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Badende verschärfen Situation

„Die Lage ist dramatisch“: In der Mangfall hat der Todeskampf der Fische begonnen

Ein erfrischendes Bad in der Mangfall ist verlockend. Bei Niedrigwasser sollte man darauf verzichten, um den Fischen die Gumpen als letzten Zufluchtsort zu lassen.
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Ein erfrischendes Bad in der Mangfall ist verlockend. Bei Niedrigwasser sollte man darauf verzichten, um den Fischen die Gumpen als letzten Zufluchtsort zu lassen.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Die Niederwassersituation an den Fließgewässern spitzt sich zu. Ergiebige Niederschläge bleiben aus. Die Hitze hält an. Die Wasserpegel sinken. „Die Lage ist dramatisch“, beschreibt Jürgen Halder die Situation an Mangfall und Werkskanal in Kolbermoor. Das Fischsterben hat begonnen.

Kolbermoor – Als Fischereiaufseher des Anglerbundes Rosenheim ist Jürgen Halder täglich am Fluss. Auch hier hat das Fischsterben eingesetzt, treiben tote Fische an der Oberfläche. „Ganz besonders die Fischarten, die auf kühles, sauerstoffreiches Wasser angewiesen sind, wie Bachforellen, Äschen oder Huchen – die Salmoniden – leiden extrem unter der Situation“, beschreibt er.

Tiefwasserzonen sind überlebenswichtig

Sie überleben die Folgen von niedrigem Wasserstand, geringer Fließgeschwindigkeit und Hitze nicht: Sauerstoffmangel und Wassertemperaturen von teilweise mehr als 20 Grad. Mit der Renaturierung der Mangfall hat das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim die ökologische Situation des Flusses verbessert. Neben Fischtreppen und Querriegeln aus Wasserbausteinen sind auch Tiefwasserzonen – sogenannte Gumpen – entstanden. „Das sind lebensrettende Becken, die den Fischen auch bei Niedrigwasser das Überleben sichern sollen“, erklärt Halder.

Das Problem: Nicht nur die Fische flüchten sich bei Hitze in diese Becken, sondern auch die Menschen. Ein weiterer Stressfaktor für die Tiere. Die Folge des „Freizeitdrucks“: Die Fische flüchten in die viel größere Gefahr – die Bereiche mit Niedrigwasser – und verenden. „Deshalb ist es zum Schutz der Fischbestände wichtig, bei extremen Niedrigwasserständen und hohen Wassertemperaturen die betroffenen Flussgebiete von Freizeitbetrieb zu verschonen“, weiß der Fischereiaufseher. Doch Verbote dürfen nicht ausgesprochen werden, denn für die Natur gilt ein freies Betretungsrecht. „Man kann nur darum bitten, bei Niedrigwasser die Gumpen nicht zu betreten und die Mangfall den Fischen zu lassen. Die Becken sind ihr letzter Zufluchtsort“, so Halder.

Bei Wasserknappheit reagieren auch die Betreiber der Wasserkraftwerke. „In den wasserrechtlichen Genehmigungen der Anlagen ist genau geregelt, wie viel Restwasser in den Flüssen verbleiben muss“, erläutert Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, denn auch in der Energiekrise gilt: „Restwasser hat Vorrang vor der Kraftwerksnutzung.“ Im schlimmsten Fall müsse der Kraftwerksbetrieb eingestellt werden, doch soweit ist es noch nicht.

Die beiden Kolbermoorer Kraftwerke haben auf die Situation reagiert. Der Wasserzufluss von „Mutter“ Mangfall in den Werkskanal wurde gedrosselt.

Der Zufluss zum Werkskanal wurde am Wehr am Oberwöhr bereits gedrosselt, damit mehr Wasser im Mutterbett der Mangfall bleibt.

„Am Walzenwehr in der Aiblinger Au ist nur noch eines von vier Toren geöffnet“, weiß Jürgen Halder. Der Werkskanal führe noch ausreichend Wasser, schätzt er ein. Hier seien auch die Lebensbedingungen für die Fische besser, da der Kanal durch die Lindenallee gut beschattet sei. An der Mangfall dagegen fehle der Schatten.

Auch der Fischotter räubert im Fluss

Das Niedrigwasser ist nicht das einzige Problem, dass die Fischbestände reduziert. „Wir haben brutale Probleme mit dem Gänsejäger“, so Halder.

Der Gänsesäger ist an der Mangfall ein großes Problem, da er sich von Jungfischen ernährt.

„Er frisst vor allem die kleinen Fische. Wer in den Fluss schaut, sieht, dass wir fast keine Jungfische mehr haben.“ Auch Reiher und Eisvogel ernährten sich von Wassertieren. „Doch die machen keine Probleme“, so Halder. Nun stellt sich ein neuer Räuber ein: der Fischotter. Seine Population an der Mangfall sei stark angestiegen, weiß Halder: „Er reißt in seinem Blutrausch mehr Tiere, als er frisst.“ Zwar habe er selbst den nachtaktiven Fischotter noch nicht beobachtet, seine Fraßspuren an toten Fischen aber bereits gefunden.

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