24-Jähriger war im Suff immer aggressiv - Therapie auf Bauernhof

Letzte Bewährungschance

Wahrlich nicht zum ersten Mal hatte der 24-jährige angeklagte Rosenheimer betrunken Streit gesucht und sich im weiteren Verlauf mit Polizeibeamten Auseinandersetzungen geliefert. Vor dem Amstgericht stand er nun, weil er im Februar dieses Jahres - "ich war stark betrunken" - in einem Einkaufsmarkt in Kolbermoor zunächst mit der Kassiererin in Streit geraten war.

Kolbermoor/Rosenheim - Der Mann hatte sich in seinem Rausch eingebildet, die Kassiererin habe ihm zu wenig Wechselgeld herausgegeben. Wegen seines rüden Verhaltens verständigte diese die Polizei.

Eine Streife kam an und versuchte, den gelernten Handwerker zu beruhigen. Einer der Beamten sagte bei der Vernehmung als Zeuge: "Wir hatten schon häufig mit dem Angeklagten zu tun und wissen in etwa, wie wir ihn beruhigen können." Aber an diesem Tag sei es "besonders krass" gewesen. Man habe ihm Hausverbot erteilt und einen Platzverweis ausgesprochen. Zunächst habe der Mann das auch befolgt, sei dann aber zurückgekommen. "Er beleidigte uns und bedrohte mich gar mit ,Umbringen'", so der Polizist. Der Angeklagte versuchte, sich bei dem Beamten zu entschuldigen, was dieser aber nicht annahm: "Ich bin von ihm einfach schon zu oft beleidigt worden!"

Generell war der Rosenheimer geständig, wusste aber wegen seiner damaligen Alkoholisierung die Details des Geschehens nicht mehr. Dasselbe galt für den zweiten angeklagten Vorfall. Zwei Wochen später war er im Rosenheimer Bahnhof mit einem anderen in Streit geraten und hatte auf diesen eingeschlagen.

Zwei Bundespolizeibeamte wurden darauf aufmerksam und bemühten sich, die Schlägerei zu unterbinden. Dabei setzte sich der Angeklagte gegen die Beamten zur Wehr, weil er sich zu Unrecht behandelt fühlte. Auch vor Gericht erklärte er, dass der Kontrahent, der beim Eingreifen der Beamten entwischen konnte, der eigentliche Aggressor gewesen sei. Er gestand aber ein, dass er sich wohl den Beamten gegenüber widersetzt hatte.

Acht Eintragungen in seinem Vorstrafenregister zeigten, dass er seit seinem 15. Lebensjahr immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Dazu befindet er sich in zweifach offener Bewährung wegen eines Verfahrens aus dem Jahr 2014. Seine Verteidigerin, Rechtsanwältin Susanne Schomandl, zeigte nun jedoch einen neuen, veränderten Weg des Angeklagten auf. Seit Ende März befindet sich ihr Mandant in einer selbst gewählten Therapie - nicht in einer der üblichen Anstalten, sondern er lebt und arbeitet seither auf einem Bauernhof wie ein Familienmitglied, regelmäßig besucht und betreut von einem Therapeuten.

Der Betreuer berichtete vor Gericht, dass sein Klient voll in die Familie dieses Betriebes integriert sei und es dort zu keinerlei Auffälligkeiten gekommen sei. Er sei ohne Zwang abstinent, und seine Gastgeber seien voller Lob und bestätigten dies auch schriftlich. Das Schreiben legte die Verteidigerin dem Gericht vor.

Die Staatsanwaltschaft beklagte, dass der Angeklagte unter zweifach offener Bewährung nicht imstande gewesen sei, seinen Alkoholkonsum und damit seine Aggressionen unter Kontrolle zu halten. Sie hielt eine Haft von acht Monaten für tat- und schuldangemessen. Jedoch wolle sie nicht der sich abzeichnenden Kehrtwende im Leben des Angeklagten entgegenstellen. Deshalb würde sie ein letztes Mal einer Bewährungsstrafe zustimmen.

Die Verteidigerin hielt sieben Monate für ausreichend, unterstützte aber ansonsten den Antrag der Staatsanwaltschaft.

Richter Christian Merkel erklärte dem Angeklagten, dass er ohne diese offenkundig erfolgreiche Therapie fraglos ins Gefängnis gehen müsse. So aber setzte er die siebenmonatige Gefängnisstrafe letztmalig zur Bewährung aus.

Fünf Jahre dauert nun diese Bewährungszeit. "Eine weitere Chance bekommen sie nicht", so der Richter abschließend zu dem 24-Jährigen. au

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