dürfen – für das alles fehlt immer mehr das Verständnis bei den Unternehmern. Und mit diesem Anliegen kommen die Betriebe auch zu mir.

Was ist Ihre Erfahrung, welcher Branche geht es am schlechtesten?

Anzenberger: Der Gastronomie. Auch wenn die Betreiber Essen togo anbieten und das auch angenommen wird. Das kann nicht alles kompensieren.

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Welche Tipps geben Sie den Geschäftsleuten an die Hand?

Anzenberger: Man muss das Internet für sich nutzen – ganz dringend. Man muss in den Köpfen der Kunden bleiben. Das ist ganz wichtig.

Was kann jetzt jeder Kolbermoorer tun, um die regionalen Händler, egal ob Gastro, Handwerk, Einzelhandel oder Geschäftsleute, zu unterstützen?

Anzenberger: So wenig wie möglich bei großen Online-Häusern bestellen. Die Bürger können das Online-Angebot der Händler vor Ort nutzen mit click & collect ist das ja möglich. Um die Handwerker braucht man sich nicht sorgen, sie haben viel zu tun. Und bei der Gastro vor Ort einfach Essen togo bestellen.

Unterstützung bei der eigenen Online-Seite

Wer Hilfe bei der Erstellung eines Online-Auftritts benötigt, kann sich gerne an Giacomo Anzenberger wenden. „Ich habe ja auch im Moment Zeit“, sagt er. Einfach eine E-Mail schicken an giacomo.anzenberger@t-online.de.

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