Kolbermoorer Malerin: „Malen ist wie Meditation für mich“

Sie malt nur noch Tierportraits: Sabine Koschier mit ihrem „Krafttier“ Delphin.
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Sie malt nur noch Tierportraits: Sabine Koschier mit ihrem „Krafttier“ Delphin.

Beide wollten Kunst studieren, bei beiden waren die Eltern dagegen: Sabine Koschier und Ingeborg Benninghoven haben sich dennoch ihren Traum vom Malen erfüllt. In der Ausstellung der Kolbermoorer Maler werden sie Werke vorstellen.

Von Ulrich Nathen-Berger

Prien – Ihr Berufsziel stand früh fest, auch die Tatsache, dass ihr die eigene Kunst Geld bringen kann: Sabine Koschier wollte schon als Kind Künstlerin werden, „ich habe bereits in der Schule meine ersten Zeichnungen an die Klassenkameraden verkauft“. Es dauerte dann aber doch noch einige Jahre mit beruflicher Zwischenstation, bis ihr Traum greifbar wurde.

1965 geboren und aufgewachsen in München-Pasing, wohnt die mittlerweile freischaffende Künstlerin seit 1998 in Kolbermoor. Nach dem Abitur studierte Sabine Koschier einige Semester an der Ecole du Louvre, der Pariser Hochschule für Kunstgeschichte, Archäologie, Epigraphik und Museologie.

Während des Studiums Zeichnen gelernt

„Mein Vater war allerdings nicht so begeistert von der Idee und hat gemeint, ich soll doch was sinnvoll Kreatives machen, zum Beispiel Architektur studieren.“

So geschehen: Während des Studiums lernte sie Zeichnen, „wir haben alles noch mit Bleistift oder Tusche gezeichnet und in der freien Natur gelernt, mit Licht und Schatten umzugehen. Darum arbeite ich jetzt sehr detailgenau“, sagt die 55-Jährige im Gespräch mit dem Mangfall-Boten. Kurse habe sie nicht belegt.

Als Architektin beschäftigte sich Sabine Koschier statt mit Häuserplanung intensiv mit Raum, Licht und Farbe. Wie intensiv, zeigt zum Beispiel ihre kreative Gestaltung der U-Bahnstation Candidplatz in München mit großen Farbräumen.

Nach ihrer Elternzeit kam der berufliche Schnitt: Sie wollte nur noch als freischaffende Künstlerin arbeiten. „Malen ist meine Arbeit, nicht unbedingt eine Selbstverwirklichung. Ich nehme Auftragsarbeiten an“, sagt Koschier.

Auch Tiere haben eine Persönlichkeit

„Aber wenn ich was für mich male, hab‘ ich das Bild vorab im Kopf, es muss dann genauso werden. Aber das ist oftmals ein langer Kampf und Prozess.“ Ihr Stil: realistische Malerei und teilweise Fotorealismus, ihre Motive Tierportraits, ihre Technik Acryl auf Leinwand. Mit ihrer Kunst wolle sie ausdrücken, dass Tiere eine Persönlichkeit haben, betont sie.

Ausgestellt hat Sabine Koschier ihre Werke bislang im süddeutschen Raum, auch in Italien, Frankreich, München und Salzburg, In Kolbermoor wird sie ihre „Krafttierbilder“ präsentieren sowie einen Indianer im vollen Ornat – allerdings mit Mundschutzmaske.

Gute Noten im Kunstunterricht

Eigentlich wollte auch Ingeborg Benninghoven Kunst studieren und von ihrer Malerei leben können, auch bei ihr hieß es aus Elternmunde: „Lern‘ was Gscheit‘s.“ Sie wurde Arzthelferin.

„Schon in der Schule habe ich im Kunstunterricht immer gute Noten bekommen. Früher habe zum Spaß so vor mich hingemalt. Das mache ich zwar heute auch, aber ich kann jetzt beim Malen aus dem Alltag aussteigen“, sagt die 65-Jährige unserer Zeitung. „Ich vergesse die Zeit, habe das Gefühl, dass ich eine Stunde gearbeitet habe, aber dann ist es doch wieder ein ganzer Tag geworden. Malen ist wie Meditation für mich.“

Für eine Bildidee braucht’s nicht viel: „Ich gehe spazieren und sehe oder finde was, lese ein Gedicht, höre Musik – dann geht‘s los.“ Sie malt entweder an der Staffelei, oder legt die Leinwand in eine Wiese. „Vor allem die großen Bilder entstehen auf dem Boden.“ Kurse hat sie nicht belegt, sie ist reine Autodidaktin.

Vom Zeichnen zur Malerei gekommen

Ingeborg Benninghoven ist vom Zeichnen zur Malerei gekommen, wie sie erzählt, wechselte vom Gegenständlichen zum Abstrakten. Ihre Monotypien sind schon gegenständlicher. Statt auf Papier oder Leinwand wird bei der Monotypie auf Glas-, Acryl- oder auf Metallplatten gezeichnet oder gemalt. Die noch nasse Farbe wird dann direkt auf das Papier abgedruckt.

In ihre Werke in Acryltechnik arbeitet die Künstlerin Fundmaterialen mit ein, wie ihre „Heimaterde“ oder Ätna-Asche, die sie aus einem Urlaub auf Sizilien mitgebracht hat. „In meinem Elternhaus habe ich Kalk gefunden, Bindemittel zugegeben und auch damit gemalt.“

Alle ihre Werke haben Titel, „denn ich möchte den Menschen mitteilen, was meine Bilder ausdrücken sollen. Dennoch soll die Fantasie des Betrachters angeregt werden, etwas zu entdecken, was für ihn wichtig ist“, sagt 65-Jährige, die mit ihrer Familie in Harthausen bei Bad Aibling lebt.

Gedichte aus der eigenen Feder

Oftmals gibt’s zu den Bildern Gedichte aus ihrer Feder als Beigabe, wenn es einen Käufer gefunden hat.

Ausgestellt hat sie in Deutschland und Österreich, auch mit dem Kunstverein Bad Aibling, dessen Mitglied sie ist.

In der Ausstellung der Kolbermoorer Maler ab Ende Oktober wird Ingeborg Benninghoven Monotypien und neuere Werke zeigen, die in der Corona-Zeit entstanden sind.

„Malen ist wie Meditation für mich“: Ingeborg Benninghoven hat sich dem Abstrakten verschrieben.

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