Verein im Corona-Jahr

Kolbermoorer Tischtennis-Spitzensportler dürfen trotz Lockdown weiter trainieren

Im Bruchteil einer Sekunde gilt es herauszufinden, wie der Ball zurückzugeben ist, damit der Gegner möglichst aus seinem Konzept der Spielführung kommt und man aus der Defensive in den Angriff übergehen kann. Naomi Pranjkovic (links) und Laura Tiefenbrunner mit Trainerin Kriszti Toth. thomae
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Im Bruchteil einer Sekunde gilt es herauszufinden, wie der Ball zurückzugeben ist, damit der Gegner möglichst aus seinem Konzept der Spielführung kommt und man aus der Defensive in den Angriff übergehen kann. Naomi Pranjkovic (links) und Laura Tiefenbrunner mit Trainerin Kriszti Toth. thomae
  • vonJohannes Thomae
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Tischtennis beim SV-DJK Kolbermoor: Der Normalbetrieb liegt komplett auf Eis. Derzeit darf nur noch der Kader trainieren – trotz des erneuten Lockdowns, weil die Spieler zu den Besten in Deutschland gehören. Wie das Jahr in der Tischtennis-Abteilung verlief und welche Folgen Corona hatte, lesen Sie hier.

Kolbermoor – Sie dürfen weiter trainieren – trotz des erneuten Lockdowns ab Mittwoch, 16. Dezember. Weil sie zu den Besten in Deutschland gehören: Luis Kraus (14), Naomi Pranjkovic (15) und Laura Tiefenbrunner (19). Ihr Sport: Tischtennis.

Es ist ein schneller Sport, das weiß jeder, der einmal an der Platte stand. Wie schnell er aber wirklich sein kann, merkt man, wenn man Luis Kraus, Naomi Pranjkovic und Laura Tiefenbrunner beim Training in der Turnhalle der Adolf-Rasp-Schule zuschaut. Nicht von ungefähr sind die drei Kaderspieler Laura Tiefenbrunner spielt in der ersten Bundesliga, Naomi Pranjkovic in der zweiten und Luis Kraus ist im Jugendnationalkader und spielt in der ersten Herrenmannschaft der Oberbayernliga.

Es dreht sich um die Spieltaktik

Dabei ist das, was die drei im Training in erster Linie zu optimieren versuchen, gar nicht das Tempo, die Schnelligkeit und Sicherheit der Bewegungsabläufe, es geht um ganz etwas anderes, um Spieltaktik. Blitzschnell zu erkennen, wie der Gegner sein Spiel aufbauen will, aggressiv oder zurückhaltend, und ihn möglichst schnell aus diesem Konzept zu bringen, ihm die eigene Spielführung aufzuzwingen, ihn vom Agieren ins Reagieren zu drängen und das eigentlich bei jedem Ballwechsel aufs Neue: das ist das Ziel.

„Schach auf Speed“

Und offenbar auch das, was für die drei den Reiz an diesem Sport ausmacht. Interessanterweise auch für Luis Kraus. Als junger Mann, von gerade mal 14 Jahren so denkt man, könnte er vor allem vom Tempo der Ballwechsel begeistert sein, doch auch für ihn ist das Faszinierende, wie er sagt, „die Struktur zu durchdringen, die hinter diesem Spiel steckt“. Tischtennis, das merkt man bei diesen Erläuterungen schnell, ist eigentlich „Schach auf Speed“.

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Die Sicherheit in den Bewegungsabläufen, so sagt Kriszti Toth vom Bayerischen Tischtennisverband, die mit den beiden jungen Frauen übt, ist, wenn es um Spitzenleistung geht, sowieso eine Grundlage, die viel früher gelegt werden muss. „Nicht umsonst wird in China mit diesem Sport schon im Alter von vier Jahren angefangen“.

Shows fielen komplett aus

So früh ist man in Kolbermoor nicht dran, aber doch viel früher als anderswo. Schon seit langem veranstaltet die Tischtennisabteilung des SV-DJK Kolbermoor in den Grundschulen alljährlich eine Tischtennis-Show. Mit großem Erfolg – jährlich melden sich in der Folge ungefähr 50 Kinder, von denen die jüngsten gerade mal sechs sind, um Tischtennis selbst auszuprobieren. Natürlich bleibt davon nur ein Bruchteil länger bei der Stange, aber von den rund 200 Frauen und Männern, die in Kolbermoor der Tischtennissparte angehören, sind 80 Kinder und Jugendliche.

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Nur dank dieser konsequenten Jugendarbeit kann der Verein dann eben auch auf junge Spitzentalente wie Laura, Luis und Naomi stolz sein. Um so trauriger findet es Günther Lodes, stellvertretender Abteilungsleiter der Sparte Tischtennis, dass in diesem Jahr coronabedingt keine Tischtennis-Show stattfinden konnte. Er hofft darauf, dass die Veranstaltung vielleicht im Frühjahr nachgeholt werden kann, „sonst fehlt uns ein ganzer Jahrgang und das täte uns dann schon weh“.

Im Herbst wieder Normalbetrieb?

Insgesamt ist er mit seinen Wünschen sowieso bescheiden: „Ich wäre schon froh, wenn wir im nächsten Herbst, also in der nächsten Saison, wieder Normalbetrieb hätten“. Dass der heuer fast völlig fehlte, trifft vor allem die „normalen“ Spieler des Vereins und davon, wie Günther Lodes meint, vor allem die Seniorengruppe. „Denn für alle Spieler ist das Training, sind die internen Wettkämpfe immer auch Gelegenheiten, um danach noch beieinanderzusitzen und zu ratschen, das gilt aber noch einmal besonders für unsere Senioren.“

Genehmigung für Spitzensportler

Zumindest für die drei Kaderspieler ist aber Training möglich – dafür gibt es Ausnahmegenehmigungen „und die Stadt“, so sagt Günher Lodes, „zog glücklicherweise mit und erlaubt uns das Training in der Turnhalle der Adolf Rasp Schule“.

Auch für die jungen Sportler ist das wichtig, denn wie Luis Kraus sagt, sind es die Erfolge bei den Wettkämpfen, die einen immer mehr in diesen Sport hineinziehen: „Weil du dann siehst, dass du tatsächlich gut bist und von diesem Gefühl will man dann einfach mehr.“ Auch Laura und Naomi möchten ihre Erfolge in der Nationalmannschaft ausbauen, haben ganz tief versteckt im Hinterkopf sogar den Traum von einer vielleicht einmal möglichen Olympiateilnahme. Auch wenn es dazu nicht kommt: Schon jetzt ist Kolbermoor dank den drei jungen Leuten im bundesdeutschen Tischtennis ganz oben mit dabei.

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