Kolbermoorer Maler: Landschaften, Portraits und Abstraktes

Rund 250 Gäste versammelten sich bei der Vernissage in der Pauline-Thoma-Schule. Thomae

Rund 250 Besucher bei Vernissage der „Kolbermoorer Maler“ – Schau bis 3. November in der Pauline-Thoma-Schule

Von Johannes Thomae

Kolbermoor –  „Klasse statt Masse“ ist das Motto der Gemeinschaft „Kolbermoorer Maler“. Jetzt zeigen sie ihr Können in einer Ausstellung in der Pauline-Thoma-Schule. Am Freitag fand die Vernissage statt, zu der rund 250 Besucher kamen – darunter auch Bürgermeister Peter Kloo, der die Schau eröffnete. Zu sehen ist eine große Vielfalt: Die Palette reicht von Landschaften in Öl von Erich Zettl bis zu Abstraktionen von Hildegard Czizegg.

Da sind zum Beispiel die Fineliner-Zeichnungen von Jens Lerner. Sie sind filigran, mit viel Liebe zum Detail. Aber für den Künstler sind sie eher „Nebenbei-Zeichnungen aus purem Spaß“. Des Weiteren sind Werke von Michael Fodermaier zu bewundern. Für ihn sind seine Bilder in klaren, starken Farben ein wichtiges Kommunikationsmittel: Ein Weg, sich aus den Fesseln des Autismus‘ zu befreien, in Beziehung zu seiner Umwelt zu treten, vor allem aber auch, diese Umgebung für sich zu ordnen. Beide sind übrigens neben Zettl heuer die Gastkünstler auf der Jahresausstellung.

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Die Gruppe trifft sich einmal im Monat. Künstler Loz Verney bringt es auf den Punkt: „Ich war 17 Jahre lang in München, und hinsichtlich der Kunst war München für mich ein Albtraum: Hochnäsiger Mist, in Konventionen erstarrt. Als ich nach Kolbermoor kam, war es, als würde ich nach langem wieder frische Luft atmen können: Hier ist Kunst unmittelbar, hat mit Geld nichts zu tun, aber alles mit Leidenschaft.“

Leidenschaft strahlen auch seine Werke aus, die immer Geschichten erzählen. Oft von dem schwierigen Leben in einem schwierigen Viertel Londons, in dem er aufgewachsen ist. Denn für ihn ist das „sich anderen mitteilen wollen“ die Grundlage jeden Kunstschaffens.

Dabei muss es nicht immer um das Weitergeben von Erlebnissen gehen, wie bei seinen eigenen Bildern. Auch das Weitergeben von Stimmungen gehört dazu: Ein „dort war ich, und diese Landschaft, dieses Detail hat auf mich gewirkt“, zum Beispiel. Oder ein „das treibt mich um“, wie die Umweltprobleme unserer Gesellschaft. Bei anderen Bildern aus der Gruppe wiederum geht es eher um den reinen Ausdruck von Emotionen, Gefühlslagen oder um das Festhalten des Schaffensmomentes.

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Portraits und Akte zeigt Alois Siepl: „Bei einem fotografischen Portrait bemüht man sich, hinter die Oberfläche des anderen zu blicken. Bei einer Zeichnung ist es oft mehr ein Blick hinter die eigene Fassade. Das gilt für alle Bilder und sei es nur, weil man sich beim Schaffensprozess fragt, warum man an einem Punkt nicht weiterkommt.“

Für ihn wie auch für Verney steckt auch deshalb in dem Wort Leidenschaft, mit der man seiner Kunst frönt, nicht umsonst das „Leiden“: man ringt mit dem Werk, ist unzufrieden. Für wohl alle der Künstlergruppe ist aber genau das eine Voraussetzung für echtes Schaffen: „Selbstsicherheit, gar Selbstgefälligkeit“, so Verney, „passt nicht zu einem Künstler, es geht um das sich Reiben an den eigenen Grenzen.“

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Umso mehr schätzt er die Gruppe, als Möglichkeit, sich auszutauschen. Selbst wenn es nur ein lockerer Verbund ist, der sich monatlich zum Stammtisch trifft, steckt darin die Chance sich einer Gruppe von Gleichgesinnten zugehörig und unter ihnen wohl zu fühlen. Einen Eindruck konnte man sehr gut bei der Vernissage bekommen: Es ging ums Reden, ums Anschauen von Bildern, und auch um das Anhören von Musik, die die „Bad Gentlemen“ darbot.

Und alle, die nicht dabei waren, aber dennoch einen Eindruck vom Geist der Gruppe bekommen möchten: Sie hat im Sommer ein Gemeinschaftsbild erstellt. Das Video ist im Eingangsbereich zu sehen – was unmittelbar davon überspringt, ist ein Funke von Fröhlichkeit und guter Laune.

Die Ausstellung: Die Künstler sind Gerd Brosch, Ingeborg Benninghoven, Hildegard Czizegg, Michael Fodermaier, Hanni Harzenetter, Meisi Inninger, Sabine Koschier, Jens Lerner, Resi Pramböck, Brigitte Schindler, Penny Seitz, Alois Siepl, Rolf Strobel, Carla Sotier, Loz Verney, Erich Wagner und Erich Zettl. Ihre Werke sind bis einschließlich 3. November in der Pauline-Thoma-Schule zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag, Feiertag von 10 bis 18 Uhr.

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