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Früher jüngere, nun alle Altersgruppen betroffen

Kollabieren die Standesämter? So viele Kirchenaustritte wie nie zuvor im Mangfalltal

In dieser symbolisch nachgestellten Szene verlässt ein Mann eine katholische Kirche.
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In dieser symbolisch nachgestellten Szene verlässt ein Mann eine katholische Kirche.
  • VonPaula Trautmann
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Die Zahlen brechen jeden Rekord. Doch wie können die Standesämter die vielen Anträge stemmen und was bedeutet das für die Verwaltungen? Eine Rundfrage bei Standesämtern mit überraschenden Ergebnissen.

Mangfalltal – Im Mangfalltal sind so viele Bürger aus der Kirche ausgetreten wie nie zuvor. Die Zahlen brechen jeden Rekord. Doch wie können die Standesämter die vielen Anträge stemmen und was bedeutet das für die Verwaltungen?

In Kolbermoor sind seit Januar (Stand 12. April) 176 Personen aus der Kirche ausgetreten. „Das ist viel mehr als sonst“, sagt Ulrike Scheugenpflug von der Stadt Kolbermoor. Vergangenes Jahr um die gleiche Zeit hätten nur 57 Bürger die Kirche verlassen. Im ganzen Jahr 2021 seien 257 ausgetreten, 2020 nur 173. „Es werden jedes Jahr mehr.“ Früher seien es hingegen nur einige wenige gewesen.

Früher jüngere, nun alle Altersgruppen

Einen Grund für den Austritt müsse niemand beim Standesamt angeben. Die Menschen verließen jedoch überwiegend die römisch-katholische Kirche, die evangelische eher weniger. Scheugenpflug vermutet, dass der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche mit der hohen Zahl zu tun haben könnte. Früher seien hauptsächlich junge und berufstätige Bürger ausgetreten. „Jetzt sind es alle Altersgruppen, auch in der Kirche engagierte Leute“, sagt Scheugenpflug.

„Bei uns ist es auch so, quer durch den Gemüsegarten“, sagt Bärbel Walz, Sachbearbeiterin im Standesamt Bruckmühl. Es seien Menschen jungen sowie mittleren Alters und sogar über 80-Jährige dabei. Es würden auch Evangelen aus der Kirche austreten, das sei jedoch nur ein kleiner Bruchteil im Vergleich zu den ehemaligen Katholiken.

Sie vermute ebenfalls den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche als Auslöser. Besonders für Menschen, die in der Kindheit getauft wurden, aber nicht in die Kirche gingen und keinen Bezug zum Glauben hätten. „Manche sagen, sie können das mit ihrem Gewissen nicht mehr vereinbaren“, berichtet Walz.

Sie gehe selbst in die Kirche und habe die letzten Jahre bemerkt, dass immer weniger Leute kommen. „Ich glaube, das ist nicht mehr so zeitgemäß“, sagt Walz. Die Kirche müsse offener werden, etwa indem Frauen mehr eingebunden oder Geschiedene nicht ausgeschlossen werden.

Mit dieser Meinung ist sie wohl nicht alleine. In Bruckmühl sind bis zum 12. April bereits 188 Personen aus der Kirche ausgetreten. „So extrem viele hatten wir sonst nicht mal in einem Jahr“, sagt Walz. 2020 seien es noch 143 im ganzen Jahr gewesen, 2021 bereits 197.

Bruckmühler Standesamt wegen Kirchenaustritten nicht überlastet

Das Bruckmühler Standesamt sei wegen den Kirchenaustritten allerdings nicht überlastet, es sei schließlich nur klein. Während der Corona-Hochphasen hätten Bürger ohnehin nur mit Termin in das Standesamt kommen können. Dann habe sie schon alle Unterlagen vorbereitet und die Prozedur nur fünf Minuten gedauert. Nun könnten die Bürger wieder ohne Termin kommen. „Dann kann es schon mal stressig werden“, sagt Walz. Besonders Donnerstagnachmittag kämen viele. Dennoch halte sich der Stress in Grenzen.

In Kolbermoor häufen sich die Austritte nach Angaben von Scheugenpflug gegen Monatsende. Denn wer am letzten Tag eines Monats austritt, müsse ab dem nächsten Tag im neuen Monat keine Kirchensteuer mehr bezahlen.

Die Verwaltung habe zwar mehr mit den Austritten zu tun als früher, überlastet sei sie dennoch nicht. Es sei „absolut nicht“ der Fall, dass deshalb weniger Hochzeiten auf dem Standesamt stattfinden könnten.

Deutliche Werte auch in Tuntenhausen

Indes sind in diesem Jahr in Tuntenhausen bisher 84 Personen aus der Kirche ausgetreten. Standesamtleiterin Astrid Daxenbichler zufolge waren es im ganzen Jahr 2021 nur 109. Diese Marke wird heuer wohl eher überschrittten. 2020 hätten insgesamt nur 63 Bürger die Kirche verlassen.

Auch die Zahlen in Bad Feilnbach sprechen eine deutliche Sprache. Seit Jahresbeginn sind dort 75 Menschen aus der Kirche ausgetreten, teilt das dortige Standesamt mit. Im Vorjahr waren es insgesamt 100, im Jahr 2020 nur 65. Die Standesämter in Bad Aibling und Feldkirchen-Westerham waren zu Redaktionsschluss nicht für eine Nennung aktueller Zahlen erreichbar.

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