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DISKUSSIONEN UM SCHULÖFFNUNGEN

Kolbermoorer Rektor Markus Rinner: Klares Plädoyer für den Präsenzunterricht

Lieber an der altgedienten Tafel als am Bildschirm: Rektor Markus Rinner freut sich auf den Präsenzunterricht in der Pauline-Thoma-Mittelschule Kolbermoor.
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Lieber an der altgedienten Tafel als am Bildschirm: Rektor Markus Rinner freut sich auf den Präsenzunterricht in der Pauline-Thoma-Mittelschule Kolbermoor.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Schule auf, Schule zu. Seit Montag sind die Schulen wieder geschlossen – Unterricht findet zuhause statt. So ist es auch an der Pauline-Thoma-Schule. Nur die neunten und zehnten Klassen sitzen in den Klassenzimmern. Wie wichtig Präsenzunterricht ist, erklärt Rektor Markus Rinner.

Kolbermoor – Ja oder Nein? Zu riskant oder wird mit den Sorgen übertrieben? Die Diskussionen um die Schulöffnungen nimmt angesichts der gestiegenden Corona-Inzidenz-Werte deutschlandweit wieder Fahrt auf. Epidemiologen heben warnend den Zeigefinger, Pädagogen fordern die Rückkehr zum normalen Unterricht in der Schule. Dafür plädiert auch Markus Rinner, Rektor der Pauline-Thoma-Mittelschule in Kolbermoor. Wenn auch mit gemischten Gefühlen, wie im Interview mit dem Mangfall-Boten deutlich wurde.

Wie haben Sie die Schulöffnung beurteilt?

Markus Rinner: Wenn ich zurückschaue auf die Wochen, die hinter uns liegen, muss ich feststellen, dass es für die Schüler der neunten und zehnten Abschlussklasse sehr wichtig war, sie wieder in die Schule zu holen. Als Vorbereitung für die Prüfungen, aber auch, um ihnen die tägliche Struktur zurückzugeben, mit gemeinsamen Lernen im Klassenverband und persönlichem Kontakt mit den Lehrern.

Was ist mit den anderen Klassen, die jetzt im Wechselunterricht beschult wurden?

Rinner: Wir hatten die anderen Klassen im Wechselunterricht mit A- und B-Gruppen; das heißt, sie wurden täglich wechselnd in den Klassen oder zuhause im Distanzunterricht beschult. Vom Kollegium liegen mir Rückmeldungen vor, dass der Kontakt die Motivation der Schüler gefördert hat, wieder mehr mitzuarbeiten, auch im Distanzunterricht. Dass dennoch Lücken vorhanden sind, war aus pädagogischer Sicht nicht anders zu erwarten.

Lesen Sie auch:„Schule in Corona-Zeiten: Lehrerverband spricht von komplettem Versagen“

…Sie meinen Lernlücken…

Rinner: …ja, ganz klar: 60 bis 80 Prozent der Schüler können im Distanzunterricht dem Lehrer folgen und die Aufgaben erfüllen. Es gibt aber Schüler, die im Unterricht eher ruhig sind und sich nicht trauen, Fragen zu stellen. Sie profitieren sozusagen vom Banknachbarn, der damit keine Probleme hat und nachfragt, wenn er was nicht verstanden hat. Das bringt dem Ruhigen wiederum die Erkenntnis, „aha, so geht das“.

Dieses Nachfragen gibt’s im Distanzunterricht sehr viel weniger. Deshalb sind wir jetzt dabei, diese Defizite trotz des Wechselunterrichts aufzuarbeiten. Einer der Gründe, warum ich für die Schulöffnung plädiere: Sie macht eine stärkere Motivation der Schüler möglich wie auch eine bessere pädagogische Betreuung.

Wie haben die Schüler den Distanzunterricht bewertet? Gab’s bereits Rückmeldungen?

Rinner: Von den Schülern nicht direkt, aber von die Klassenleitungen. Die haben deutlich gemacht, dass einige Schüler mit dem Distanzunterricht nicht zurechtgekommen sind. Das Hauptdefizit ist natürlich, wenn der Online-Startpunkt um acht Uhr gesetzt wird, dann hat der Schüler seinen PC, sein Tablet oder sein Handy auch eingeschaltet, ist online präsent und nimmt die Arbeitsaufträge an. Ist das nächste Treffen für 9.30 Uhr angesagt, weiß keiner, was der Schüler in dieser Zeit gemacht hat.

Disziplin lässt sich online offenbar nicht vermitteln?

Rinner: Der fehlende direkte Kontakt mit den Lehrern löst bei den unterschiedlichen Schülertypen unterschiedliche Reaktionen aus. Die Ruhigen sitzen im Unterricht, sind körperlich anwesend, geistig vielleicht bei anderen Themen. Dann kommt ein Stichwort, vom Nachbarn oder von der Meldung eines Klassenkameraden – dann ist er sofort hellhörig.

Andere sind in der Schule völlig aufmerksam, verfolgen aber den Distanzunterricht nicht wie gewünscht. Vielleicht, weil die soziale Struktur fehlt, wenn zum Beispiel die Eltern arbeiten und in der Früh das Haus verlassen.

Wie beurteilen Sie das Infektionsrisiko in der Schule und auf dem Schulweg? Das Verhalten vieler Schüler außerhalb des Schulgeländes lässt sich als riskant bezeichnen…

Rinner: Es ist mittlerweile recht gut bekannt und belegt, dass in der Schule die Ansteckungsgefahr gering ist, weil wir auf die Einhaltung der Hygienebestimmungen achten. Die Wege hin zur Schule und zurück sind allerdings mit hohem Risiko behaftet, da muss ich zustimmen, aber darüber haben wir keine Kontrolle.

Dann wäre es deshalb doch sinnvoll, den Unterrichtsbeginn zu staffeln, damit in den Bussen und Bahnen zeitgleich weniger Schüler zusammen kommen…

Rinner: …das wäre vielleicht eine gute Lösung für den Schulweg, die Anhäufung in Bussen und Bahnen würde sich so sicherlich entzerren lassen.

Sie plädieren für den Unterricht in der Schule. Kommt die Schulöffnung mit Blick auf die derzeit wieder steigenden Inzidenz-Werte aber schon wieder viel zu früh?

Rinner: Das ist ein Spagat. Wir wissen vorher nicht, was nachher passiert. Aus schulischer Sicht und mit dem Herzen eines Pädagogen muss ich sagen: Die Schulöffnung ist ganz, ganz wichtig für die Kinder, aus sozialen und psychischen Gründen, vor allem für die sozial-kognitive Entwicklung und Erziehung.

Aus Sicht der Medizin wird es heißen, bloß nicht öffnen, weil dadurch die Infektionszahlen wieder steigen. Bringe ich beides zusammen, ist es sehr schwierig für mich, den richtigen Schluss daraus zu ziehen.

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