Kolbermoorer Tafel ist leer: „Es trifft die Ärmsten“

Die letzten Weintrauben: Tafelmitarbeiterin Renate Zeiner vor den leeren Regalen. Jetzt wird überlegt, wie es weitergehen soll. Badura
  • Eva Lagler
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Dagmar Badura und ihr Team stehen vor unbestückten Regalen. Wie geht es weiter? „Es sind keine Lebensmittel mehr da, die wir ausgeben könnten“, sagt Dagmar Badura.

Kolbermoor – Die Leiterin der Kolbermoorer Tafel und ihr Team standen am Mittwochnachmittag vor leeren Regalen. Sogar eine Schließung stand im Raum. Denn: „Wenn wir nichts mehr haben, was wir verteilen können, bleibt uns keine andere Möglichkeit mehr.“ Doch in letzter Minute soll das verhindert werden.

Viele gehören zur Risikogruppe

Es waren schon deutlich weniger Kunden, die am letzten Tag vor der Tür der Einrichtung an der Carl-Jordan-Straße 6 anstanden und nur nacheinander den Raum betreten durften. „Viele der Bedürftigen, die zu uns kommen, gehören ja der Risikogruppe an, die durch das Coronavirus besonders gefährdet sind“, sagt die Tafelleiterin. Auch ein großer Teil der ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen sei über 70 Jahre alt.

Gefährdete sollen zu Hause bleiben

„Wir haben immer versucht, den Betrieb aufrecht zu erhalten, aber es ist schwierig geworden. Und eigentlich sollten alle Gefährdeten in dieser Situation zu Hause bleiben. Aber es trifft hier die Ärmsten der Armen“, weiß Badura.

180 Menschen ohne Hilfe

Rund 180 Personen versorgt die Kolbermoorer Tafel seit 15 Jahren mit Lebensmitteln – vor allem Alleinerziehende, Kinderreiche und alte Menschen, deren Geld nicht zum Leben reicht. Im Durchschnitt kommen 40 Menschen am Mittwochnachmittag in die Einrichtung, die für viele auch ein sozialer Treffpunkt ist. Sie stehen gerne beisammen, bis die Tür geöffnet wird und freuen sich, beim Abholen der Lebensmittel mit den Helfern plaudern zu können.

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Doch am Mittwoch hieß es „Abstand“ halten. Viele waren ohnehin schon zuhause geblieben. Und auch die Ware umfasste nur noch ein Drittel dessen, was man sonst ausgibt. „Wir haben da noch vom Bestand gezehrt“, so Badura. Doch nun gibt es gar nichts mehr. „Ich kann nicht einmal mehr was nachkaufen, überall sind die Regale leer und auch die Spenden brechen uns weg.“

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Auch Kolbermoor schließt Rathaus

Am Mittwoch war der Plan deshalb, bis zum 22. April zu schließen. Doch nach Rücksprache mit Bürgermeister Peter Kloo stand am Donnerstag fest: Das soll auf alle Fälle vermieden werden. Es sollen dringenden neue und auch für die Helfer sichere Wege gefunden werden, um den Bedürftigen der Stadt zu helfen.

Wie diese aussehen können, drüber machen sich die Helfer jetzt eingehend Gedanken.

Große Hilfsbereitschaft

Baduras erlebt auch in Gesprächen mit Kolbermoorern „eine große Hilfsbereitschaft, die sich durch alle Bevölkerungsschichten zieht und die mich überwältigt“. So habe beispielsweise eine Schulleiterin mit ihr Kontakt aufgenommen und mitgeteilt, dass einige Lehrer gerne für ältere Leute einkaufen würden. Eine Studentin habe sich ebenso gemeldet wie Mitglieder anderer Helferkreise.

Keine Lebensmittel abstellen

„Ich stehe in den Startlöchern, wenn es darum geht, in diesen schwierigen Zeiten auch außerhalb des Tafelbetriebs etwas auf die Beine zu stellen, um die Bedürftigen nicht allein zu lassen“, versichert Badura. Sie ist unter Telefon 0 80 31/ 2 31 92 57 erreichbar. Eine dringende Bitte hat sie allerdings: „Auf keinen Fall Lebensmittel vor der Tafel abstellen. Das kommt immer wieder vor, aber sorgt für Probleme. Bitte einfach anrufen, damit wir klären können, was sinnvoll ist und wie das alles gesteuert werden kann.“

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